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50 Jahre Einsatz mit Herzblut für die Kirchgemeinde in Kollbrunn

Seit 1972 packt Alina Agrella in der Kirche St. Antonius in Kollbrunn an. Zuerst als Freiwillige, dann als Sakristanin. Ende April hat sie ihren letzten Arbeitstag.

Alina Agrella spricht nicht gerne über ihr Alter. Doch nach 50 Jahren Dienst in der Kirche geht sie Ende April in Pension., Die Sakristei war ein wichtiger Arbeitsort für Agrella. Hier musste stets Ordnung herrschen., Für die Dekoration in der Kirche war die Sakristanin ebenfalls zuständig. Aktuell fehlen jedoch die Blumen, es ist Fastenzeit.

Fotos: Bettina Schnider

50 Jahre Einsatz mit Herzblut für die Kirchgemeinde in Kollbrunn

Es war im Jahr 1958, als Alina Agrella mit knapp 20 Jahren nach Kollbrunn kam. Die junge Frau, die in Frankreich geboren und Italien aufgewachsen war, fand im Tösstaler Dorf eine Arbeitsstelle in der Textilfabrik Wiesenthal.

«Sechs Jahre lang war ich dort tätig, bis mein zweites Kind auf die Welt kam», erzählt Agrella. Schon zu dieser Zeit waren sie und ihre Familie aktive Kirchgänger. «Seit ich in Kollbrunn lebe, habe ich auch immer nahe an der Kirche gewohnt.»

1972 wurde Agrella vom damaligen Pfarrer gefragt, ob sie nicht etwas aktiver in der Katholischen Pfarrei St. Antonius mithelfen möchte. «Ich habe daraufhin zusammen mit anderen Frauen und Familien Feste geplant, neue Altardecken genäht oder das Pfarreiheim geputzt», erinnert sie sich.

Bis heute im Stundenlohn

Gleichzeitig war sie auch wieder berufstätig geworden und arbeitete bis Anfang der Neunzigerjahre als Verkäuferin in einer Drogerie.

Nachdem sich Agrella 20 Jahre lang freiwillig in der Kirchgemeinde engagiert hatte, wurde sie schliesslich angefragt, ob sie nicht als Sakristanin arbeiten möchte. «Und zwar im Stundenlohn.» Das war 1992. Und noch heute übt sie dieses Amt aus, obwohl sie das Pensionsalter schon längst erreicht hat.

« An diesem speziellen Tag muss das weisse Gewand einwandfrei sitzen.»
Alina Agrella, Sakristanin in Kollbrunn

Als Sakristanin ist Alina Agrella für die Pflege und den Unterhalt der Räume in der Kirche zuständig. Sie sorgt für den Blumenschmuck und schaut, dass alles für die Gottesdienste bereit ist. Ebenso organisiert sie viele Anlässe oder hilft bei deren Durchführung mit.

Im Einsatz für die Kinder

Doch ihr Aufgabenbereich war schon immer viel weiter gefasst. Bis heute passt sie beispielsweise die Kleider der 10 bis 15 Erstkommunionkinder an. Diese kommen für die Anprobe jeweils in die Sakristei – und bleiben dort, bis Agrella mit ihrer Arbeit wirklich zufrieden ist. «Denn an diesem speziellen Tag muss das weisse Gewand einwandfrei sitzen», betont sie.

In Italien habe sie damals eine Lehre als Schneiderin absolviert. «Also habe ich dieses Talent auch in der Kirche eingesetzt.»

Die Kinder in der Kirche sind ihr immer sehr wichtig gewesen. So war Agrella auch viele Jahre als Katechetin, also als Religionslehrerin, tätig. Diese Arbeit begann sie ebenfalls 1992.

Eine kurze Zeit oder 22 Jahre

Der damalige Pfarrer fragte sie, ob sie nicht den Katechetinnen-Kurs in Effretikon absolvieren und eine Unti-Klasse übernehmen könnte.

«Viele sagen mir, wie ihnen der Unterricht bei mir und meiner Kollegin gefallen hat.»
Alina Agrella

«Er meinte, ‹Alina, könntest du das nicht für eine kurze Zeit machen, bis wir jemand anderes gefunden haben?›», erinnert sie sich und ein Lachen huscht über ihr Gesicht. Für kurze Zeit hiess konkret bis 2014. Also 22 Jahre lang.

Noch heute trifft Agrella ehemalige Unti-Kinder im Dorf. «Viele können sich an mich erinnern und sagen mir, wie ihnen der Unterricht bei mit und meiner Kollegin gefallen hat.»

Sie war stets für die Erst- und Zweitklässler zuständig. «Auch in diesem Alter ist der Religionsunterricht wichtig, aber wir haben auch viel gebastelt, gesungen und am Ende immer zusammen einen ‹Zvieri› gegessen.» Vor acht Jahren kam für Agrella schliesslich der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.

Vom Blumenschmuck bis zum Pfarreikaffee

Nun sei auch der passende Moment, um ihr Amt als Sakristanin niederzulegen, erklärt sie und ergänzt: «Zumal auch Pfarrer Ignace Bisewo Pesa die Gemeinde per Ende April verlässt.»

Agrella hat in den vielen Jahren mit fünf Pfarrern und unzähligen Vertretungen zusammengearbeitet. Ihre Tätigkeit habe sie immer mit Stolz erfüllt, betont sie.

«Ich öffne immer noch jeden Morgen die Kirchentür. »
Alina Agrella

«Oft teilten mir Vertretungspfarrer mit, wie gut organisiert und sauber alles sei. Alles was ich machte, habe ich mit viel Liebe gemacht.» Vom Blumenschmuck in der Kirche über das Vorbereiten eines Pfarreikaffees.

Zeit für den Ur-Enkel

Eine Pause gönnte sich Agrella dabei nur selten. «Ich öffne immer noch jeden Morgen die Kirchentür und schliesse sie am Abend.» Sieben Tage in der Woche. Das ist aus ihrer Sicht nur möglich, weil sie so nahe an der Kirche wohnt.

Einzig bei den Reinigungsabreiten kann sie wegen ihres Alters – über das sie eigentlich gar nicht sprechen möchte – nicht mehr alles machen. «Ich möchte nicht mehr auf eine Leiter steigen», sagt sie. Aus diesem Grund erhält sie seit rund fünf Jahren etwas Unterstützung.

Ende April wird Alina Agrella nun zum letzten Mal die Kirchentür von St. Antonius abschliessen. Nach 50 Jahren Einsatz in der Kirchgemeinde. «Ich glaube aber nicht, dass ich die Aufgabe gross vermissen werde.»

Im ersten Moment müsse sie aber etwas Abstand gewinnen. Zu tun hat sie mehr als genug: «Vor kurzem kam ein neuer Ur-Enkel zur Welt, und ich freue mich sehr aufs Hüten.»

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