Einzelne Tage statt für immer: Heime Uster mit neuem Angebot im Alter
Inmitten einer weiteren Corona-Welle lancieren die Heime Uster ein neues Angebot: Ab dem 17. Januar sollen einzelne Tage und Nächte im Standort Im Grund gebucht werden können.
Damit soll aber nicht etwa der zeitweise mageren Bettenauslastung Rechnung getragen werden (siehe Box). Wie Martin Summerauer, Gesamtleiter der Heime Uster, auf Anfrage sagt, werden für das kommende Angebot zehn neue Plätze eingerichtet.
Dass nun trotz leerer Betten neue dazukommen, habe mit einem aktuellen Bedarf zu tun. «Seit das private Angebot der Tagesaufenthalte und Übernachtungen aus Uster verschwunden ist, wurde der Ruf nach einer solchen Dienstleistung hörbar», sagt Summerauer. Damit meint er die Ustermer Institution «Attraktiv-Tageswohnen», die vor einiger Zeit ihre Türen schliessen musste.
Beschäftigungen und Ruhezeiten
Wie Gesundheitsvorsteherin Karin Fehr (Grüne) auf Anfrage schreibt, sei das Angebot «attrAktiv Tageswohnen» 2019 mangels Nachfrage eingestellt worden. Mögliche Gründe dafür sehe sie zum einen in der fehlenden Krankenkassenanerkennung und darin, dass nur leicht pflegebedürftige Personen aufgenommen werden konnten. Zum anderen sei die Institution nur sieben Stunden pro Tag geöffnet gewesen. Fehr erinnert zudem daran, dass die Stadt Uster ab 2018 einen Aufenthalt im «attrAktiv Tageswohnen» finanziell mit einem Beitrag von 30 Franken pro Tag unterstützt hatte.
Nun will die Stadt für die private Dienstleistung einspringen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Medienmitteilung der Stadt richtet sich das Angebot mit dem Namen «Panorama» an Betagte, die Betreuung brauchen, einen Heimeintritt aktuell jedoch nicht in Erwägung ziehen. Diese könnten einzelne Tage oder Nächte in den Heimen Uster verbringen.
Strategie für Ustermer Heime bleibt umstritten
09.11.2021

Umbau oder Verkauf
Auf die Interpellationsantwort des Stadtrates stellt die FDP/Die Mitte-Fraktion weitere Forderung Beitrag in Merkliste speichern Ein Team von Fachkräften der Aktivierung und der Pflege kümmert sich um die Tagesgäste und offeriert ein Programm mit Aktivitäten in Gruppen, individuellen Beschäftigungsmöglichkeiten, gemeinsamem Mittagessen und Ruhezeiten. Für die Sicherheit der Übernachtungsgäste ist eine diplomierte Pflegefachperson während der ganzen Nacht präsent, heisst es weiter.
Für Einheimische günstiger
Ein Ganztagesaufenthalt kostet 140 Franken, für Gäste mit Wohnsitz Uster 110 Franken. Der Preis für eine Übernachtung mit Abendessen, Frühstück und Betreuung liegt zwischen 95 und 110 Franken. Dazu kommt der Beitrag für die Pflegekosten von maximal 23 Franken. Wer das Angebot ausprobieren möchte, kann kostenlos einen Schnuppertag oder eine Schnuppernacht vereinbaren.
Gemäss Martin Summerauer soll das Angebot im Pflegezentrum Im Grund im fünften Stock Platz finden. In den dortigen Räumen sei bis jetzt die Aktivierungs- und Physiotherapie eingerichtet gewesen, die nun im Keller stationiert werden.
Bei den herkömmlichen Angeboten der Heime Uster rechnet Summerauer, wie schon in einer früheren Ankündigung, dass die Bettenbelegung stetig zunehmen wird. Aktuell seien rund 90 Prozent der Betten in beiden Standorten belegt, sagt er. In ihrer Planung gehen die Heime Uster von einer Auslastung von 95 Prozent der total 223 verfügbaren Betten ab 2023 aus. «Diese Zielsetzung ist realistisch und bleibt bestehen. Aber natürlich wissen wir nicht genau, wie sich die Pandemie, Auslastung oder der Pflegebedarf entwickelt.»
Weniger Betten und ein Millionenloch
Die Pandemie hat auch die Heime Uster schwer getroffen. Wegen einschränkenden Massnahmen wie Quarantäne- und Isolationsregelungen sowie Ausgeh- und Besuchsverboten haben gemäss Angaben der Stadt viele gezögert, ihre Angehörigen in die städtischen Alters- und Pflegheime zu geben. Zeitweise waren nur noch rund 72 Prozent der Betten belegt. Deswegen haben die Behörden diesen Sommer reagiert und die Anzahl der beiden Pflegeheime Im Grund und Dietenrain von 251 auf 223 reduziert. Die finanziellen Folgen sind dennoch frappant: Im September musste das Ustermer Parlament einen Nachtragskredit von rund 3,6 Millionen Franken sprechen.
