Mit Kerzen und Plakaten gegen die Christenverfolgung
Auf dem Platz vor dem Gemeindehaus in Turbenthal zeigte sich am Mittwochabend ein spezielles Bild. Dreizehn Personen standen in einer Reihe und hielten Kerzen in den Händen.
Jeder trug ein Plakat. Darauf standen Texte wie «Friedliche Weihnachten für alle» oder auch «Freiheit für Glaubensgefangene im Iran».
Mit Mahnwachen wie in Turbenthal möchte die Organisation Christian Solidarity International (CSI) in der Vorweihnachtszeit auf verfolgte Christinnen und Christen und andere Gläubige in aller Welt aufmerksam machen.
Die Aktion fand am Mittwoch bereits zum zehnten Mal und dieses Jahr in über 40 Gemeinden in der Schweiz statt, darunter auch in Wetzikon bei der reformierten Kirche.
Ausserhalb der Gemeinschaft
«Die Zahl der Mahnwachen ist in den letzten Jahren stetig gewachsen», sagt Selina Biedermann von CSI. Sie ist sich sicher, dass die Botschaft nicht nur innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft ankommt.
«Wir sind präsent auf Plätzen im öffentlichen Raum, man kommt mit Leuten ins Gespräch», meint sie. «Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie gross das Problem der Christenverfolgung tatsächlich ist.» (siehe Box) Aus diesem Grund stehe diese auch im Zentrum der Mahnwachen.
«Ich will mich für Menschen einsetzen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.»
Initiatin der Mahnwache in Turbenthal
In Turbenthal fand die Mahnwache erst zum zweiten Mal statt. Die Initiative ergriffen hatte eine Turbenthalerin, die anonym bleiben möchte. «Ich will mich für Menschen einsetzen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden», erläutert sie.
Mit der Aktion im Tösstal strebt sie an, der Bevölkerung zu zeigen, dass viele Gläubige weltweit ihre Religion nicht frei ausüben oder wählen dürfen. « Diese Menschen gehören verschiedenen Religionen an, aber die grosse Mehrheit davon sind Christen », schätzt sie.
Im stillen Gebet
An den Mahnwachen vor Ort ist auch jeweils eine Vertretung von CSI. In Turbenthal war dies Heike Steffen. Sie brachte die Kerzen und Plakate mit.
«Ich habe bekannte in Indien und Nigeria, welche die Verfolgung hautnah miterleben.»
Barbara Rüegger, Teilnehmerin an der Mahnwache
Steffen arbeitet seit rund elf Jahren für die Organisation und ist bereits zum zweiten Mal in Turbenthal dabei: «Ich habe lange in Saland gewohnt und deshalb einen speziellen Bezug zum Tösstal.»
Barbara Rüegger aus Rämismühle fand am Mittwochabend ebenfalls den Weg nach Turbenthal . «Ich habe Bekannte in Indien und Nigeria, welche die Verfolgung hautnah miterleben.»
Für sie möchte sie mit ihrer Teilnahme ein Zeichen setzen. Dafür nehme sie auch ein stilles Gebet in der Kälte in Kauf.
Vaterunser zum Schluss
Kurz vor sechs Uhr, als die letzten Teilnehmenden ankamen, gab Steffen ihnen einige Anweisungen. Sie berichtete über das Ziel der Mahnwache und den Ablauf.
Danach stellten sich die Teilnehmer in einer Reihe auf. Und sie blieben dort für eine halbe Stunde. Einige interessierte Passanten, die von der Migros Richtung Bahnhof Turbenthal schlenderten, warfen ihnen interessierte Blicke zu. Doch stehen blieb niemand.
Nach dreissig Minuten begann Steffen mit dem Vaterunser. Die Teilnehmenden stimmten ein in das Gebet, das das Ende der Aktion darstellte.
Christenverfolgung
Von religiöser Unterdrückung und Verfolgung betroffen sind Angehörige diverser Glaubensgemeinschaften. Darunter auch Christinnen und Christen. Die genaue Zahl zu beziffern, ist schwierig.
Das überkonfessionelle christliche Hilfswerk Open Doors erstellt jährlich einen eigenen Weltverfolgungsindex. Gemäss diesem habe die Christenverfolgung im letzten Jahr weltweit zugenommen. Rund 309 Millionen Glaubensangehörige seien dieser ausgesetzt. (bes)
