Gemeinde Hinwil zieht «positives Fazit» – Bevölkerung ist gespalten
Fackeln und das Geläut der schweren Glocken der Freitheitstrychler: Dieses Bild prägte am Dienstagabend die Hinwiler Strassen.
Nach einem Aufruf in den sozialen Medien fanden sich gegen 19 Uhr am Bahnhof der Oberländer Gemeinde mehrere hundert Personen für einen Demonstrationszug ein, um gegen die Corona-Massnahmen zu protestieren.
Auf Anfrage bei der Kantonspolizei, die von der Veranstaltung wusste und mit einem Aufgebot vor Ort war, heisst es, dass rund 400 Teilnehmende dem Fackelzug beiwohnten. Dieser sei «ohne grössere Probleme» vonstattengegangen.
Kurzfristige Kontaktaufnahme der Veranstalter
Ein anderes Bild zeigt sich bei der Gemeinde: Bis am Montag wusste sie noch nichts von der Veranstaltung. Erst am Dienstagmorgen erfolgte eine Kontaktaufnahme durch die Veranstalter, wie Katharina List, Leiterin Abteilung Sicherheit, auf Rückfrage dieser Zeitung schriftlich mitteilt.
«Die Meinungsfreiheit soll in der Schweiz gewährleistet sein.»
Katharina List, Leiterin Abteilung Sicherheit Hinwil
Obwohl damit die Bearbeitungszeit für ein Gesuch seitens der Gemeinde kurz ausfiel, habe nach Absprache mit dem Sicherheitsvorsteher Hans Benedetti (SVP) und der Kapo das Gesuch bewilligt werden können. So habe man im Vorfeld die Route für den Fackelzug mit den Veranstaltern besprochen und festgelegt. E s wurde vereinbart, dass die Veranstalter einen « eigenen Sicherheitsdienst organisieren», schreibt List.
Eine Nachfrage, um wen es sich genau bei den Veranstaltern handelte, lässt die Leiterin der Abteilung Sicherheit hingegen unbeantwortet.
«Vorwiegend positive Rückmeldungen»
Weil es während der Demonstration zu einigen Einschränkungen auf den Strassen und auch für den öffentlichen Verkehr kam, äusserten einige Personen am Dienstagabend gegenüber dieser Zeitung ihre Kritik. Angesprochen auf die Frage, ob die Gemeinde ebenfalls kritisiert wurde, antwortet List: «Wir haben beides erhalten, vorwiegend aber positive Rückmeldungen.»
«Ich befürworte diese Dinge gar nicht.»
Lili Jäger, Einwohnerin aus Hinwil
Der Umzug der Freiheitstrychler sei friedlich verlaufen, es habe keine Verzeigungen und keine Übertretungen gegeben, sagt List. Die Stadt ziehe eine positive Bilanz und hält fest: «Die Meinungsfreiheit soll in der Schweiz gewährleistet sein.»
Kritik auf der Strasse und im Netz
Bei einer Strassenumfrage in Hinwil am Mittwoch zeigten sich jedoch nicht alle Passantinnen und Passanten glücklich mit dem Marsch der Trychler. So sagte Lili Jäger: «Ich befürworte diese Dinge gar nicht.» Und auch die in Hinwil wohnhafte Antonia Raths brachte ihre Kritik gegenüber der Veranstaltung zum Ausdruck und sagte, sie fände es «völlig daneben».
In den kritischen Tenor stimmten auch User auf Facebook ein. Während ein Nutzer schrieb, «Treicheln wegnehmen und einschmelzen», meinte eine andere Person: «Geht gar nicht! Auch ich möchte Normalität, aber nicht auf Kosten der anderen. Impfen ist die Lösung und nicht schimpfen.»
Dennoch fand die Aktion auch Zuspruch unter den Facebook-Nutzern. So schreiben mehrere Personen, wie super es gewesen sei. Zudem hätte man «coole Leute» angetroffen.
