«Die Idee mit den Gästen war sicherlich ein Wagnis»
Miro Maurer, in den letzten Tagen hatten Sie in Ihrer royal-theatralen Late Night Show «Uschter Röwü» mit Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP), Gemeinderat Paul Stopper (BPU) und Zeughaus-Bewirtschafterin Linda Bernhard drei mehr oder minder bekannte Personen auf Ihrem Sofa. Wer war denn am lustigsten?
Miro Maurer: Schwierig zu sagen. Die schillerndste Persönlichkeit war sicherlich Barbara Thalmann. Das schöne war die Einzigartigkeit der drei. Die Idee mit den Gästen war aber sicherlich ein Wagnis, denn ein geladener Gast bedeutet neben der einstudierten Show ein Unsicherheitsfaktor.
Interessant dürfe für einige auch der Auftritt des «Enfant terrible» der Ustermer Politik, Paul Stopper, gewesen sein. Wie haben Sie seinen Auftritt erlebt?
Tatsächlich lag eine Stimmung bei den Zuschauern in der Luft im Sinne von: Wie ist wohl der Paul Stopper so drauf? Zerreisst er die Stadt Uster mit einer ernsthaften Kritik? Natürlich kam auch Herrn Stoppers Steckenpferd die Verkehrsplanung zur Sprache. Lustigerweise kam es aber – wie so oft im Leben – dann doch ganz anders. Stopper zeigte sich sehr humorvoll und hat die Veranstaltung auch mit dem nötigen Augenzwinkern verstanden.
Zum Beispiel?
Er hat beispielsweise erzählt, dass er in jungen Jahren ein Pferd besass und die Stadt Uster damals quasi reitend erkundigte. Im Gespräch haben wir das Ganze so gedreht, dass Stopper durch das langsame Reiten durch Uster ein Auge für seinen späteren Beruf als Verkehrsplaner bekommen habe.
Zur Person
Miro Maurer hat als Schauspieler in diversen Theaterproduktionen und Kurzfilmen mitgewirkt. Zudem ist er die Stimme verschiedener Fernsehwerbungen und Hörspielen. In der aktuellen Produktion «Uschter Röwü» im Kulturhaus Central arbeitet er als künstlerischer Leiter, Moderator und Schauspieler. Der 30-jährige Ustermer lebt derzeit in Zürich.
Teile der Show mit Theater und Musical sind einstudiert. Wie spontan ist denn der Part mit den Gästen, wollten die bisherigen schon im Vorhinein die Fragen wissen?
Nein, und darüber bin ich froh, weil eine lockere spontane Unterhaltung Teil der Show sein soll. Während des Gesprächs ist es dann meine Aufgabe, den Gästen die Nervosität zu nehmen und das Eis zu brechen.
Bei Stadtpräsidentin Barbara Thalmann haben Sie das geschafft. Höhepunkt des Auftritts war ein kurzes Tänzchen mit ihr. War das wirklich nicht abgesprochen?
Nein, das war spontan. Vielleicht war es auch die Kraft des Ustermer Geistes, den wir in unserer Show jeweils beschwören. Ich habe mit Frau Thalmann nicht mehr über die Tanzeinlage geredet, aber es hat auf mich gewirkt, als ob sie sich einfach dazu hinreissen liess und gar nicht darüber nachgedacht hat. Das ist ja eigentlich das schönste was passieren kann: Sich von den Emotionen übermannen zu lassen.
Wenn die Stadtpräsidentin in der Satire-Show das Tanzbein schwingt
11.12.2021

Premiere in Uster
Im Central fand die Premiere von «Uschter Röwü» gleich mit einem prominenten Gast statt. Beitrag in Merkliste speichern Welchen Ustermer oder Ustermerin wollen Sie noch unbedingt in ihrer Show haben?
Wir haben tatsächlich bisher alle Gäste bekommen, die wir haben wollten. Der nächste Gast im Januar ist übrigens Christian Zwinggi, Leiter Präsidiales der Stadt. Danach ist mit Daniela Brauchli, der Geschäftsführerin der Brauerei Uster, eine weitere spannende Persönlichkeit dabei.
Das Gespräch mit dem Gast nimmt nur einen kleinen Teil der abendlichen Show ein. Wie zufrieden waren Sie mit dem Rest?
Spielerischer Natur sind wir Gottseidank von Pannen verschont geblieben. Ein paar kleine technische Probleme hatten wir. Etwa die Nebelmaschine, die im falschen Moment losging. Was in unserem Schauspielensemble für Erheiterung gesorgt hat und gleich in die Nummer mit eingebaut wurde.
«Dauerbrenner-Themen wie Bahnschranken und Verkehrskreisel bleiben sicherlich erhalten.»
Haben Sie vom Publikum nach der Show vernommen, was unbedingt in die Show kommen sollte?
Wegen Corona ist leider der Austausch nicht so gross. Viele verschwinden gleich nach der Vorstellung. Wir haben allerdings gemerkt, dass das Freibier, welches wir während der Aufführung im Publikum ausschenken, nicht reicht. Die Leute reissen sich um das Bier. Wir hoffen, dass wir mit Hilfe unseres Biersponsors den Freibier-Bestand aufstocken können.
Uschter Röwü ist vieles: Musical, Theater und auch Late-Night-Show. Welches Genre bedienen Sie am liebsten?
Wir geniessen es, uns aus sämtlichen Farbtöpfen bedienen zu können. Von den vielen Ästhetiken, die uns reizen, ist für jeden etwas dabei. Vor allem Musical ist für uns Darsteller ein ganz neues Pflaster ist. Daraus ist auch eine Art Hymne für die Stadt Uster entstanden, mit der wollen wir ihr auch ein Kränzchen winden. Sonst kann man das in der Regel im Theater nicht so vielseitig praktizieren, weil eine solche Produktion meist einer Beschränkung unterliegt.
Verbringen Sie jetzt eigentlich wieder mehr Zeit in Uster um den Puls der Stadt für Ihre Show zu fühlen?
Ja. Schon im Rahmen der Recherche für das Stück habe ich wieder sehr viel Zeit in Uster verbracht und mit vielen Leuten geredet. Wir haben gefragt, wie es so um die Stadt steht. Viele waren dabei erstaunt, dass sich jemand so für Uster interessiert und Lust hat, sich mit der Stadt zu beschäftigen. Das fand ich herzig: Die Ustermer legten eine Bescheidenheit an den Tag, indem sie gar nicht damit rechnen, dass sich jemand für ihre Stadt interessiert und Uster als Hauptthema einer Show sein könnte.
Hat Uster denn noch genug Comedy-Potential, um als Hauptthema weiterer Shows herhalten zu können?
Hoffentlich schon. Allein die Veränderungsprozesse in der Stadt sollten etwas hergeben. So wird sicher die Entwicklung auf dem Zeughausarael Stoff für unsere Show liefern. Weiter hat ja Frau Thalmann angedeutet, dass das Seerestaurant tatsächlich kommen wird. Zudem bleiben Dauerbrenner-Themen wie Bahnschranken und Verkehrskreisel sicherlich erhalten. Wir wollen aber weiterhin am Uschtemer Geist forschen und uns fragen was ihn in einer Stadt dieser Grösse ausmacht.
Also gibt es neben den vier geplanten Vorstellungen im Januar auch Ende 2022 wieder einen Jahresrückblick à la «Uschter Röwü»?
Das steht noch in den Sternen. Das Potential hätte es auf jeden Fall. Wir müssen aber nach den kommenden Vorstellungen erstmal schauen, wie die Resonanz beim Publikum war.
