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Kanton stuft belasteten Boden des Idewe-Areals neu ein

Einst wurden in den Idewe-Gebäuden Textilien produziert. Durch Färbeprozesse gelangten Schadstoffe in den Boden. Diese haben sich nun natürlich abgebaut.

Blick von oben: So präsentierte sich das Idewe-Fabrikareal im Jahr 1956., Auf dem Areal stehen heute noch die Fabrikgebäude der ehemaligen die Nähseiden- und Strumpffabrik der J. Dürsteler & Co. AG., Mehrere Gebäude, wie die Fabrikantenvilla, stehen unter Denkmalschutz.

Fotos: Wetzipedia.ch

Kanton stuft belasteten Boden des Idewe-Areals neu ein

«Das Idewe-Areal ist ein alter Teil der Stadt und von historischer Bedeutung.» Das sagte im Oktober Hans-Ulrich Kobelt gegenüber dieser Zeitung.

Recherchen hatten zuvor aufgedeckt, dass Kobelt mit seiner Immobilenentwicklungsfirma, der Agensa Famila AG, das rund 12’000 Quadratmeter grosse Landstück in Wetzikon gekauft hatte.

Käufer des Idewe-Areals kein Unbekannter

09.10.2021

Privatinvestor aus der Region

Das Areal der einstigen Nähseiden- und Strumpffabrik J. Dürsteler & Co. Beitrag in Merkliste speichern Früher war dies die Nähseiden- und Strumpffabrik der J. Dürsteler & Co. AG. Noch heute ist die Fabrik unverkennbar, auch dank einem Hochkamin aus dunkelrotem Backstein.

Früher Industrie, heute Denkmalschutz

Das gegenwärtige Gewerbeareal an der Zürcherstrasse sowie der Bertschikerstrasse kann auf eine lange Historie zurückblicken. Ältester Gebäudekomplex ist die einstige Spinnerei, die sich an der Zürcherstrasse 45 befand.

1843 von Johann Dürsteler-Weber erworben, entsteht hier eine mechanische Seidenzwirnerei und Färberei. Das Fabrikgebäude erhält den Namen «Im Schöntal», nutzt die Wasserkraft der direkt vorbeifliessenden Aa. Knapp 30 Jahre später lässt Dürsteler ein Turbinenhaus und ein Herrschaftshaus für seine Familien bauen.

Beide Bauten sind beim Kanton Zürich als Denkmalschutzobjekte erfasst und von regionaler Bedeutung eingestuft. Wie auch das Badehaus, das Streichwehr, der Weiher und der Fabrikkanal mit Überlauf.

Eine zweidimensionale Karte zeigt auf dem Idewe-Areal in Wetzikon die verschiedenen Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen.

Über 150 Jahre lang ratterten in den Hallen die Maschinen, wurden Strickwaren produziert, Textilien gefärbt. 1998 wurde die Strumpfproduktion eingestellt, zehn Jahre später die Färberei geschlossen.

Seit 2010 ist die Idewe eine reine Immobilienfirma. Heute sind in den Gebäuden in Medikon unter anderem ein Gitarrenshop mit Musikschule, das Remar-Brockenhaus, ein Modelleisenbahngeschäft sowie verschiedene weitere Geschäfte eingemietet. Und in der ehemaligen und denkmalgeschützten Fabrikantenvilla befindet sich ein Rotlichtgewerbe.

Chlorierte Kohlenwasserstoffe belasten Flächen

So kamen Ende der 1990er-Jahre durchgeführte Gutachten zum Schluss, dass Färbeprozesse um die frühere Jahrhundertwende und der Einsatz von Lösemitteln mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) zu einer Belastung des Standorts geführt hatten. CKW zählen dabei zu den grössten Gefahren für das Grundwasser.

Insgesamt drei Flächen auf dem Areal wurden damals beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) erfasst und in den Kataster der belasteten Standorte (KbS) aufgenommen.

Aufgrund der Gutachten ordnete das Awel an, die Flächen zu überwachen. Über zwei Jahrzehnte hinweg waren die Besitzer des Idewe-Areals dazu verpflichtet, den belasteten Standort durch externe Prüfstellen untersuchen und überwachen zu lassen.

Noch bis vor kurzem waren zwei der drei Flächen im KbS als «sanierungsbedürftig» eingestuft. 

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Das hat sich nach einer am 15. November in Kraft getretenen Verfügung und erfolgten Rückstufung geändert.

«Gutachter kamen im letzten Bericht über die Überwachungsperiode von 2017 bis 2020 zum Schluss, dass die Schadstoffgrenzwerte der Altlastenverordnung für die betroffenen Flächen nicht mehr überschritten werden», erklärt die beim Awel zuständige Sachbearbeiterin Dr. Jasmin Mertens.

Standort bleibt im Kataster erfasst

Nur wie kann es sein, dass ohne Sanierungsmassnahmen wie z.B. Bodenbelüftungen die schädlichen chlorierten Kohlenwasserstoffe beim Idewe-Areal verschwunden sind? «An diesem Standort konnte schon früh beobachtet werden, wie es zu einem natürlichen Abbau der Schadstoffe kommt», sagt Mertens.

« Das Schadstoffpotential auf dem Idewe-Areal war stets als gering eingestuft.»

Dr. Jasmin Mertens, Sachbearbeiterin beim Awel

Zwar müssten viele der mit CKWs belasteten Standorte aktiv saniert werden, allerdings könne es je nach standortspezifischen Umfeldbedingungen bisweilen auch zu einem natürlichen Abbau kommen. «Das ist hier beim Idewe-Areal in Wetzikon der Fall. Das Schadstoffpotential war stets als gering eingestuft», so die Expertin.

So habe das Awel dem Antrag der Gutachter, den betroffenen Standort zurückzustufen, nur stattgeben können.

Und somit heisst es jetzt im KbS: «Der Standort wurde von der Behörde als belastet, weder überwachungs- noch sanierungsbedürftig beurteilt.» Ausgetragen sind die Flächen aus dem Kataster nicht.

Das hat insofern einen Einfluss, als dass die Sektion Altlasten des Awel Bauprojekte bewilligen müsste, wenn diese auf dem belasteten Standort des Idewe-Areals zu Bodenaushubarbeiten führen sollten.

«Im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens müsste die neue Eigentümerschaft ein Entsorgungskonzept in Auftrag geben, wenn verschmutztes Material bei den betroffenen Standorten ausgehoben werden sollte», sagt die Sachbearbeiterin.

Antrag auf Rückstufung spät gestellt

Ob die Zurückstufung der Standorte einen Einfluss auf den Verkauf hatte?

«Als Eigentümer hat man immer das Interesse, dass sein Grundstück als nicht belastet eingestuft wird», sagt der beim Awel in der Sektion Altlasten arbeitende Juristische Sekretär Christoph Dimino.

«Das Awel prüft allerdings nicht, um wie viel der Grundstückwert bei einer Rückstufung in Franken steigt, denn das ist nicht unsere Aufgabe.», erklärt Dimino. 

Und Mertens schiebt ein, dass die Rückstufung beim Idewe-Areal wohl ein glücklicher Umstand für den Verkauf gewesen sei. «Die Messwerte lagen bereits im letzten Jahr vor, weshalb der Antrag auf Rückstufung der Belastung schon früher hätte gestellt werden können. »

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