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Hier sollen Geflüchtete noch aktiver integriert werden

Claudia Rüegg und Annette Carle möchten in der neuen «Kulturstube» in Rüti die Integration von Flüchtlingen auf persönlicher Ebene fördern. Deshalb versuchen sie, regionale Kräfte zu finden, um das vom Kanton lancierte «Tandem-Projekt» umzusetzen.

Claudia Rüegg (links) und Annette Carle (rechts) verfolgen in Rüti ein Projekt mit Flüchtlingen., In der Kulturstube Rüti treffen sich die beiden oft mit Geflüchteten.

Luca Da Rugna

Hier sollen Geflüchtete noch aktiver integriert werden

Seit einem Monat sind sie regelmässig in der Kulturstube Rüti anzutreffen. Die Pfarrerin der reformierten Kirchgemeinde Rüti, Claudia Rüegg, sowie die sozial engagierte Rütner Filmemacherin Annette Carle. Die beiden Frauen beschäftigen sich seit längerer Zeit mit dem Thema Integration und stellten nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März des vergangenen Jahres fest, wie die Betreuung der Flüchtlinge vernachlässigt wurde.

Für die Pfarrerin war dies ein Anstoss, sich noch mehr im Bereich der sozialen Integration von geflüchteten Menschen in der Region zu engagieren. Seit dem ersten Lockdown stattete sie der Flüchtlingsunterkunft in Tann regelmässig Besuche ab, um sich ein konkretes Bild vor Ort zu machen- und lernte so Annette Carle kennen.

Austausch wird gross geschrieben

Bis anhin leitete Claudia Rüegg Zusammenkünfte im Café International in Rüti, wo speziell Frauen aus fremden Kulturkreisen sowie Schweizerinnen die Chance erhalten, sich gegenseitig auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. «Bei diesen Treffs wird vorwiegend Deutsch gesprochen und die verschiedenen Kulturen treffen direkt aufeinander. So entstehen Bindungen und Austausch, also für beide Seiten eine grosse Bereicherung», sagt Rüegg.

Die positiven Ergebnisse, die sich aus diesen Begegnungen und Erfahrungen ergaben, möchte sie mit Annette Carle, der Projektleiterin der Filmbäckerei und dem Brockolino in Rüti, noch erweitern. «Unser Ziel ist die Begegnung auf Augenhöhe», sagt Carle.

«Unser Ziel ist die Begegnung auf Augenhöhe.»

Annette Carle, Filmemacherin

Die Beiden sehen sich selbst nicht in der Rolle als Betreuungspersonen, sondern eher als Vermittlerinnen für eine gute Sache, die jedoch auch die Initiative der Gegenseite erfordert. «Wir können den Leuten zeigen, wie man schwimmt, aber schwimmen müssen wir alle selbst», sagt Rüegg.

Integration sei in Teilen auch eine Bringschuld und das Interesse der Flüchtlinge für eine erfolgreiche Integration müsse vorhanden sein. In den bisherigen Begegnungen mit den Geflüchteten würden die positiven Erfahrungen überwiegen und das Interesse ihrerseits sei stets vorhanden. «Natürlich gibt es hin und wieder Probleme.»

Zu Spannungen käme es speziell in den Flüchtlingsunterkünften, wo viele Menschen eng aufeinander lebten und kaum eine ruhige Minute fänden. «Deswegen möchten wir mit der Kulturstube in Rüti Abhilfe schaffen und bieten mit diesem Ort eine ruhige Oase, wo zum Beispiel die Möglichkeit für das Lösen von Hausaufgaben aus Deutschkursen besteht», sagt Carle.

Tandems bilden

«Da die Integration im Alltag stattfinden muss, braucht es auch direkte Ansprechpersonen für die Geflüchteten», findet Rüegg. Deshalb beteiligen sich Carle und Rüegg an dem Projekt «Zäme da», das vom Kantonalen Integrationsprogramm des Kantons Zürichs (KIP) ins Leben gerufen wurde. «Es geht darum, sogenannte «Tandems» zu bilden, also Bezugspersonen für den Alltag zu finden, die den Geflüchteten das Ankommen und Einleben in der Schweiz erleichtern», schildert Carle. Die Idee und Finanzierung komme vom Kanton. Die Aufgabe der beiden Koordinatorinnen für die Gemeinden Rüti, Dürnten, Bubikon besteht nun darin, Freiwillige zu finden und diese mit den Flüchtlingen zusammen zu bringen.

«Es kann für Einheimische aus der Region auch eine Bereicherung sein.»

Claudia Rüegg, Pfarrerin

In diesen Zweiergruppen sollen pro Monat zirka vier Stunden Zeit investiert werden. «Es kann für Einheimische aus der Region auch eine Bereicherung sein», findet Rüegg. Das Ziel sei nicht, dass man den Neuankömmlingen in der Region nur Unterstützung biete, sondern sich gegenseitig bereichern könne. «Seitdem ich mit Flüchtlingen, zum Beispiel jenen aus Eritrea, zusammenarbeite, hat sich mein Horizont ungemein erweitert», sagt Carle.

Es sei beeindruckend, welche bewegten Geschichten diese Leute zu erzählen hätten und welche Resilienz die Geflüchteten in den meisten Fällen besässen. «Da das Reisen momentan eher unsicher und schwierig ist, habe ich die Erfahrung gemacht, dass man durch diese Geschichten auf kleine Reisen gehen kann», sagt Carle.

Dennoch müsse man als eine freiwillige Person auch bereit sein, etwas zu investieren. «Einheimische könnten dann Unterstützung bei alltäglichen Herausforderungen leisten – zum Beispiel wie man korrekt ein Billett löst.»

Laut Carle läge es oft an Kleinigkeiten, die für viele Flüchtlinge grosse Hindernisse darstellten. «Die Absicht eines Tandems ist ein freundschaftliches Verhältnis, das auf gegenseitigem Respekt und einer Begegnung auf Augenhöhe beruht.» Generell hätten künftige Tandempartner oder die Beiden in der Kulturstube als Koordinationsstelle den viel angenehmeren Part als der Kanton zu erfüllen. «Hier kann der soziale Aspekt gefördert werden, während die Behörden manchmal auch schwierige Entscheide zu treffen haben.»

 

Um die Tandemprojekte zu starten, führt die Koordinationsstelle für Tandemprojekte am 5. Oktober  um 19.30 Uhr einen Informationsanlass in der Kulturstube Rüti durch. Die Anmeldung erfolgt auf tandem@refrueti.ch. Vor Ort werden Interessierte über die Projektabsichten informiert und haben die Möglichkeit, Fragen zum Thema Integration in der Region zu stellen.

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