Wurden FC-Bauma-Sponsoren von dubioser Firma abgezockt?
Es war im Juli 2020, als Beat Hubeli einen Anruf erhielt. «Am anderen Ende der Leitung war eine Frau, die mir ein Inserat für den FC Bauma auf einer Sportwebsite verkaufen wollte», erinnert er sich. «Sie erklärte mir, dass meine Werbung neben einem Bericht des Fussballclubs stehen wird und dem Verein zu Gute kommt.»
Hubeli liess sich überreden, auch wenn ihm die ganze Angelegenheit etwas komisch vorkam. Denn er arbeitet schon lange mit dem Fussballclub zusammen – doch noch nie hatte er mit dieser Frau Kontakt.
Hubelis Firma Sportlights aus dem aargauischen Turgi ist für die Beleuchtungsanlagen auf dem Sportplatz Schwendi in Bauma zuständig. «Gleichzeitig unterstütze ich natürlich den Verein», betont er. So publiziere er jährlich ein Inserat in der Klubzeitschrift «INdirekt».
Der versprochene Artikel wurde auch auf der besagten Website aufgeschaltet. «Doch er war qualitativ schlecht.» Ebenso sei es seltsam gewesen, dass die Rechnung für das Inserat aus dem Wallis kam. Für den Beleuchtungstechniker war nun klar: «Da ist etwas seltsam.» Aus diesem Grund habe er den Präsidenten des FC Bauma, Werner Berger, informiert.
Hilfe bei Mahnungen und Betreibungen
«Beat Hubeli fragte mich, ob wir eine neue Person im Marketing haben», erinnert sich Werner Berger. Da sei er sofort stutzig geworden und habe den Bericht auf der Website angeschaut: «Dieser war unterirdisch schlecht. Voller Tippfehler und als Foto wurde eine Aufnahme ungefähr aus dem Jahr 2003 von einer Grümpelturnier-Mannschaft verwendet.»
«Denjenigen, die bereits Werbung gebucht hatten, sagte ich, dass sie die Rechnung nicht bezahlen sollten.»
Werner Berger, Präsident des FC Bauma
Schnell stellte sich heraus, dass die Frau auch noch weitere Sponsoren des FC Bauma kontaktiert hatte. «Und sie hat allen vorgegaukelt, dass das Inserat auf dieser Website unserem Verein zu Gute kommt», sagt Berger. Diese seien davon ausgegangen, dass der Erlös damit an den Verein gehe. Doch dem war nicht so.
Umgehend nahm Berger mit allen Unterstützern Kontakt auf und wies sie an, keine Inserate zu kaufen. «Denjenigen, die bereits Werbung gebucht hatten, sagte ich, dass sie die Rechnung nicht bezahlen sollten.» Er sicherte ihnen zu, dass er sie unterstützen werde, sollte die Firma Mahnungen verschicken oder Betreibungen einleiten. Insgesamt haben neun Sponsoren ein Inserat gebucht. «Zwei hatten leider schon bezahlt, als ich sie kontaktierte.»
Berger habe ebenfalls umgehend mit der Betreiberin der Website Kontakt aufgenommen und sie zur Rede gestellt. «Doch sie spielte natürlich das Unschuldslamm und sagte, dass sie die Adressen beim Gewerbeverein Bauma gefunden hatte.» Für Berger ergibt dies keinen Sinn: «Denn die Firma von Beat Hubeli hat ihren Sitz beispielsweise im Aargau, nicht im Tösstal.»
Sie könne die Angaben der Sponsoren nur aus dem Vereinsmagazin «INdirekt» haben, war er überzeugt. Der Präsident sorgte sich, dass die betroffenen Unternehmen vielleicht das Magazin nicht mehr unterstützen wollen. «Schliesslich haben sie ja bereits für ein Inserat auf dieser Plattform bezahlt.» Und zwar gemäss Berger rund 390 Franken.
Ohne Unterschrift gültig
Auf Anfrage bestreitet die Frau die Vorwürfe, die Hubeli und Berger gegen sie erheben. Sie bejaht zwar, dass im Sommer 2020 ein Bericht über den FC Bauma auf ihrer Plattform publiziert worden ist. «Doch beim Inserateverkauf gehe ich transparent vor und sage immer, dass ich von dieser Sportwebsite bin», betont sie.
Ausserdem würde sie in diesen Gesprächen nie behaupten, dass das Inserat dem Sportverein selber zu Gute komme. «Dies ist auch auf der Auftragsbestätigung ersichtlich, die ich jeweils nach einem Verkauf per Mail verschicke.»
«Ich suche immer weit rundherum.»
Betreiberin der Sportwebsite
Und tatsächlich. Im PDF mit einer Auftragsbestätigung, welches der Redaktion vorliegt, steht Folgendes: «Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass dieser Auftrag auch ohne Unterschrift Gültigkeit hat und weder Vereine, Veranstalter noch Sportler durch uns finanziell unterstützt werden.»
Die Kontakte für die Inserate suche sie jeweils in einem Online-Telefonbuch, erläutert sie. Wieso sie beim Artikel über den FC Bauma unter anderem auch auf Beat Hubelis Firma aus dem Aargau gestossen ist, die für den Fussballclub tätig ist, kann sie nicht erklären. Nur so viel: «Ich suche immer weit rundherum.»
Strafbefehl aus dem Wallis
«Es war für mich klar, dass wir dieser Frau das Handwerk legen müssen», sagt Berger heute über die Situation im Sommer 2020. Er entschied sich deshalb, im Namen des FC Bauma eine Strafanzeige zu stellen. Und zwar im Kanton Wallis, wo die Betreiberfirma der Website ihren Sitz hat.
Im Rahmen dieses Strafverfahrens sei Berger nach Zürich zu einer Zeugeneinvernahme eingeladen worden. «Auch für die Beamten war klar, dass die ganze Sache zum Himmel stinkt», erinnert sich Berger.
Im Wallis wurde die Frau, die hinter der Plattform steht, nun wegen übler Nachrede und Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb per Strafbefehl verurteilt. Dieser liegt der Redaktion vor. Ob der Strafbefehl bereits rechtskräftig ist, konnte die zuständige Oberwalliser Staatsanwältin nicht mitteilen.
«Doch für viele ist der Aufwand schlichtweg zu gross.»
Werner Berger
Die Anzeigen eingereicht hatten zwei ehemalige Angestellte. Einer von ihnen betreibt eine Website mit ähnlichem Geschäftsmodell. Über diese Firma, die ebenfalls Privatklägerin war, hatte die Beschuldigte gegenüber Kunden gemäss dem Strafbefehl Unwahrheiten verbreitet und die Angestellten diffamiert.
Die Werbeanzeigen, die die Betreiberin an Sponsoren des FC Bauma verkauft hatte, standen nicht im Zusammenhang mit der Verurteilung. «Der Grund ist, dass wir als FC rechtlich gesehen nicht das Opfer ihrer Machenschaften wurden», erklärt Berger diesen Umstand. Dafür hätten wohl die betroffenen Sponsoren eine Strafanzeige stellen müssen, ist er überzeugt. «Doch für viele ist der Aufwand schlichtweg zu gross.»
Portal existiert immer noch
Es ist nicht das erste Mal, dass die Frau verurteilt wurde. Wie die Zuger Zeitung jüngst berichtete, verurteilte die Zuger Staatsanwaltschaft die Frau und ihren Mann – und zwar wegen Misswirtschaft, betrügerischem Konkurs, Unterlassung der Buchführung und Ungehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren.
Die Straftaten ereigneten sich im Zusammenhang mit einer inzwischen konkursiten Betreiber-GmbH der Sportplattform. Jahrelang hätten die Eheleute Einnahmen der Firma, entweder direkt oder über eine Kollektivgesellschaft, die heute hinter der Sportwebsite steht, abgezweigt und nach Lust und Laune ausgegeben, schreibt die Zuger Zeitung. 2016 ging die Firma Konkurs. Ehemalige Angestellte warten bis heute auf ihren Lohn. Laut Recherchen derselben Zeitung scheint das Paar heute grösstenteils in Südafrika zu leben.
«Die Frau hat zwar ständig Mahnungen geschickt und mit einer Betreibung gedroht, doch sie weiss, dass ich mich dann wehren würde.»
Beat Hubeli, Beleuchtungstechniker und Sponsor des FC Bauma
Das Sportportal existiert immer noch. Dort erscheinen weiterhin Berichte aus dem Profi- und Amateursport. Der journalistische Anspruch an die Texte scheint tief zu sein, doch neben den Artikeln finden sich weiterhin Inserate von Firmen aus der Region der jeweiligen Sportvereine.
Vorerst herrscht Ruhe
Für Werner Berger ist die Causa aber in der Zwischenzeit abgeschlossen. «Ich denke, die Betreiberin der Website wird einen grossen Bogen um unsere Sponsoren machen.» Er sei informiert worden, dass die Frau auch Unterstützer des Turnvereins Wila für Inserate angefragt habe. «Doch dann hat sie vom Vorstand einen netten Brief per Einschreiben erhalten», so Berger. Ihre Machenschaften seien beim Gewerbe bekannt.
Beat Hubeli hat den Fall ebenfalls ad acta gelegt. Eine Strafanzeige wird er nicht einreichen: «Die Frau hat zwar ständig Mahnungen geschickt und mit einer Betreibung gedroht, doch sie weiss, dass ich mich dann wehren würde.» Nun sei vorerst Ruhe eingekehrt.