«Meine deutschen Kolleginnen waren sofort begeistert vom Wort Uster»
«Ustermer Fiktionen» heisst die Veranstaltung, die am Donnerstagabend in der Villa Grunholzer stattfindet. Die 36-jährige Zürcher Schriftstellerin Judith Keller hat fünf weitere bekannte Autorinnen und Autoren eingeladen und liest mit ihnen Geschichten, Sätze und Fragmente, die auf die Stadt Uster abzielen. Das Publikum soll dabei Stichworte liefern. Mit dabei sind Hannes Becker aus Berlin, Dorothee Elmiger aus Zürich, Wolfram Lotz und Sascha Macht (beide aus Leipzig) sowie dem Stuttgarter Jan Snela.
Judith Keller, Sie führen ein Abendanlass durch unter dem Namen «Ustermer Fiktionen». Einen realen Bezug zur Stadt bieten Sie nicht, oder?
Judith Keller: Der Bezug zu Uster ist mindestens in einem Fall schon gegeben. In der Geschichte geht es um Heinrich Grunholzer und seine Frau Rosette Zangger. Die Autorin verdreht dabei aber die Historie und Grunholzer Ehefrau übernimmt den Part von ihrem Mann. Ansonsten sind die meisten Sätze fiktional, und erzählen, was und wie es in Uster ist, beispielsweise: In Uster blüht der Ginster, oder: In Uster, 2075, sah ich im Aabach zum ersten Mal die Ausläufer der Antarktis.
«Gut ist, dass Uster sich auf vieles reimt und einfach alles sein könnte.»
Ihre deutschen Kollegen kommen aus Städten, die mit ihren Buchmessen eine grosse Nummer in der Literaturszene sind. Wie konnten Sie die Autorinnen und Autoren für einen Anlass in der in dieser Hinsicht unbekannten Stadt Uster gewinnen?
Ich kenne die meisten von ihnen von meinem Studium in Leipzig. Meine deutschen Kolleginnen und Kollegen waren sofort begeistert vom Wort Uster und lieben es bis heute. Gut ist, dass Uster sich auf vieles reimt und einfach alles sein könnte. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Stadt Uster in dem einen oder anderen ihrer künftigen Romane einmal vorkommen wird. Persönlich fand ich Uster einladend für eine solche Lesung, da man sich eben unter dem Namen alles vorstellen kann: Von einem Ausruf bis hin zu einer Vogelart.
Zur Person
Judith Keller ist 1985 in Lachen (SZ) geboren und lebt heute in Zürich. 2014 gewann sie den «New German Fiction Prize » . Ihr letzter Roman «Oder?» ist im letzten Jahr erschienen.
Das Publikum soll per Knopfdruck Inputs einbringen. Wie muss man sich das vorstellen?
Vom maschinellen sind wir mittlerweile weggekommen. Das Publikum soll Begriffe direkt reinrufen und wir machen dann eine Überleitung. Das kann irgendein Wort sein, und wir als Autoren müssen einen entsprechenden Text suchen und erklären, inwiefern dieser zum gegebenen Wort passt. Dabei wollen wir auf die neu geschriebenen Ustermer Fiktionen zugreifen aber auch unsere früheren Werke einbringen. Es soll aber sicherlich lebendiger als eine klassische Lesung werden.
Muss ein ziemliches Geblättere werden, wenn so viele Bücher und Schriftstücke im Raum versammelt sind.
Ja, ein Wühlen in Blättern. Ich verspreche mir ein schönes Rascheln davon. Der Anlass ist sicherlich ein wenig riskant, keiner von uns hat Erfahrung mit diesem Format. Aber wir mögen das Spiel und das Überraschende. Da wir zu sechst sind, soll einfach der erste vorlesen, der eine passende Passage zu einem Begriff findet.
Die Literaturveranstaltung «Ustermer Fiktionen – Träume, Listen, Sätze und Geschichten» beginnt am Donnerstagabend um 19.30 Uhr in der Villa Grunholzer in Uster. Weitere Informationen und Reservation unter www.villagrunholzer.ch.
