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Frauchigers mussten noch einmal über die Bücher

In diesem Jahr wollten Remo und Christina Frauchiger ihren neuen Hof am Unteren Wolfsberg beziehen. Doch es kam zu Verzögerungen. Nun soll bald der Spatenstich erfolgen.

Christina und Remo Frauchiger im letzten Winter vor der Remise, in die bald ihre Kühe einziehen.

Archivfoto: Simon Grässle

Frauchigers mussten noch einmal über die Bücher

Es sind Bilder, die nicht so schnell vergessen gehen. Am 10. Februar 2020 wütete ein Feuer im Weiler Unterer Wolfsberg in Bauma und vernichtete ihn fast komplett. Fünf Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder. Von der Katastrophe betroffen waren auch der Landwirt Remo Frauchiger und seine Frau Christina.

Bald darauf planten die beiden bereits den Wiederaufbau ihres Zuhauses. Eigentlich wollten sie schon dieses Jahr wieder auf den Wolfsberg zurückkehren. Doch beim Neubau des Stalls und des Wohnhauses kam es zu Verzögerungen: «Wir haben die Baubewilligung für den Stall diesen Sommer erhalten», erklärt Remo Frauchiger.

Trotzdem hätten sie nicht mit den Arbeiten beginnen können. «Es stellte sich heraus, dass wir das geplante Projekt finanziell nicht tragen konnten. Deshalb mussten wir nochmals über die Bücher.» Die Änderung des Projekts sei nun beim Kanton eingereicht und bewilligt worden. «Jetzt haben wir die Hoffnung, dass wir im Dezember den Spatenstich machen können», meint Frauchiger.

Land kaufen, Wohnung bauen

Der Wiederaufbau des Weilers entpuppte sich als administrative Grossaufgabe. Wie Frauchiger erklärt, hätten sie für den Neubau des Wohnhauses diverse Details mit der Gebäudeversicherung abklären müssen. Diese übernimmt einen Teil der Kosten.

«Das macht topographisch und auch aus betrieblicher Sicht keinen Sinn.»

Remo Frauchiger, Landwirt

Es werden zwei verschiedene Wohneinheiten gebaut. Die eine für Frauchigers, die andere für ihre ehemaligen Nachbarn: «Wir haben bereits vorher ihren Betrieb gepachtet. Nun konnten wir ihr Land kaufen und bauen für sie eine Wohnung», sagt Remo Frauchiger. Man habe diese Leistung mit dem Kaufpreis des Grundstücks verrechnen können.

Kein Versicherungsgeld für den Stall

Beim Stall hingegen beteiligt sich die Gebäudeversicherung nicht an den Baukosten. «Das macht sie nur bei einem Gebäude gleicher Art am gleichen Ort», erklärt Frauchiger.

Doch das sei nicht zweckmässig. «So hätten wir den Stall wieder ans Wohnhaus anbauen müssen, das macht topographisch und auch aus betrieblicher Sicht keinen Sinn.» Das Bauernpaar hat sich für einen Freilaufstall entschieden. Dort sollen einst die Kühe, Rinder und Kälber untergebracht werden.

«Die Betriebsversicherung läuft im Februar aus, das heisst, wir müssen wieder zu mehr Einkommen kommen.»

Remo Frauchiger

Den Bau des Stalls finanzieren Frauchigers zum einen mit Spendengeldern, die nach dem Brand gesammelt wurden, zum anderen mit verschiedenen Darlehen. Letztere müssen die beiden mit einem jährlichen Betrag zurückzahlen. Das sei auch der Grund gewesen, wieso sie das Projekt nochmals angepasst hätten, so Frauchiger.

«Den Betrag müssen wir natürlich auch stemmen können.» Zu den genauen Summen wollte er sich nicht äussern. Ebenso ist noch unklar, wie viel Geld das Paar insgesamt aus dem Spendentopf erhält. Dies erklärt der Baumer Gemeindeschreiber Roberto Fröhlich auf Anfrage (siehe Box).

Kühe kehren zurück

Im Mai, so hofft Frauchiger, soll der neue Stall bezugsbereit sein. Doch so lange zuwarten kann er nicht mehr, bis er seine Arbeit wieder aufnimmt: «Die Betriebsversicherung läuft im Februar aus, das heisst, wir müssen wieder zu mehr Einkommen kommen.»

Aus diesem Grund wird Frauchiger bald 18 Kühe und Kälber auf den Unteren Wolfsberg zurückholen, die zwischenzeitlich bei Betrieben in der Region untergekommen waren. Als Stall wird ihnen die Remise dienen: «Diese war vom Feuer nicht stark betroffen, deshalb konnten wir sie zu einem Provisorium umbauen.» Darin waren letzten Winter bereits Schafe und Rinder untergebracht.

«Unser Hof und unsere Tiere sind eine Herzensangelegenheit.»

Remo Frauchiger

Auch wenn zurzeit viele Kühe auf anderen Höfen leben würden, seien ihm und seiner Frau die Arbeiten nicht ausgegangen: «Wir haben sehr viel Weidefläche und konnten diesen Sommer sogar noch externe Rinder bei uns aufnehmen.» Ausserdem sei die Erntearbeit sehr intensiv gewesen, vor allem weil es öfters geregnet hat.

Hinzu kam der ganze administrative Aufwand für die beiden Neubauten. «Das war schon sehr zeitraubend», sagt er. Ans Aufgeben habe er jedoch in dieser ganzen Zeit nie gedacht.

Auch wollte er alle seine Tiere behalten. «Uns wurde von der Versicherung gesagt, dass alle anderen ihre Kühe nach so einem Brand verkauft und von vorne angefangen hätten.» Doch das war für Frauchigers keine Option. «Unser Hof und unsere Tiere sind eine Herzensangelegenheit.»
 

Gut ein Viertel verwendet

Die Zerstörung des Weilers Unterer Wolfsberg löste schweizweit ein grosses Echo aus. Auf den gleichentags verbreiteten Spendenaufruf des Gemeinderats sind bis jetzt Spenden in Höhe von 944’385 Franken einbezahlt worden. Davon wurde gut ein Viertel bereits verwendet (240’243 Franken) – zum Beispiel 77’000 Franken für Soforthilfe.

Wie viel Geld die Familie Frauchiger insgesamt erhalten wird, ist laut dem Baumer Gemeindeschreiber Roberto Fröhlich noch nicht klar. Der Betrag sei abhängig von der Höhe der Beiträge, welche die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich Remo Frauchiger zugesichert habe. Diese seien der Gemeinde noch nicht bekannt.

Für die Verwendung der eingegangenen Spenden hat die Gemeinde ein Reglement erstellt. Rechnet man die den Betroffenen direkt zugegangenen Spenden und die Naturalspenden mit ein, wird der Betrag von einer Million Franken deutlich übertroffen.

Am Unteren Wolfsberg ist ausserdem ein Erinnerungsort an das Brandunglück in Planung. Wie dieser Ort aussehen soll, ist laut Fröhlich noch nicht klar. Er soll mit Remo Frauchiger abgesprochen sein. (hug)

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