Das Gästehaus zumTulpenbaum in Neubrunn schliesst Ende Jahr
Seit 2010 führen Katrin und Stefan Böni in Neubrunn ein Gasthaus mit sieben Zimmern. Doch damit ist Ende Jahr Schluss. «Wir haben uns entschieden, dass wir es etwas ruhiger angehen lassen wollen», erklärt Inhaber Stefan Böni.
Neben ihrem Gästehaus zum Tulpenbaum betreiben die Bönis auf ihrem Anwesen auch einen Käseladen. Stefan Böni ist sogar ursprünglich gelernter Käser. Doch auch diese Einkaufsmöglichkeit wird in absehbarer Zeit ihre Türen schliessen: «Den Käseverkauf führen wir aber noch bis nächsten Frühling weiter», betont er.
«Als Selbstständige schreiben wir keine Stunden auf, aber es waren stets mehr als 40 Stunden pro Woche.»
Stefan Böni, Inhaber des Gästehaus zum Tulpenbaum
Finanzielle Gründe habe ihr Entscheid nicht. «Natürlich war es vor allem während des ersten Lockdowns hart, aber wir haben es immer über die Runden geschafft.»
2020 als Ausnahme
Die Pandemie habe ihnen aber offenbart, wie viel sie in den letzten Jahren gearbeitet hätten. «Als Selbstständige schreiben wir keine Stunden auf, aber es waren stets mehr als 40 Stunden pro Woche», sagt Böni.
Der «Tulpenbaum» war besonders bei Geschäftsleuten beliebt. «Und bei Personen, die aus familiären Gründen, beispielsweise für eine Taufe oder ein Familientreffen, ins Tösstal kommen», ergänzt der Inhaber.
Feriengäste hätte nur selten den Weg nach Neubrunn gefunden: «Der Sommer 2020 war hier ganz klar eine Ausnahme, als so viele Leute Ferien in der Schweiz gemacht haben.»
Umbau bis im März
Am 23. Dezember wird wohl der letzte Gast im «Tulpenbaum» auschecken. Danach werden die aktuell sieben Gästezimmer zu zwei Wohnungen umgebaut – jede mit einer Grösse von etwa 150 Quadratmetern. Eine Dachwohnung gebe es bereits.
Eine Baubewilligung für das Projekt haben die beiden Gästehaus-Betreiber schon erhalten: «Wenn alles nach Plan läuft, ist der Umbau im März abgeschlossen», meint Stefan Böni. Diese drei Wohnungen im ehemaligen Gasthaus werden er und seine Frau vermieten.
«Man gönnt uns ein etwas ruhigeres Leben.»
Stefan Böni
Dann wird der ganze «Tulpenbaum» bewohnt sein. Neben dem jetzigen Bed and Breakfast hat das Ehepaar Böni nämlich ein Wohnhaus mit fünf Eigentumswohnungen gebaut, das letzten Herbst bezugsbereit war.
Zeit für die Bienen
Die Rückmeldungen von Gästen und Kunden über die kommende Schliessung seien bisher durchwegs positiv ausgefallen: «Wir haben viel Unterstützung erhalten. Man gönnt uns ein etwas ruhigeres Leben», so Stefan Böni. «Gewisse bedauern aber natürlich, dass wir auch den Käsekeller schliessen.»
Es sei nie der Plan gewesen, das Geschäft weiterzugeben. Dafür sei die Infrastruktur nicht gut genug. So fehlen beispielsweise Parkplätze. «Wir haben uns die letzten elf Jahre durchgemauschelt.» Das sei möglich gewesen, weil die Nachbarn immer grosses Verständnis gezeigt hätten. «Und dafür sind wir natürlich sehr dankbar.»
Nun hätten er und seine Frau bald wieder etwas mehr Zeit, sich ihren anderen Leidenschaften zu widmen. «Viele Pläne haben wir noch nicht, wir nehmen es wie es kommt.»
Doch etwas sei sicher: «Ich möchte mich wieder intensiver mit der Imkerei beschäftigen.» Seit 2014 kümmert sich das Ehepaar um mehrere Bienenvölker. Im nächsten Jahr beginnt Stefan Böni eine vierjährige Ausbildung zum Imker mit eidgenössischem Fachausweis. «Dafür hatte ich bisher nie genug Zeit.»