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Der Kanton startet Informationsoffensive in Wila

Der Kanton hat einen Newsletter zur Töss-Revitalisierung in alle Wilemer Haushalte verteilt. Darin geht er auch auf Kritikpunkte der Gegner ein.

Der Kanton will die Töss in Wila wieder revitalisieren., Die Töss soll naturnaher werden. Zum Beispiel könnte im Würbel in Wila (hinten in der Mitte) eine Auenlandschaft entstehen., Doch die Revitalisierung des begradigten Fliessgewässers kommt nicht bei allen Wilemern gut an.

Foto: Eva Kurz

Der Kanton startet Informationsoffensive in Wila

«Für Wila, für die Natur.» Mit diesem Titel beginnt die Botschaft von Baudirektor Martin Neukom (Grüne) im Newsletter zur Töss-Revitalisierung. Am Freitag verteilte der Kanton diese sechsseitige Informationsbroschüre in alle Wilemer Haushalte. Das Projekt ist neu auch gross auf der Website des Kantons aufgeschaltet.

Die Revitalisierung der Töss in Wila wird bereits seit Jahren diskutiert. Der Kanton möchte einen rund 1,3 Kilometer lange Abschnitt wieder naturnaher gestalten. Dieser reicht von der Autobrücke in Richtung Tablat bis zur SBB-Brücke. Dadurch soll auch der Hochwasserschutz verbessert werden.

Zudem verfolgt das kantonale Projekt das Ziel, das Gebiet Würbel wieder vollständig an die Töss anzuschliessen und damit die Auenlandschaft wiederzubeleben.

Erklärungsbedarf in Wila

Gemäss dem Zeitplan in der Broschüre befindet sich der Kanton noch in der letzten Phase des Variantenstudiums und ist im Gespräch mit Grundeigentümern und Direktbetroffenen.

Doch wieso orientiert die Baudirektion die Bevölkerung genau jetzt in einem Newsletter? «Im Verlauf des Austauschs mit der Bevölkerung von Wila zeigte sich, dass bereits in dieser frühen Planungsphase viele Fragen auftauchen und zusätzlicher Erklärungsbedarf besteht», erklärt Mediensprecher Wolfgang Bollack auf Anfrage.

Die Strecke der geplanten Töss-Revitalisierung. Karte: Google MyMaps 

Mit dem Newsletter und dem Eintrag auf der Website komme man dem Bedürfnis nach zusätzlichen Informationen nach. «Dies ist in einer so frühen Planungsphase eher unüblich, aber sicher sinnvoll.»

Bisher haben zwei Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Anspruchsgruppen stattgefunden. Daraus resultierten drei verschiedene Varianten für die Revitalisierung der Töss.

«Ein Datum für die Präsentation der Bestvariante steht noch nicht fest.»
Wolfang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion

Diskutiert werden eine Mini-, Midi- und Maxi-Variante. Wie diese aber genau aussehen, das wollte die Baudirektion im vergangenen Herbst nicht bekanntgeben.  «Aufgrund der Rückmeldungen von allen Seiten bearbeiten wir die Varianten weiter», wird Projektleiterin Simone Messner im Newsletter zitiert.

Im Frühling oder Sommer soll die Wahl der Bestvariante erfolgen. Diese Entscheidung liegt in der Hand des Kantons. Die Wilemer Bevölkerung kann darüber nicht abstimmen.  «Ein Datum für die Präsentation der Bestvariante steht noch nicht fest», ergänzt Bollack.

Wasser für Winterthur ist nicht schuld

In Wila regt sich schon länger Widerstand und Skepsis gegen das Vorhaben des Kantons. Im vergangenen Herbst hat eine Gruppierung aus Landbesitzern und -bewirtschaftern, Anwohnenden sowie anderen Vertretern eine Petition mit 126 Unterschriften beim Gemeinderat eingereicht.  Sie hegte die Befürchtung, dass die Bevölkerung zu wenig involviert sei und vor vollende Tatsachen gestellt werden könnte.

In seiner Antwort betonte der Gemeinderat Wila, dass er Verständnis für die Anliegen habe. «Bei diesem Projekt wird es darum gehen, eine faire, verträgliche Balance für alle zu finden», schrieb er damals.

«Das ist ein uraltes, natürliches Phänomen, das weder mit dem Klimawandel noch mit der Grundwasserentnahme zu tun hat.»
Aus dem Newsletter der Baudirektion

Im Newsletter nimmt die Baudirektion auch diverse Kritikpunkte der Gegner der Töss-Revitalisierung auf. So zum Beispiel, dass die Töss im Sommer oft über mehrere Monate kaum Wasser führe.

«Das ist ein uraltes, natürliches Phänomen, das weder mit dem Klimawandel noch mit der Grundwasserentnahme für die Trinkwasserversorgung von Winterthur zu tun hat», steht im Newsletter.

Durch die Revitalisierung verbesserten sich auch in diesen Zeiten die Bedingungen für die Natur: «Es entstehen feuchte Rückzugsräume, in denen – auch von Auge nicht sichtbare – Wasserlebewesen die Trockenzeit überdauern können.»

Auf der Internetseite zum Projekt geht die Baudirektion zudem noch auf die Frage ein, ob es in revitalisierten Flüssen mehr Mücken gibt. Sie verneint dies: «Mücken lieben stehende, nur für kurze Zeit wasserführende Pfützen, die sehr warm sind.» Die Gefahr sei deshalb im eigenen Garten, wo Mücken ihre Eier im Wasser von Giesskannen oder Topfuntersetzern ablegen, viel grösser.

Änderungen im Zeitplan sind möglich

Bis die Revitalisierung umgesetzt wird, dauert es noch eine Weile. Nach der Wahl der Bestvariante wird ein Vor- und anschliessend ein Bauprojekt ausgearbeitet. Gemäss dem Zeitplan im Newsletter könnte im Jahr 2024 das Bewilligungsverfahren mit der öffentlichen Auflage beginnen.

Die Realisierung des Projekts wird dann voraussichtlich 2026 oder 2027 erfolgen.  Doch die Baudirektion schreibt direkt darunter: «Unter Umständen kann es zu Änderungen im Zeitplan kommen.»

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