René Schnoz, Sie haben im klassischen Stück «Arsen und Spitzenhäubchen» den Plot von New York der 40er-Jahre nach Uster verlegt, weshalb?
René Schnoz: Eine schweizerdeutsche Fassung hat es schon gegeben. Diese spielt aber immer noch in New York. Ich habe den Schauplatz nach Uster verlagert. Für mich macht das mehr Sinn, als wenn schweizerdeutsche Dialoge in New York angesiedelt sind. Ich bin ein Freund des authentischen und diese Authentizität erreiche ich am ehesten, wenn die Spieler so sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und der Schauplatz mit der Sprache übereinstimmt. Das Lokalkolorit hat auch immer etwas Besonderes, denn unsere Zuschauer sind mehrheitlich aus dem Zürcher Oberland und können sich mit dem Schauplatz identifizieren.
Das Stück ist ziemlich speziell. Im Programmheft deuten Sie es als schwierig einzuordnendes Genre, das sowohl Horrorkomödie als auch Psychokrimi oder gar Splattercomedy sein könnte. Als was bezeichnen Sie es kurz vor der Premiere?
Im Prinzip ist es eine skurrile Geschichte, in der zwei ältere liebenswürdige Ladys ‹en Egge ab› haben – sie bringen einsame Männer um, im Glauben damit eine gute Tat zu vollbringen. Es ist ein Stück zum Schmunzeln, zum Staunen, zum Gruseln, aber sicher keine Schenkelklopfer-Komödie. Man verfolgt die Geschichte, weil sie so absurd ist und immer wieder mit unerwarteten Wendungen überrascht. Das Stück spielt im Original in den USA der 40er-Jahre, der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange und Hitler, Präsident Roosevelt und andere Personen aus dieser Epoche werden genannt. Aus dem Roosevelt habe ich schliesslich General Guisan gemacht, ansonsten den Krieg aber bewusst versucht, nicht zu stark zu thematisieren. Wir hatten in der Schweiz ja eine andere Ausgangslage als die USA.
Zur Person
René Schnoz ist in Disentis (GR) aufgewachsen. Der 55-Jährige absolvierte nach der Handelsschule in Chur die Schauspielakademie Zürich. Schnoz ist einem breiteren Publikum unter anderem aus dem Film «Schellenursli» und Fernsehserien wie «Victors Spätprogramm», «Frieden» oder «Lüthi und Blanc» bekannt. Als Theaterschauspieler wirkte er in zahlreichen Aufführungen mit und führte in vielen Stücken Regie. Für sein Schaffen wurde er unter anderem mit dem Emil-Oprecht-Preis für den besten Schauspielschulabsolvent, dem Kulturanerkennungspreis der Stadt Chur oder dem Kulturpreis des SAC Schweiz ausgezeichnet.

