Abo

Politik

«Die Allgemeinmedizin als Fachrichtung wird oft belächelt»

Der Arzt Rafal Kasina wagt das, was viele andere Mediziner scheuen. Er geht als Hausarzt in eine Praxis auf dem Land. Ab November arbeitet er neben Hans-Peter Mösch als Allgemeinmediziner bei Wilacare.

Herr Kasina, Sie sind viel in der Welt herumgekommen und jetzt im beschaulichen Wila angekommen. Warum sollte es gerade dieser Arbeitsort sein?
Rafal Kasina: Genau, ich bin in Kanada geboren, habe in Polen und Frankreich studiert, zeitweise auch Praktika in den USA gemacht und dann meine Ausbildung in der Schweiz absolviert. Seit 2011 wohne ich hier und durfte hier in grossen und kleinen Spitälern und zuletzt in einer grösseren Praxis arbeiten.
Doch mir war immer klar, dass ich gerne als selbstständiger Hausarzt tätig sein möchte. Beim Bewerbungsprozess auf meinem Weg in die Selbstständigkeit bin ich dann auf Daniela und Hans-Peter Mösch gestossen. Wir hatten mehrere Gespräche und haben uns schnell gefunden. Ich freue mich jetzt, in einer Praxis auf dem Land zu arbeiten.

Seit 2020 gibt es das Gesundheitszentrum Wilacare. War diese neue Einrichtung auch ein ausschlaggebender Punkt?
Auf jeden Fall. Die Infrastruktur in Wila ist sehr gut. Es gibt ein gutes Team, das sich um diverse Belange kümmert. Ausserdem arbeiten neben Doktor Mösch  noch weitere Spezialisten bei Wilacare, so kann man sich gegenseitig unterstützen.

Auch mit guter Infrastruktur ist der Hausärztemangel in der Schweiz gross. Vor allem auf dem Land. Wieso haben Sie sich für die Allgemeinmedizin entschieden?
Die Sicherstellung der Grundversorgung ist für mich äusserst interessant. Von körperlichen Schmerzen zu psychischen Problemen, von jungen Patienten bis zu Senioren – die Arbeit als Hausarzt ist sehr vielfältig. Man muss ein sehr breites Wissen haben und sich in vielen Fachgebieten auskennen. Das hat mich stets mehr gereizt als eine Spezialisierung in nur einem Bereich. Spezialist bin ich ja trotzdem, für Allgemeine Innere Medizin.

« Als Hausarzt trägt man ausserdem extrem viel Verantwortung und man muss in diversen Fachgebieten sattelfest sein. »

Hans-Peter Mösch hatte einst eine Ärztin gefunden, die neben ihm in Wila tätig sein wollte. Sie ist aber abgesprungen. Wieso ist der Beruf als Hausarzt so unattraktiv?
Hierfür gibt es sicherlich viele Gründe. Viele junge Medizinerinnen und Mediziner wollen eine Spezialrichtung wählen, weil ihnen gar nicht bewusst ist, was die Allgemeinmedizin zu bieten hat. Das wird im Studium nämlich zu wenig thematisiert.
Die Allgemeinmedizin als Fachrichtung wird vielleicht auch deshalb noch oft belächelt – völlig zu Unrecht. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Als Hausarzt trägt man ausserdem extrem viel Verantwortung und man muss in diversen Fachgebieten sattelfest sein. Mir gefällt diese Herausforderung, andere haben Respekt davor.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?