Vom Stich ins Wespennest und Gesslers Hut
Was mit der Oberstufenschulgemeinde Nänikon-Greifensee geschieht, interessiert die Ustermer Bevölkerung genauso wie die Greifenseer. Entsprechend gross war am Mittwochabend der Andrang zum Informations- und Diskussionsabend in der Turnhalle des Schulhauses Wüeri. Etwa 150 Personen nahmen teil, und so war auch das letzte Turnbänkli besetzt.
Insbesondere die Möglichkeit über die verzwickte Lage mitdiskutieren zu können, war einigen ein Bedürfnis. Im Publikum waren auch einige Ustermer vertreten, die die Auflösung der Schulgemeinde priorisieren, darunter Vertreter der Stadtregierung und der Sekundarschule Uster.
Aktuell steht die Schulpflege von Nänikon-Greifensee wegen der Grenzbereinigung, die das neue Gemeindegesetz verlangt, unter Druck. Laut diesem sollen die Grenze des Schulguts mit der Gemeindegrenze identisch sein. Jüngst konnten die Verantwortlichen rund um Präsident Ulrich Schmid (Die Mitte) zumindest Zeit gewinnen, indem sie ein Ausstandsbegehren bei der Kantonsregierung platzierten. Damit verlangten sie, dass der Bezirksrat Uster durch einen anderen ersetzt wird.
Wege gegen Auflösung
Zur jüngsten Entwicklung hatte Schmid keine Neuigkeiten zu verkünden. Er untermauerte nochmal die priorisierten Ziele der Oberstufenschulpflege, die die Auflösung der Schulgemeinde verhindern sollen. Als erstes Szenario ein Zweckverband mit der Sekundarschule Uster, was diese allerdings ablehne. Als zweiten Lösungsvorschlag gab er den langfristigen Anschlussvertrag zwischen Uster und Greifensee an, der auf 20 Jahre festgesetzt werden soll. Drittens die Abspaltung der beiden Ustermer Aussenwachten Nänikon und Werrikon, die dann mit der Gemeinde Greifensee vereinigt werden sollen.
«Wir wollen einen möglichst hohen Ja-Anteil, um eine bessere Verhandlungsbasis mit den Gemeinden zu erreichen.»
Thomas Altenburger, Komitee «Pro 8606»
Der letzte Punkt wurde aufgrund der Initiative des Komitees «Pro 8606» ins Leben gerufen. Mitinitiant Thomas Altenburger, Präsident des Gemeindevereins Nänikon, rief dazu auf, am 27. März ein Ja zum entsprechenden Vorstoss «Zusammenschluss von Nänikon und Werrikon mit Greifensee» in die Urne zu legen.
Zu diesem Urnengang ist allerdings nur die Bevölkerung von Greifensee und den beiden Ustermer Ortsteilen Nänikon und Greifensee aufgerufen – also die Stimmberechtigten der Oberstufenschulgemeinde Nänikon-Greifensee. Ein entscheidender rechtlicher Schritt auf dem Weg zur Fusion der Ustermer Ortsteile mit Greifensee ist dies freilich nicht, sondern erst mal ein Meinungsbarometer.
Das Ziel von Altenburger und seinen Mitstreitern: «Wir wollen einen möglichst hohen Ja-Anteil, um eine eine bessere Verhandlungsbasis mit den Gemeinden zu erreichen.» Damit meint er die Politischen Gemeinden Uster und Greifensee, wo letztlich die Abspaltung beziehungsweise Angliederung von Nänikon und Greifensee entschieden würden.
Greifenseer Gemeindepräsidentin meldet sich
Während aus Uster kaum mit einem Ja zu rechnen ist , da sich die Sympathisanten für diese Idee grossmehrheitlich nur in diesen beiden Aussenwachten aufhalten dürften, könnte die Gemeinde Greifensee geschlossener hinter dem Anliegen stehen. Denn schon lange propagieren Greifenseer und Näniker: «Wir gehören zusammen.»
«Da merkt man schon, dass wir ein funktionaler Raum sind.»
Monika Keller (FDP), Gemeindepräsidentin Greifensee
Auch an diesem Abend meldeten sich wieder Votanten dieser Orte und wiederholten den Slogan. Etwas nüchterner sah es Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP), die von Hans-Rudolf Galliker, der die Diskussion an diesem Abend leitete, zu einem Statement aufgefordert wurde. Das Thema sei sehr komplex, sagte sie Die Vor- und Nachteile einer solchen Lösung müssten mit Uster genau abgewogen werden. «Dabei stellt sich für beide Seiten die Frage: Was gewinnt man, was verliert man?»
Doch Keller liess dann doch noch die Sympathie der Greifenseer Seele für dieses Anliegen durchblicken: «Für uns wäre das schon interessant und bietet sicherlich auch Vorteile.» Gerade, weil die Greifenseer mit Nänikon schon so zusammengewachsen seien und auch viele Berührungspunkte wie etwa die gemeinsame Jugendarbeit hätten. «Da merkt man schon, dass wir ein funktionaler Raum sind.»
Häme für Stadtregierung
Auch durch die Ustermer Regierung war mit einer kleinen Delegation vertreten. Stadtschreiber Pascal Sidler und Stadtrat Cla Famos (FDP) waren sozusagen in der Höhle des Löwen, was auch für den Ustermer Sekundarschulpräsidenten Benno Scherrer (GLP) zutraf, dem Gegenspieler des Näniker Schulpräsidenten Schmid in der Angelegenheit der Grenzbereinigung.
Famos sagte, dass Nänikon und Werrikon ein wichtiger Teil Usters seien, und dies schon immer. «Der Stadtrat ist sicherlich bereit, sich um die Anliegen von Nänikon zu kümmern.»
«Die Sekundarschule Uster will das Gemeindegesetz umsetzen.»
Benno Scherrer (GLP), Sekundarschulpräsident Uster
Damit stach Famos mitten in ein Wespennest. Einige Anwesende quittierten diese Aussage mit hämischem Gelächter. Das Gefühl, dass ebendiese Unterstützung vonseiten der Ustermer Regierung fehlt, hält sich in Nänikon hartnäckig. Als Beispiele werden öfters der vom Stadtrat angedrohte Entzug finanzieller Unterstützung für die Chilbi und die Bibliothek ins Feld geführt.
«Gessler lässt grüssen!»
Mit Martin Bornhauser meldete sich der ehemalige Ustermer SP-Stadtpräsident zu Wort, der nun ebenfalls im Komitee «Pro 8606» für die Abtrennung von Nänikon plädiert. Sein Thema war derjenige Paragraf des Gemeindegesetzes, der die Grenzbereinigung verlangt, die der Bezirksrat Uster durchsetzen will. Das Schreiben an die Oberstufenschulgemeinde mit der entsprechenden Forderung sei «ungebührlich» gewesen. Eine Alternative habe die juristische Behörde keine geboten. «Damit hat der Bezirksrat den politischen Vorschlaghammer hervorgeholt. Gessler lässt grüssen!»
Ein Votant wollte wissen, was den eigentlich Uster wolle. Die Frage wurde von Moderator Galliker an Sekundarschulpräsident Scherrer weitergeleitet.
«Die Sekundarschule Uster will das Gemeindegesetz umsetzen. Nänikon und Werrikon sollen zur Sek Uster gehören», sagte Scherrer. Näniker und Werriker Kinder sollen aber natürlich weiterhin im Schulhaus Wüeri zur Schule gehen können.
