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Nach der Sprengung werden noch immer die Scherben aufgewischt

Nachdem Unbekannte den Bancomaten in Volketswil gesprengt haben, ist bei der betroffenen Autogarage noch keine Normalität eingekehrt. Nur eins ist sicher: Der Bancomat wird nicht mehr Ziel eines Raubes werden.

Hakan Yesilgüller mit seinen beiden Söhnen Bora Yesilgüller und Gilian Yesilgüller (von rechts)., Die Spuren des gesprengten Bancomaten sind auch zwei Wochen nach der Tat zu sehen., Noch verheerender ist das Ausmass der Detonation kurz nach der Tatnacht. , Auch drei Autos wurden bei der Zerstörung teils massiv beschädigt.

Foto: Keystone/SDA

Nach der Sprengung werden noch immer die Scherben aufgewischt

Wer die Blitz Garage an der Zürcherstrasse in Volketswil betritt, kann nicht mit Sicherheit sagen, ob er ein Geschäft kurz vor der Schliessung oder der Eröffnung betritt – es gleicht einer Baustelle. Der Empfangsraum ist leergeräumt, der schwarze Plattenboden staubig, die Wände sind weitgehend leer.

Unterhält man sich mit dem 22-jährigen Gilian Yesilgüller, Verkaufsleiter und stellvertretender Geschäftsführer, wird klar, dass das Unternehmen derzeit irgendwo dazwischensteht. «Aktuell versuchen wir mit allen Mitteln, den Betrieb so normal wie möglich zu führen.»

Grund für die momentane Lage ist das Verbrechen, das in dem Gebäude kurz vor Weihnachten stattfand. Damals hatten Unbekannte in der Nacht den ZKB-Bancomaten gesprengt und flohen mit etwa 100’000 Franken. Weil der Bancomat in einem kleinen Nebenraum der Renault-Garage eingebaut war, wurde das Geschäft stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Fall liegt bei der Bundesanwaltschaft. Auf Anfrage schreibt die Behörde: «Die Ermittlungen sind noch im Gang.» Weitere Angaben macht die Bundesanwaltschaft derzeit nicht.

Autos mit Totalschaden 

Von der Detonation zeugen heute zwei kaputte Scheiben des Schaufensters, ein zerstörtes Mauerwerk, die beschädigte Fassade, dutzende gerissene Bodenplatten und viele fehlende Deckenelemente. Zudem sind im Bereich, wo der Bancomat stand und nun ein viereckiges Loch in der Wand klafft, schwarze Spuren zu sehen, die wohl von der Explosion stammen.

«Fünf Fahrzeuge standen im Sprengradius und eines ist von der zusammenstürzenden Mauer getroffen worden.»

Gilian Yesilgüller, Verkaufsleiter und stellvertretender Geschäftsführer

«Wir sind immer noch dran, alle Schäden der Explosion auszumachen», sagt Gilian Yesilgüller. Bis jetzt sei klar, dass ein oder zwei neue Autos, die im Showroom abgestellt gewesen seien, Totalschaden erlitten hätten. «Fünf Fahrzeuge standen im Sprengradius und eines ist von der zusammenstürzenden Mauer getroffen worden. Dieses kann man definitiv nicht mehr reparieren.» Weiter sei ein Auto eines Kunden ebenfalls so stark beschädigt worden, dass man die optischen Schäden zwar reparieren könnte, jedoch die Fahrsicherheit nicht mehr gewährleistet wäre.

Zerstört seien auch Teile der IT-Infrastruktur, diverse Lichter und ein Gemälde, welches laut Yesilgüller von einem Kunden ist und mehrere Tausend Franken kostete. Die Schadenssumme müsse noch ermittelt werden, er schätze sie auf über eine Million Franken.

Morgens um 5 Uhr geweckt

In der besagten Nacht wurde er schon früh über den Raub informiert. Sein Vater weilte zum Tatzeitpunkt ferienhalber in der Türkei und wurde als Firmenchef direkt von Polizei angerufen. Kurz nach 5 Uhr sei er dann von ihm informiert worden und gleich danach zur Garage gefahren.

«Vor Ort waren schon an die dreissig Polizisten und Leute von der Spurensicherung.» Experten hätten zudem die Statik des Gebäudes überprüft, erst danach habe er das Geschäft betreten können.

Ein Mann im Anzug steht in einer dunklen Ecke. Der Mann heisst Gilian Yesilgüller

Die Aufräumarbeiten hätten bald darauf begonnen. Dabei habe die Bank eigene Leute beauftragt, die den Schutt entsorgten und die Bancomatenteile einsammelten. Die Zürcher Kantonalbank hat sich genau wie die Blitz Garage AG eingemietet. «Wir haben dann die restlichen heruntergefallenen und zerstörten Objekte aufgeräumt.»

Was die Sprengung im Kopf auslöst

Während der ersten Tage nach dem Vorfall habe er dann Zeit gehabt, um nachzudenken. «Ich habe mir im Kopf ausgemalt, was so eine Explosion alles bewirken könnte. Es hätten auch Menschen verletzt werden können.» Doch meist habe er solche Emotionen unterdrückt oder wie es Yesilgüller sagt: «Rein damit in die Tonne und Deckel drauf. Dann Schalter kippen und einfach funktionieren.»

Und funktionieren heisst für ihn bis heute, mit den Versicherungen in dauerndem Kontakt sein und nebenbei noch Kunden betreuen. «Wenn ein Versicherungsmitarbeiter anruft und ich Kunden im Laden habe, bevorzuge ich natürlich die Kunden», sagt Yesilgüller. Der KO-Schlag wäre für ihn denn auch der Verlust der Kundendaten gewesen.

Diskussion in sozialen Medien

Der Vorfall in der Blitz Garage wurde von verschiedenen Medien aufgegriffen. Auch in den sozialen Medien diskutierten einige darüber. Yesilgüller zeigt sich irritiert über einen Nutzer, der behauptet, dass sich der Garagist freuen dürfe, schliesslich bekäme er jetzt alles von der Versicherung bezahlt.

«Mein Vater hat das Geschäft jahrzehntelang betreut und aufgebaut.»

Gilian Yesilgüller, Verkaufsleiter und stellvertretender Geschäftsführer

Darüber kann Yesilgüller nur den Kopf schütteln: «Wir sind zum Glück gut versichert, denn sonst ist das keine Selbstverständlichkeit.» Er rechne damit, dass er wegen der bevorstehenden Renovierungsarbeiten in ein Provisorium ziehen müsse – vielleicht in einen Bürocontainer.

Das mache ihm aber nicht viel aus. Wichtig sei, dass der Familienbetrieb, wo neben dem Vater auch der Bruder arbeitet, weiterhin bestehen könne. «Mein Vater hat das Geschäft jahrzehntelang betreut und aufgebaut. Es würde mir im Herzen wehtun, müssten wir es aufgeben.»

Der Bancomat verschwindet

Aufgeben will dagegen die Betreiberin des Bancomaten. Wie die Zürcher Kantonalbank auf Anfrage schreibt, seien verschiedene Möglichkeiten geprüft worden, um den Automaten noch besser gegen kriminelle Aktivitäten zu schützen. «Da der Automat eine sehr tiefe Nutzung aufweist und in nächster Umgebung Alternativen bestehen, sind wir zum Schluss gekommen, dass eine Implementierung von zusätzlichen Massnahmen oder eine Erneuerung nicht sinnvoll ist.»

Für Yesigüller wäre die Installation eines neuen Bancomaten zwar auch denkbar gewesen, nur schon der Erinnerung wegen. Doch der Verzicht auf den Einbau habe auch einen Vorteil: «Nun werden wir vermutlich eine grössere Fläche zur Verfügung haben.»

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