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Film «Paracelsus» – eine humanistische Bildungsreise

Der Regisseur Erich Langjahr mit Wurzeln im Zürcher Oberland hat einen nicht herkömmlichen Film produziert, der schon bald in den hiesigen Kinos zu sehen ist. Im Zentrum stehen geschichtsträchtige Orte, an denen «Paracelsus» einst wirkte.

Über drei Jahre lang arbeitete Erich Langjahr am Film «Paracelsus».

Bild: Roger Hofstetter

Film «Paracelsus» – eine humanistische Bildungsreise

Theophrastus von Hohenheim, auch «Paracelsus» genannt, lebte von 1493 bis 1541 und hinterliess grosse Spuren. Noch heute geniesst sein Name eine gewisse Popularität sowie eine sagenumwobene Bedeutung. Er wirkte während der Renaissance als Arzt, Naturforscher, Alchemist, Denker und stellte gerne den Zeitgeist dieser längst vergangenen Epoche in Frage.

Auch die Theologie scheint in seinem für heutige Verhältnisse eher kurzen Leben, eine grosse Rolle gespielt zu haben. Er war ein Verehrer der sogenannten «Weibheiligkeit», beziehungsweise der Gottesgebärerin Maria. Jegliche Art von Zeremonien und Mönchstum lehnte Paracelsus hingegen ab. 

«Wer in sich selber kann bestan, gehöre keinem andern an.»
Theophrastus von Hohenheim, auch « Paracelsus » genannt 

Geboren in Egg im Kanton Schwyz nahe Einsiedeln, reiste Paracelsus viel umher und wurde wohl auch aufgrund seiner komplexen Wesensstruktur wie den daraus resultierenden Konflikten, nie wirklich sesshaft. In diesem Zusammenhang scheint eines seiner berühmtesten Zitate Bände zu sprechen: «Wer in sich selber kann bestan, gehöre keinem andern an.»

Unzählige Ortsreisen

Im neuen Film von Erich Langjahr wird man als Zuschauer in eine besondere Welt mitgenommen, fernab der heutigen Realität. Entspannende Klänge und atemberaubende Naturbilder verstärken diese Wirkung zusätzlich. Ein biographischer Landschaftsessay im Dokumentarfilm-Format.

«Ein Pilger bin ich gewesen meine Zeit, allein und fremd und anders.»
« Paracelsus »

Die Filmreise beginnt an der Teufelsbrücke in Egg, die über die Sihl nach Einsiedeln («der heiligste Ort der Schweiz») führt und endet an der letzten Wirkungsstätte von Paracelsus vor seinem Tod, in Salzburg. Es sei sicher anzunehmen, dass Paracelsus die Teufelsbrücke einst überquert habe. «Ein Pilger bin ich gewesen meine Zeit, allein und fremd und anders», zitiert Paracelsus sich selbst in einer seiner Schriften.

Künftigen Kinobesuchern werden Einblicke in eine versunkene Welt von Unbekanntem und Vergessenem geboten. Dabei spielen Natur, Spiritualität, Christentum, Volkskunde, Geschichten und Sagen in Erzählform, durch den Sprecher Pirmin Meier wieder zum Leben erwachen, die «Hauptrollen» in dem 108-minütigen Film. Um die unzähligen Geschichten, Anekdoten und all das vermittelte Wissen mitverfolgen zu können, brauchen Zuschauerinnen und Zuschauer eine gehörige Portion Wachsamkeit.

Verbindung zum Ritterhaus

Die Familiengeschichte von Paracelsus führt direkt ins Gelände des bedeutendsten Denkmals der Ordensrittertradition in der Schweiz – der historischen Johanniterkommende zum Ritterhaus Bubikon. «Es gäbe keinen Paracelsus in Einsiedeln ohne die Kommende Bubikon», erklärt Meier im Film.

«Paracelsus selbst betonte zwar stets energisch, er stamme aus Einsiedeln.»
Pirmin Meier, Filmsprecher und Paracelsus Biograph

Das Ritterhaus dürfte der Anlass gewesen sein, weshalb sich der Lizentiat der Medizin von 1481, Wilhelm von Hohenheim, der Vater von Paracelsus und anerkannter unehelicher Sohn des Komturs Jörg von Hohenheim, sich in Bubikon niederliess und als akademisch ausgebildeter Arzt im Raum Etzel tätig war. «Paracelsus selbst betonte zwar stets energisch, er stamme aus Einsiedeln», sagt Meier. Die Familie von Hohenheim habe sich dem Erbe der Johanniter wie auch den Kranken gegenüber stets verpflichtet gefühlt.

Lange geplante Produktion

Regisseur Erich Langjahr ist seit fast 50 Jahren im Filmgeschäft tätig und darf sich in der Schweiz mit einem gewissen Bekanntheitsgrad schmücken. Er stammt ursprünglich aus Rüti und lebt in Root nahe Luzern. Auch mit seinen bald 79 Jahren ist er noch umtriebig und viel unterwegs. Zum Film «Paracelsus» sagt er: «Es war für mich schon seit langer Zeit klar, dass ich einmal einen Film über diese historische Figur drehen würde.»

«Es war für mich schon seit langer Zeit klar, dass ich einmal einen Film über diese historische Figur drehen würde.»
Erich Langjahr, Regisseur

Die Idee zum Film sei in ihm vor etwa fünf Jahren gereift. Dies habe insbesondere mit seinem langjährigen Freund Pirmin Meier zu tun, der im Film als Protagonist wirkt und mit seinem scheinbar grenzenlosen Fachwissen all die im Film gezeigten, geschichtsträchtigen Orte wieder zum Leben erweckt. «Primin Meier ist wohl der grösste Paracelsus Kenner der Schweiz», meint Langjahr.

Der Essay-Stil sei der Ursprung für die Produktion gewesen und das «paracelsische» in der Landschaft stelle den Kern des Films dar. Weitere Filmerlebnisse sind mit bedeutenden Persönlichkeiten wie dem fastenden Eremit Bruder Klaus, Erasmus von Rotterdam als Patient sowie mit einer Prophezeiung für Huldrych Zwingli verbunden. 

Erich Lanjahr

Ab 14. April im Kino

Die Filmproduktion habe in Zusammenarbeit mit ihm und vielen anderen Akteuren zirka drei Jahre gedauert. Die Uraufführung fand im vergangenen Herbst am Zürcher Film Festival statt und war sehr erfolgreich. «Nach dem Film gab es damals eine ausgiebige Diskussion mit einem sehr interessierten Publikum», sagt Langjahr. Dieser Film stelle elementare Fragen des Lebens, weshalb er nachhaltig wirke.

«In diesem Film öffnen wir eine Tür zu einer Welt, die uns sonst verborgen bleibt.»
Erich Langjahr, Regisseur

Nun will Langjahr auch im Oberland auf seinen neuen Film aufmerksam machen. «Die Aufführungen in den Kinos in Uster, Wetzikon und Männedorf sind sicher, wobei ich derweil noch in Verhandlungen mit dem Kino in Pfäffikon stehe», so Langjahr. Die Regie-, Buch-, Kamera- und Stimmführung sowie die Montage übernahm Langjahr selbst. «In diesem Film öffnen wir eine Tür zu einer Welt, die uns sonst verborgen bleibt.» Ab dem 14. April wird der Dokumentarfilm «Paracelsus – Ein Landschaftsessay» in den Kinos zu sehen sein.

Filmografie:  Erich Langjahr hat neben unzähligen Kurz und Mittellangfilmen bisher 12 Kinofilme realisiert. Morgarten findet statt 1978, Ex Voto 1986, Männer im Ring 1990, Sennen-Ballade 1996, Bauernkrieg 1998, Hirtenreise ins dritte Jahrtausend 2002, Das Erbe der Bergler 2006, Geburt 2009, Mein erster Berg 2012, Für eine schöne Welt 2016, Das Rössli, die Seele eines Dorfes 2019 sowie den aktuellsten Film, Paracelsus Ein Landschaftsessay 2021. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, mitunter die Goldene Taube des internationalen Filmfestivals Leipzig, den Innerschweizer Kulturpreis und den Schweizer Filmpreis. Weitere Informationen zum Regisseur unter www.langjahr-film.ch .

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