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Eltern kämpfen für einen Anschlussvertrag

Eltern aus Tablat und dem Steinenbachtal geben nicht auf: Mit einer Petition wollen sie erreichen, dass die Primarschulen von Turbenthal und Wila einen Anschlussvertrag aushandeln.

Eltern aus Tablat und dem Steinenbachtal wollen verhindern, dass ihre Kinder bald hier in Schmidrüti zur Schule müssen.

Foto: Rolf Hug

Eltern kämpfen für einen Anschlussvertrag

Auf dem Papier ist der Fall klar. Das Gemeindegesetz besagt, dass die Grenzen von Schulgemeinden und Politischen Gemeinden bis 2022 übereinstimmen müssen. Folglich müssen auch die beiden Primarschulgemeinden Wila und Turbenthal ihre Grenzen anpassen.

Im November kommen nun die beiden Primarschulgemeindeordnungen von Turbenthal und Wila an die Urnen. Darin enthalten ist auch die Anpassung der Grenzen. In einer ersten Abstimmung im März scheiterte die  Grenzbereinigung nämlich in der Primarschulgemeinde Wila.

Eltern hatten gegen die Vorlage mobilisiert, da die beiden Schulen keinen Anschlussvertrag ausgehandelt hatten.  Ohne einen solchen dürfen die Schüler aus Tablat und der rechten Seite des Steinenbachtals nicht mehr das Eichhalde-Schulhaus in Wila besuchen. Sie müssten neu im Schulhaus Schmidrüti in die Primarschule respektive in Turbenthal oder Neubrunn in den Kindergarten gehen.

Erneuter Widerstand

Denn im Schulhaus Schmidrüti hat es noch genug Platz. Aus diesem Grund will die Primarschule Turbenthal kein Schulgeld an die Primarschule Wila bezahlen. Doch Eltern der betroffenen Kinder wollen dies nicht hinnehmen  – und wehren sich erneut. 

« Wir wollen weiterhin erreichen, dass die beiden Schulgemeinden einen Vertrag ausarbeiten, damit unsere Kinder in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können » , sagt Petra Haubenschmid, deren Kinder in Tablat wohnhaft und somit direkt betroffen sind.

Aus diesem Grund hat sie zusammen mit ihrem Mann Ende September eine Petition formuliert und sich mit anderen betroffenen Eltern zusammengetan:  Thomas und Regina Berwert, Gordian Mächler, Nicole Brupbacher, Renate Beniczky und Thomas Harnik.

« Ausserdem haben viele Eltern aus Wila unser Anliegen unterstützt. »

Petra Haubenschmid, Petentin

« Wir Eltern arbeiten sehr eng zusammen. Deshalb haben wir alle Unterschriften gesammelt », so Petra Haubschenschmid.

Unterstützung aus Wila

Aus den betroffenen Gebieten im Steinenbachtal und Tablat hätten fast alle Bewohner die Petition unterschrieben. « Ausserdem haben viele Eltern aus Wila unser Anliegen unterstützt. Auch für sie ist es kein schöner Gedanke, dass Freunde ihrer Kinder aus dem gewohnten Umfeld gerissen werden » , ergänzt Haubenschmid. Insgesamt hätten sie rund 200 Unterschriften gesammelt. 

Die Petition haben die betroffenen Eltern vor rund zwei Wochen bei der Primarschule Turbenthal eingereicht. « Wir haben daraufhin einen Brief erhalten, dass sie davon Kenntnis genommen haben», sagt Haubenschmid.

« Der Ball liegt zur Zeit aber bei Turbenthal. »

Gisela Wahl, Präsidentin der Primarschule Wila

Die Primarschule Turbenthal bestätigte den Erhalt der Petition ausserdem in einer Mitteilung im Tößthaler vom Dienstag, 12. Oktober. Dort schreibt Vize-Präsident Ueli Laib, dass die Primarschule diese prüfe und im Anschluss die betroffenen Familien informieren werde.

Weiter schreibt er, dass die  Urnenabstimmung zur neuen Gemeindeordnung wie geplant am 28. November 2021 stattfinden werde. Die Primarschulpflege behalte sich jedoch vor, dass die gegenwärtig vorgesehene Übergangslösung ausgeweitet oder andere Ansätze ins Auge gefasst werden. Eine Information an die Bevölkerung dazu sei anfangs November 2021 zu erwarten.

Nicht kinderfreundlich

Auf Anfrage erläutert die Präsidentin der Primarschule Wila, Gisela Wahl, dass ihre Gemeinde weiterhin offen sei für eine Lösung mit Anschlussvertrag: « Wir sind dafür bereit, der Ball liegt zur Zeit aber bei Turbenthal. Sie werden darüber nochmals verhandeln. »

« Niemand hat daran gedacht, was diese Lösung für die Kinder bedeutet. »

Petra Haubenschmid

Für Haubenschmid und viele andere Eltern ist das zögerliche Vorgehen der beiden Primarschulgemeinden unverständlich. « Das Problem mit den Schulgrenzen ist seit Jahren bekannt, aber eine einfache Lösung will man nicht finden » , meint sie.  

Nichts zu verlieren

Dass die Kinder aus Tablat und von der rechten Seite des Steinenbachtals neu in eine andere Schule gehen müssten, sei nicht kinderfreundlich. « Niemand hat daran gedacht, was diese Lösung für die Kinder bedeutet » , ist Haubenschmid überzeugt.

Die betroffenen Weiler (blau) sowie die Schulstandorte Schmidrüti und Neubrunn (violett). Quelle: Google MyMaps

Es gehe nicht nur um die Kinder der Petenten, die aktuell von einem Schulwechsel betroffen sind: « Hier wird voraussichtlich für Generationen von Kindern ein Lösung mit unsinnigen Schulbusfahrten zu Schulhäusern fernab ihres eigentlichen Wohnorts Wila zementiert » , betont sie. Die sei weder in sozialer, noch ökonomischer oder ökologischer Hinsicht sinnvoll.

Deshalb hätten die betroffenen Eltern die Petition eingereicht. « Wir haben von einem ähnlichen Fall in einem anderen Kanton gehört, wo auf diesem Weg eine Lösung gefunden werden konnte » , erklärt die Verfasserin. Die Erfolgsaussichten möchte sie nicht einschätzen: « Wir haben aber schlichtweg nichts mehr zu verlieren. »
 

Übergangslösung, aber kein Anschlussvertrag

Die beiden Primarschulen aus Turbenthal und Wila haben bisher zwar keinen Anschlussvertrag, aber eine Übergangslösung ausgearbeitet. Diese sieht vor, dass Kinder in der Primarschule Wila ihren bisherigen Klassenzug beenden können und am Ende des Kindergartens, der zweiten oder der vierten Klasse ein Übertritt an die Primarschule Turbenthal stattfindet. 

Dies bestätigte Gabriella Pfaffenbichler, die Präsidentin der Primarschule Turbenthal, im September gegenüber der Redaktion. Scheitert die Grenzbereinigung an der Urne, ist absehbar, dass die Schulgrenzen vom Kanton angepasst werden.

Ob es dann eine Staffelung gibt, ist fraglich. «Der zuständigen Aufsichtsbehörde wäre es kaum möglich, Übergangsregelungen festzusetzen, wie sie die Schulpflegen derzeit in Aussicht stellen», erläuterte Karin Weyermann, die Schreiberin des Bezirskrats Pfäffikon, jüngst auf Anfrage. (bes)

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