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Volketswiler Schule fühlt sich von Gemeinde bevormundet

Nach wie vor sind sich Schule und Politische Gemeinde zum Thema Fusion uneins und sorgten jüngst mit zwei gegensätzlichen Mitteilungen für Irritation. Schul-und Gemeindepräsident äussern sich nun zur eigentümlichen Kommunikation.

Das Thema Einheitsgemeinde wird in Volketswil auch nach einer ersten Abstimmung im Februar zu reden geben.

Foto: Beatrice Zogg

Volketswiler Schule fühlt sich von Gemeinde bevormundet

Der Volketswiler Gemeinderat und die Schulpflege haben in Sachen Einheitsgemeinde das Heu nicht auf derselben Bühne. Die unterschiedlichen Haltungen bekundeten sie jüngst in zwei Medienmitteilungen. Während die Politische Gemeinde von einer Einigung in «wichtigen, strategischen Kernfragen» schrieb, las man in der Stellungnahme der Schulpflege genau das Gegenteil: «Nach drei Workshops zwischen den beiden Parteien zeigt sich, dass eine Einigung über wichtige Eckpunkte einer zukünftigen Einheitsgemeinde nicht möglich ist.»

Schulpräsident Yves Krismer (FDP) sagt zur gegensätzlichen Aussage der zwei Behörden:  «Klar kann der Gemeinderat es marketingtechnisch so darstellen, wie er es in seiner Mitteilung formuliert hatte. Doch das ist inhaltlich einfach falsch.»

Und er fügt an: «Bei allen essentiellen Punkten ist der Gemeinderat uns nicht entgegengekommen oder wollte sich nicht dazu äussern.» Man sei sich zwar einig, dass es wichtige Punkte bei einer allfälligen Fusion gäbe. «Wir sind uns aber entschieden uneinig, wie mit diesen Punkten umzugehen ist.»

Hauswartaufgaben sollen geklärt sein

So stünden pädagogische und organisatorische Fragen im Raum. Als Beispiel nennt Krismer die Stelle des Hauswartes. «Wenn sich dieser künftig nicht mehr um schulische Belange kümmern soll, wer sorgt dann für die Bestuhlung der Schulzimmer, oder kümmert sich um eine verlorene Jacke einer Schülerin?»

Heute seien die beiden Behörden separat erfolgreich unterwegs, dennoch wolle der Gemeinderat sie nun verheiraten. «Alle Behördenmitglieder der Schule sind dezidiert dagegen», sagt Krismer.

 

Über die Einheitsgemeinde wird abgestimmt 
Am 13. Februar 2022 entscheiden die Volketswiler Stimmbürger ob Gemeinderat und Schulpflege eine entsprechende Umsetzungsvorlage für eine Einheitsgemeinde ausarbeiten sollen. Aufgrund einer Einzelinitiative von Klaus Näder müssen sich die beiden Behörden mit dem Thema beschäftigen. Falls das Stimmvolk den Behörden diesen Auftrag erteilt, kommt die fertige Vorlage erneut zur Genehmigung an die Urne. Wann der zweite Urnengang sein wird, ist noch nicht bekannt.

 

Es gehe dem Gemeinderat in einer künftigen Einheitsgemeinde einzig darum zu entscheiden, wie man mit Schulraum und Bildungsthemen umgeht. «Für eine grosse Schule wie Volketswil kann eine solche Bevormundung nicht zweckdienlich sein. Wir sollten unsere zeitlichen und finanziellen Ressourcen besser zielführend und zum Wohle der Schule Volketswil einsetzen.»

«Auf Stufe Strategie sind wir mit der Schule bei wichtigen Fragen einig.»

Jean-Philippe Pinto (Die Mitte), Gemeindepräsident Volketswil

Krismer befürchtet bei einer Fusion einen Abbau der Bildung. «Sogar der Gemeinderat sagt, dass mit der Einheitsgemeinde keine finanziellen Einsparungen gemacht werden können.» Der Schulpräsident zieht deshalb Fazit: «Ist es morgen nicht besser als heute, muss die Übung abgebrochen werden.»

Strategisch statt operativ

Ganz anders sieht das die Politische Gemeinde. Präsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) gibt zu bedenken, dass Volketswil die grösste Gemeinde im Kanton sei, die weder Einheits- noch Parlamentsgemeinde ist. «Der Schritt ist sehr wichtig für die Positionierung der Gemeinde. Wenn die Gemeinde von aussen als Einheit wahrgenommen wird, dann ist das ein starkes Zeichen», sagt Pinto.

Dass der Gemeinderat in seiner Mitteilung von einer «Einigung in wichtigen strategischen Kernfragen» schreibt, stimme. Denn in dem Fall ist des Pudels Kern das Wort Strategie. «Wir haben uns auf die Stufe Strategie bezogen. Hier sind wir mit der Schule bei wichtigen Fragen einig.»

Die Schule habe dagegen sehr vieles auf operativer Ebene betrachtet und unter anderem Fragen zur Anstellung des Hauswartes, den Unterhalt oder das Salär von Behördenmitgliedern ins Zentrum gestellt. Damit habe die Schule schon detaillierte Fragen gelöst haben wollen, die erst nach einer Annahme an der Urne in Angriff genommen werden könnten. 

«Unterschiedliche Flughöhe»

Pinto sagt es so: «Schule und Politische Gemeinde setzen in Sachen Einheitsgemeinde in unterschiedlicher Flughöhe an.» Die Einigkeit bei strategischen Belangen betreffe etwa die bildungsrelevanten Themen und die Weiterentwicklung der Schule, um die sie sich weiterhin kümmern könne. Zudem habe der Gemeinderat zugesichert, dass die Anzahl Schulpflegemitglieder weiterhin bei neun belassen werde. «Auch bei einer Einheitsgemeinde steht für den Gemeinderat immer das Wohl der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt.»

In diesen und weiteren Punkten sei man der Schule entgegen gekommen. So auch in der  Finanzkompetenz, die dem Gemeinderat ebenbürtig sein soll. Auch habe die Schule die Hoheit über ihre Kommunikation behalten wollen, obwohl die Kommunikation der Politischen Gemeinde vereinheitlicht sei.

«Unterschiedliche Augenhöhe»

Schulpräsident Yves Krismer verteidigt die Sicht auf die operative Ebene, und sagt:  «Auch die Schulbehörde legt den Fokus auf strategische Fragen. Hingegen ergeben sich im Schulalltag zahlreiche operative Fragestellungen, welche in einer Einheitsgemeinde neu zu lösen sind.» Diese Beantwortung sei für die Schulbehörde im Sinne einer «effizienten und effektiven Schulführung bereits heute von grosser Wichtigkeit».

«Eine Begegnung auf Augenhöhe wurde jedoch vermisst.»

Yves Krismer (FDP), Schulpräsident Volketswil 

Somit bleiben die gegensätzlichen Haltungen in Sachen Einheitsgemeinde der beiden Behörden bestehen. Auf die Frage, wie denn die Stimmung der drei Workshops zwischen den Vertretern der Schule und Gemeinde war, sagt Pinto. «Es wurde angeregt und konstruktiv diskutiert. Es ist richtig, verschiedene Meinungen zu haben und diese zu vertreten.»

Yves Krismer bezeichnet zwar die Treffen der beiden Behörden an besagten Workshops als «respektvoll», fügt aber an: «Eine Begegnung auf Augenhöhe wurde jedoch vermisst.»

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