Droht dem Ustermer Spital jetzt das Aus?
Was in der Spitallandschaft des Kantons Zürich wie ein Paukenschlag klingt, lässt den Ustermer Spitaldirektor Andreas Greulich nicht in Schockstarre verfallen.
Deshalb will Natalie Rickli Spitäler schliessen
15.03.2022

Zürcher Spitalliste 2023
Die Zürcher Regierung plant grosse Änderungen im Gesundheitswesen: Weniger Akutspitäler, dafür me Beitrag in Merkliste speichern Am Dienstagmorgen hat die Züricher Regierungsrätin und Vorsteherin der Gesundheitsdirektion Natalie Rickli (SVP) die provisorische Spitalliste 2023 vorgestellt. Alle zehn Jahre wird diese Liste erneuert. Spitäler, Psychiatrien und Rehakliniken, die auf der Liste figurieren, dürfen Grundversicherte behandeln und erhalten dafür finanzielle Beiträge vom Kanton.
Fehlende wirtschaftliche Stabilität
Greulichs Spital in Uster ist eines von drei gefährdeten Krankenhäusern auf der Liste. Denn so erteilt der Zürcher Regierungsrat dem Spital Uster Leistungsaufträge für die nächsten drei Jahre nur provisorisch. Im mehr als 200 Seiten umfassenden Strukturbericht heisst es als Begründung, dass «Zweifel hinsichtlich der mittel- und längerfristigen wirtschaftlichen Stabilität des Spitals» bestünden.
Das eingereichte Bewerbungsdossier lasse «keine solide Grundlage für einen kosteneffizienten Betrieb» erkennen. Zu hohe und tendenziell steigende Fallkosten und die unmittelbare Nähe des GZO Spital Wetzikon mit sehr ähnlichem Leistungsangebot werden von der Gesundheitsdirektion als weitere Argumente genannt, das Spital Uster nur befristet auf die Spitalliste zu setzen.
Entscheid im Vorfeld antizipiert
«Natürlich hat dieser Entscheid keine Freude in uns ausgelöst, aber letztlich auch kein Unverständnis», erklärt ein gelassener Spitaldirektor. «Die Jahresabschlüsse 2019 und 2020 sind bekannt, wir mussten damit rechnen, dass es jetzt so weit kommt», sagt Andreas Greulich.
Die fehlende wirtschaftliche Stabilität des Hauses verhinderte vor zwei Jahren auch eine angestrebte Fusion mit dem GZO Spital Wetzikon. Seither ist Greulich bestrebt, den Turnaround zu schaffen.
«Der Jahresabschluss für 2021 wird eine erfreuliche Sache»
Andreas Greulich, Direktor Spital Uster
«Grundsätzlich sind wir noch nicht ganz in den schwarzen Zahlen, aber der Jahresabschluss für 2021 wird eine erfreuliche Sache werden. Gegenüber 2020 konnten wir die Kosten um 6 Millionen Franken senken, vorwiegend aufgrund Einsparungen im Personalbereich.»
Es sei letztlich schade, dass die Gesundheitsdirektion die Abschlüsse der schlechteren Jahre vorher miteinbeziehe, aber so seien die Spielregeln. «Ich habe hier Anfang 2020 übernommen, dann kam Corona. Wir waren erst einmal im Krisenmodus», so Greulich.
Turnaround als Prozess
Dieser sei jetzt überwunden. Und die Kehrtwende, sie geht weiter. «So ein Turnaround ist nicht in einem Jahr stemmbar, ich schätze da drei Jahre als realistisch ein.»
Unabhängig vom Entscheid der Gesundheitsdirektion sehe man weitere Sparpotentiale und lasse aktuelle Planungen weiterlaufen. Einzig beim Bauprojekt gebe es Auswirkungen, so war doch eine enge Zusammenarbeit und ein Bettenhaus für das RehaZentrum Wald geplant.
Muss Reha-Klinik Wald umziehen?
Doch daraus wird vorläufig nichts. Die Höhenklinik auf dem Faltigberg, die 1898 als Sanatorium zur Bekämpfung von Tuberkulose errichtet wurde, bedauert in einer Mitteilung die Ablehnung der Rehabilitation in Uster, wodurch «jahrelange intensive Planungsarbeit» zunichte gemacht würde.
Die Klinik für Rehabilitation, die mit 2100 Fällen pro Jahr die grösste innerkantonale Reha-Klinik, steht aber nicht nur deshalb selber vor einer ungewissen Zukunft. Zwar werden dem Zentrum von der Gesundheitsdirektion gemäss der provisorischen Spitalliste weiterhin eine Reihe von Leistungsaufträgen erteilt.
«Wald ist weder zentrumsnah noch in der Nähe eines Akutspitals»
Strukturbericht Zürcher Spitalplanung 2023
Allerdings heisst es: «Wald ist weder zentrumsnah noch in der Nähe eines Akutspitals.» Genau darin liegt jedoch die künftige Strategie und Vision der Zürcher Regierung: der Bevölkerung vermehrt wohnorts- und akutspitalnahe Reha-Kliniken zur Verfügung zu stellen.
Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens des Strukturberichts, das bis Mitte Mai dauert, will die Zürcher Regierung mit dem Reha Zentrum Wald abklären, «ob die betreffenden Leistungen mittel- bis langfristig an einem anderen Standort im Zürcher Oberland erbracht werden können.»
Andreas Mühlemann, Präsident der Stiftung Zürcher RehaZentren sowie Christian Bretscher, Vizepräsident der Stiftung und Markus Gautschi, CEO, wurden Montagabend von Nathalie Rickli und ihrem Stab über den Entscheid, dass für den Standort Uster keinen Rehabilitations-Leistungsauftrag vergeben wird, vorab informiert.
«Wir sehen auch für gewisse Bereiche in der Reha die Notwendigkeit für die Spitalnähe»
Markus Gautschi, CEO Stiftung Zürcher RehaZentren
«Es wurden immer wieder mal Gespräche über mehr Zentrums- und Spitalnähe geführt. Wir sehen auch für gewisse Bereiche in der Reha die Notwendigkeit für die Spitalnähe, sonst hätten wir Uster nicht seit mehreren Jahren geplant», so Gautschi. Doch er sei der Überzeugung, dass der Standort in Wald für gewisse Patientinnen und Patienten dem gegenüber viele Vorteile biete.
Die Forderung der Gesundheitsdirektion, nach der Nähe zu einem Akutspital, ist hingegen deutlich. Was bedeutet das, einerseits für den Neubau des Reha-Zentrums, mit dem 2023 begonnen werden soll, andererseits für Zusammenarbeiten in der Region?
Neubau der Reha-Klinik Wald nimmt Umwelt-Hürde
01.11.2021

Einsprachen ausgeräumt
Seit Juni ist klar, wie der Neubau der Walder Höhenklinik aussehen wird. href=”/flag/flag/np8_favorites/3262729?destination=batch&token=GTUfWCqUWC_RI9qpiX3vfg9sMT5kOplwvCdrq21qFRY” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3262729 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern «Wir fahren momentan ganz normal mit dem dem schon weit fortgeschrittenen Vorprojekt für den Neubau weiter und schliessen dieses wie geplant ab», so Gautschi. Was eine Kooperation angehe, so werde man sicher mit dem GZO Spital Wetzikon in Kontakt treten. «Da wurden immer wieder mal Gespräche geführt, falls vielleicht etwas nicht klappen sollte, auch mit anderen Spitälern.
Kooperation statt Fusion
Während so in Wald noch Unklarheit herrscht über die Zukunft, zeigt sich in Uster Spitaldirektor Andreas Greulich zuversichtlich.
So befürchtet er weder einen Personalabgang, noch dass sein Spital der Regierung bis Ende 2025 nicht aufzeigen kann, dass es wirtschaftlich stabil unterwegs ist.
Er nehme auch den Warnhinweis der Gesundheitsdirektion ernst, die sich eine bessere Abgrenzung zum GZO Spital Wetzikon wünscht. «Die Fusion hat Ansätze für Kooperationen aufgezeigt», so Greulich, «wir wollen das weiter ausbauen.»
Fühle er sich durch den Entscheid der Regierung aber für künftige Verhandlungen vielleicht nun in eine Juniorpartnerrolle gedrängt? «Nein, sicherlich nicht», sagt Greulich und lacht am Telefon. «Es ist klar, dass GZO hat seine Hausaufgaben gemacht und einen klareren Auftrag. Letztlich sitzen wir aber alle im gleichen Boot.»
Auch eine Fusion sei für ihn nicht endgültig vom Tisch. «Sowas kann man in dieser Branche einfach nicht sagen.» Eine Fusion mache seiner Ansicht nach jedoch nur Sinn, wenn es ein grosses Haus gebe. «Und hier wurde lange vor meiner Zeit die Entscheidung getroffen, an zwei Standorten festzuhalten», so Greulich. Das GZO baue jetzt zwar auch, aber dieser Neubau biete für ein grosses gemeinsames Spital wieder zu wenig.
Umwandlung von Zweckverband in AG
Wohin das Spital Uster steuert, ist aktuell noch unklar. Klar hingegen ist, dass am 15. Mai über die Überführung des Zweckverbands in eine Aktiengesellschaft abgestimmt wird.
Greulich ist optimistisch, dass der Entscheid der Regierung, dem Spital vorerst nur einen provisorischen Leistungsauftrag zu erteilen, keinen Einfluss haben wird. «Wir haben mit allen Delegierten und Zweckgemeinden stets intensive und transparente Gespräche geführt.»
