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Dieb klaut wertvollen Bonsai in Wila

Der Wilemer Wolfgang Hahner betrauert den Verlust eines Zwergbaumes. Wer ihn aus seinem Bonsai-Garten gestohlen haben könnte, bleibt im Dunkeln.

Wolfang Hahner vor dem leeren Sockel: Hier hat ein dreister Dieb seinen geliebten Bonsai gestohlen., Seit 1991 hat der Wilemer diesen Zwergbaum gepflegt und gestaltet., Den Gestaltungsprozess des gestohlenen Bonsais hat Hahner dokumentiert. Die Pflanze verfügt über eine Art Pass., Im Winter brauchen die Bäume Ruhe – auch im Bonsai-Garten in Wila., Hahner besitzt über 250 Bonsai-Bäume. Rund 100 davon gehören zu seiner privaten Sammlung.

Foto: Bettina Schnider

Dieb klaut wertvollen Bonsai in Wila

Wolfgang Hahner staunte nicht schlecht, als er letzten Donnerstag seinen grossen Garten in Wila betrat. Anstatt einer seiner ältesten Bonsais fand er hinter seinem Haus einen leeren Sockel vor.

Der Fall scheint sofort klar: Jemand muss diesen Zwergbaum gestohlen haben.

«Ich bemerkte den Diebstahl, als ich gerade mit einem Kunden durch den Garten ging», erinnert er sich. Der Verlust habe ihn emotional stark berührt. «Es nimmt mich immer noch mit.»

Hahner besitzt etwa 250 dieser speziellen Bäumchen (siehe Box), die er nach der fernöstlichen Gartenkunst gestaltet hat. Doch zum Exemplar, das gestohlen wurde, hat er einen besonders engen Bezug: «Es war der erste Bonsai, den ich in einem Kurs gestaltet und seit 1991 gehegt und gepflegt habe.»

Ein Dieb mit Fachwissen

Der Zwergbaum hat einen Wert von etwa 10’000 Franken, schätzt Hahner. «Doch er war unverkäuflich.» Dementsprechend gross waren Schock und Fassungslosigkeit.

«Das ungeübte Auge erkennt kaum, wie viel Zeit und Pflege ich in diesen einen Baum investiert habe.»

Wolfgang Hahner, Bonsai-Liebhaber aus Wila

Hahner hat nicht die leiseste Ahnung, wer den Mini-Baum gestohlen haben könnte, vermutet aber einen Kenner hinter der Tat: «Der Dieb lief durch den ganzen Garten bis hinter unser Haus und hat genau diesen Bonsai ausgesucht. Er wird wohl etwas von dieser Art der Gartenkunst verstehen.»

Ein Laie, davon geht Hahner aus, hätte wohl einfach einen anderen Baum viel näher am Eingang des Grundstücks ausgesucht: «Das ungeübte Auge erkennt kaum, wie viel Zeit und Pflege ich in diesen einen Baum investiert habe.»

Auch sei das Abtransportieren keine leichte Sache gewesen. Der Baum wiegt rund zehn Kilogramm und ist in einer Schale eingetopft. «Den kann man sich nicht einfach so unter den Arm klemmen», betont Hahner.  «Er wurde wohl in ein Auto verladen.»

Wann der Diebstahl genau passiert ist, weiss der Bonsai-Profi nicht: «Es kann gut sein, dass die Pflanze am helllichten Tag weggebracht wurde, als niemand zu Hause war.»

Wie ein Fingerabdruck

Ob der Übeltäter aus der Schweiz oder aus dem Ausland kommt, darüber kann Hahner nur spekulieren. Er ist in der Bonsai-Szene in der Schweiz aber gut vernetzt: «Ich habe überall geschrieben, dass mir dieser Baum abhandengekommen ist.»

Deshalb bezweifelt er, dass der Bonsai im Inland verkauft werden könnte. «Ich habe den Werdegang dieses Bäumchens seit dem ersten Tag dokumentiert und in Fotos festgehalten.»

Der Mini-Baum hat also eine Art eigener Pass, in dem alle seine Besonderheiten festgehalten sind. «Der Fuss des Baums sowie der Stammverlauf sind einzigartig – wie ein Fingerabdruck.»

Es liesse sich dementsprechend schnell feststellen, ob es sich bei einem Bonsai um den von Hahner aus Wila handelt. «Entweder steht mein Baum jetzt bei jemandem hier in der Schweiz rum oder er wurde ins Ausland geschmuggelt.»

Pflanzen ohne Genehmigung über die Grenze in die Europäische Union einzuführen, ist nämlich verboten. «Und eine Bewilligung wird der Dieb wohl kaum beantragt haben.»

Garten soll überwacht werden

Hahner hat bei der Polizei bereits eine Anzeige erstattet: «Der Polizist auf dem Posten in Turbenthal hat mir leise Hoffnung gemacht, dass der Baum vielleicht gefunden werden könnte», sagt er, bleibt selber aber skeptisch. «Wenn der Bonsai ins Ausland gebracht und dort verkauft wurde, dann ist er für immer weg.»

«Ich möchte nicht, dass mir nochmals Pflanzen auf diese dreiste Art abhandenkommen.»

Wolfgang Hahner

Für den Bonsai-Liebhaber ist klar, dass er seine Pflanzen in Zukunft besser schützen muss. Bisher standen in seinem Garten einfach Lampen mit Bewegungsmeldern. «Wenn jemand in der Nacht durch den Garten schleicht und das Licht angeht, merken wir das.»

Doch nun will Hahner auch Überwachungskameras installieren: «Ich möchte nicht, dass mir nochmals Pflanzen auf diese dreiste Art abhandenkommen.»

Wässern im Sommer, Ruhe im Winter

In seinem Bonsai-Garten in Wila bietet Hahner zudem Kurse an und verkauft Pflanzen. Etwa 100 Mini-Bäume gehören zu seiner privaten Sammlung. Ein weiterer Diebstahl wäre nur schwer zu verkraften. «Seit über 30 Jahren ist Bonsai-Kunst mein grösstes Hobby und ich verbringe viel Zeit damit, die Zwergbäume zu pflegen.»

Besonders intensiv ist diese Arbeit jeweils im Sommer. In der heissen Jahreszeit steht Hahner gut und gerne zwei Stunden pro Tag im Garten und wässert die Bäume.

Auch schon damals, als er noch in der Versicherungsbranche tätig war. Mittlerweile ist er pensioniert und widmet fast seine ganze Zeit den Bonsais.

«Wenn der Dieb oder ein ahnungsloser Käufer den Baum nicht draussen aufstellt, geht er in kürzester Zeit kaputt.»

Wolfgang Hahner

Dafür sind er und seine Frau bereit, auf vieles zu verzichten: «Ferien im Sommer sind nicht möglich, wir verreisen im Herbst und im Winter.» In der kälteren Jahreszeit brauchen die Pflanzen Ruhe. «Wird ein Bonsai draussen gehalten, kann man ihn im Winter nicht einfach in die Stube stellen.»

Gerade deshalb macht sich Hahner speziell Sorgen um seinen gestohlenen Bonsai. «Wenn der Dieb oder ein ahnungsloser Käufer den Baum nicht draussen aufstellt, geht er in kürzester Zeit kaputt.»

Bevor das passiert, soll die Pflanze doch zurückgebracht werden, appelliert Hahner: «Ich habe einen Finderlohn von 1000 Franken ausgesetzt, wenn der Bonsai unbescholten zurück nach Wila kommt.»
 

Bonsai – eine asiatische Gartenkunst

Bonsai bezeichnet nicht etwa eine spezielle Pflanzenzucht, sondern eine Gestaltungsform. Fast alle einheimischen Gehölze lassen sich zu Bonsais, also Zwergbäumen, gestalten.

Das Wort «Bonsai» kommt aus dem Japanischen und bedeutet «Baum in der Schale». Diese Kunstform der Gartengestaltung hat ihren Ursprung wohl in China und ist in verschiedenen Ausprägungen in Asien vertreten. (bes)

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