In der neuen Kirchenpflege sitzen zwei ehemalige RPK-Mitglieder
Es war eine kurze Angelegenheit am Sonntag im Pfarreisaal der Katholischen Kirche St. Antonius in Kollbrunn. Die 25 Stimmberechtigten wählten an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung in nur 25 Minuten eine neue Kirchenpflege.
Christian Palm, ehemaliges Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (RPK), übernimmt das Präsidium. Mit ihm im Gremium sitzen Roland Bischofberger, der ehemalige RPK-Präsident, sowie Thomas Lanter, der bis vor wenigen Jahren bereits Mitglied der Kirchenpflege war.
Der Konflikt zwischen der nun ehemaligen Kirchenpflege und der RPK scheint somit fürs Erste gelöst. Vor rund drei Wochen erreichte die Auseinandersetzung ihren vorläufigen Höhepunkt. Präsidentin Esther Kernen Fischer, Marion Schellenberg und Nuria Mayo Vazquez, die drei noch verbliebenen Kirchenpflegerinnen, reichten ihren Rücktritt ein.
Der Kirchgemeinde, der Katholikinnen und Katholiken aus Kollbrunn, Rikon, Schlatt, Weisslingen und Kyburg angehören, drohte, erneut ohne Kirchenpflege dazustehen. Denn bereits 2019 musste der Synodalrat der Katholischen Kirche einen Sachwalter einsetzen, da die Gemeinde keine funktionsfähige Kirchenpflege mehr hatte.
Wählbar oder nicht?
Doch nun kam alles anders. An der Kirchgemeindeversammlung erklärte Kernen erneut, wieso die gesamte Kirchenpflege zurücktritt. Sie machte keinen Hehl daraus, dass keine konstruktive Zusammenarbeit mit der RPK mehr möglich sei.
Und sie warnte vor Konsequenzen: «Wenn keine neuen Kirchenpflegemitglieder gewählt werden, wird es zu aufsichtsrechtlichen Massnahmen kommen.» Es seien nämlich keine Bewerbungen eingegangen.
«Wir haben das Vorgehen mit der Aufsichtskommission der Katholischen Kirche abgeklärt.»
Roland Bischofberger, Kirchenpfleger und ehemaliger RPK-Präsident
Doch so weit kam es nicht. An der Versammlung stellten sich Christian Palm und Roland Bischofberger aus Weisslingen und Thomas Lanter junior aus Kollbrunn zur Wahl. Sogleich stellte sich die Frage, ob eine solche Wahl überhaupt möglich ist, da Bischofberger und Palm aktuell Mitglieder der RPK sind.
«Wir haben das Vorgehen mit der Aufsichtskommission der Katholischen Kirche abgeklärt», betonte Bischofberger. Bei einer Wahl würden er und Palm sofort aus dem Amt entlassen. Das Schreiben der Behörde hatte er dabei. Im Nachhinein müsste die RPK wieder neu besetzt werden.
Unter dem Dach eines Gotteshauses
Auch bei Thomas Lanter, der Mitglied der Aufsichtskommission der Katholischen Kirche im Kanton Zürich ist, stellte sich die Frage, ob er wählbar ist. «Gemäss aktueller Gesetzeslage ist eine Tätigkeit in der Kirchenpflege und in der Aufsichtskommission möglich», erklärte er.
Einzeln wurden die drei Kandidaten anschliessend gewählt. Ein einstimmiges Resultat gab es für keinen, doch alle schafften die Wahl. Als Präsident stellte sich Christian Palm zur Verfügung. Der Weisslinger betonte in seiner Vorstellungsrede, dass er nun pensioniert sei und folglich genügend Zeit für dieses Amt und die Kirchenpflege aufbringen könne.
«Wir wollen nun mit guter, sachlicher Arbeit überzeugen und Dinge anpacken, die nötig sind.»
Christian Palm, neuer Präsident der Kirchenpflege Zell
In weniger als einer halben Stunde hatte die kriselnde Kirchgemeinde nun also doch wieder eine Kirchenpflege. Aber nicht allen Anwesenden war es wohl mit der ganzen Geschichte: «Über den Umgangston, der hier teilweise herrscht, bin ich schockiert», sagte beispielsweise die Kollbrunnerin Margrit Künzi. Unter dem Dach eines Gotteshauses sollte ein konstruktiver Dialog möglich sein.
Ruhe soll einkehren
Auch Christian Palm, der neue Präsident, ist sich bewusst, dass Unruhe in der Gemeinde herrscht. «Wir wollen nun mit guter, sachlicher Arbeit überzeugen und Dinge anpacken, die nötig sind.» Darunter gehört beispielsweise auch die Sanierung der Liegenschaften – einer der grössten Streitpunkte zwischen der ehemaligen RPK und der abgetretenen Kirchenpflege.
Er und seine beiden neuen Kollegen hätten sich unter anderem deshalb zur Wahl gestellt, weil sie nicht wollten, dass die Kirchenpflege erneut verwaist. «Wir hatten schon einmal einen Sachwalter, und das hatte nicht nur gute Seiten.»
Die ehemalige Präsidentin Esther Kernen hofft ebenfalls, dass nun wieder Ruhe einkehrt: Die ehemalige Kirchenpflege habe sich nur noch mit Verfahrensthemen beschäftigen müssen. Aus ihrer Sicht sei eine konstruktive Zusammenarbeit nicht mehr möglich gewesen. «Wir denken, dass ein Neuanfang das Beste für die Kirchgemeinde ist, welche immer im Zentrum stehen sollte.»
