«Steinzeit-Internet» bleibt – zum Ärger der Anwohner
Wenn Schreinermeister René Rusterholz zu Hause in Bliggenswil im Internet surfen möchte, dann braucht er Geduld. Denn der Baumer Weiler verfügt nur über eine Kupferleitung. Die Internetgeschwindigkeit ist dementsprechend langsam. « Wir haben hier noch Steinzeit-Internet », sagt er. Das sei nicht mehr zeitgemäss.
Bis vor kurzem hatte Rusterholz, der seit fast 25 Jahren im Weiler wohnt, die Hoffnung, dass sich dies bald ändern könnte: « Denn schliesslich werden hier in Bliggenswil endlich die gesamte Strasse saniert und neue Leitungen eingebaut. » Doch die Swisscom hatte kein Interesse daran, an diesen Arbeiten mitzuwirken und den Weiler ans Glasfasernetz anzuschliessen.
Im vergangenen Jahr hat das Telekomunternehmen in Bauma Glasfaserkabel verlegt. Die Gebiete Saland, Blitterswil, Dillhus, Hörnen sowie auch das Zentrum Bauma konnten von diesem Ausbau profitieren und verfügen nun über schnelleres Internet.
Nochmals nachgehakt
« Jetzt wäre es doch logisch gewesen, diese Arbeiten auch hier in Bliggenswil durchzuführen, wenn die Strasse sowieso offen ist, und die Leitungen ersetzt werden » , ist René Rusterholz überzeugt. Doch die Swisscom hatte andere Pläne.
« Es ist dann nicht unsere Aufgabe, nochmals nachzuhaken. »
Raphael Meier, Projektleiter Frei + Krauer AG
Das zuständige Planerbüro Frei + Krauer AG aus Rapperswil bestätigt auf Anfrage, dass man die Swisscom über die Strassensanierung informiert habe: « Das ist bei solchen Projekten üblich, dass man andere Werke, wie eben Telekomanbieter, Energieversorger und Wasserwerke, informiert und fragt, ob sie einen Ausbaubedarf haben » , erklärt deren Bauingenieur und Projektleiter Raphael Meier.
Zuerst habe die Swisscom nicht reagiert. « Das kommt aber immer wieder vor , wenn kein Interesse für einen Ausbau besteht. Es ist dann nicht unsere Aufgabe, nochmals nachzuhaken » , betont Meier. Im Fall von Bliggenswil hat Frei+Krauer dies jedoch gemacht. « Wir hatten eine Infoveranstaltung für die Bevölkerung und wurden dort nochmals auf diese Thematik aufmerksam gemacht. »
Ein anderer Leitungsweg
Aus diesem Grund habe das Planerbüro erneut bei der Swisscom nachgefragt, ob Interesse an an einem Ausbau im Rahmen des Strassensanierungsprojektes bestehe: « Wir haben dann die Rückmeldung erhalten, dass sie gerne eine Kostenschätzung hätte. » Diese wurde der Swisscom unterbreitet. « Es bestand weiterhin kein Ausbaubedarf. »
« Wir machen jeweils keine detaillierten Angaben zur Netzplanung. »
Armin Schädeli, Mediensprecher Swisscom
Die Medienstelle der Swisscom bestätigt, dass eine Kooperationsanfrage eingegangen sei. « Seitens der Swisscom gibt es aktuell keine konkreten Pläne für die Erschliessung von Bliggenswil » , erklärt Mediensprecher Armin Schädeli.
Ob und wann ein Ausbau erfolgt, kann Schädeli nicht sagen. « Aufgrund der vorhandenen Netzstruktur ist eine mögliche künftige Glasfasererschliessung über einen anderen Leitungsweg sinnvoller. » Genauere Informationen wollte der Mediensprecher nicht geben: « Wir machen jeweils keine detaillierten Angaben zur Netzplanung. »
Beschämend für die Schweiz
René Rusterholz habe noch selber versucht, den Verantwortlichen bei der Swisscom zu erreichen. « Ich habe mehrmals auf dessen Telefonbeantworter gesprochen und nie etwas gehört. » Dieses Verhalten empfindet Rusterholz als überaus arrogant.
« Das ist einfach eine Torheit einer Grossfirma. »
René Rusterholz, Bewohner von Bliggenswil
Zu diesem Vorwurf kann der Mediensprecher der Swisscom keine Auskunft geben: « Zur Kontaktaufnahme kann ich keine Aussagen machen, mir liegen dazu keine Informationen vor » , sagt Schädeli.
René Rusterholz, und mit ihm weitere Einwohner, können die Entscheidung und das Verhalten der Swisscom nicht nachvollziehen: « Das ist einfach eine Torheit einer Grossfirma. » Man baue neue Leitungen mit Steuergeldern, und die Swisscom wolle von dieser Möglichkeit nicht profitieren: « Am 4. November wird der Asphalt verlegt, dann ist der Zug abgefahren. »
Es scheint so, als müsste die Bewohner von Bliggenswil noch länger auf schnelleres Internet warten: « Und das in einem Land wie der Schweiz, das ist eigentlich beschämend » , findet Rusterholz.
