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So trennt man die Spreu vom Weizen

Das Erntedankfest der Reformierten Kirche Zell hat erstmals auf einem Bauernhof stattgefunden. Dabei haben es auch ein paar unbekannte Gesichter in den Gottesdienst geschafft.

Die Besucher lauschen den Klängen der «Zürcher Jodelfründe»., Pfarrer Jens Liedtke (Mitte) begrüsst die Anwesenden., Gastgeber und Landwirt Ruedi Furrer darf seinen Hof vorstellen., Besucherinnen decken sich nach dem Gottesdienst am Gabentisch ein., Nach der Feier verpflegen sich die Besucher am Apéro.

Fotos: Bettina Schnider

So trennt man die Spreu vom Weizen

Auf dem Hof der Familie Furrer in Oberlangenhard herrschte am Sonntagmorgen reger Betrieb. Parkplätze wurden zugewiesen und Besucherinnen und Besucher zu ihren Plätzen begleitet. Rund 80 Personen sind gekommen, um den Erntedankgottesdienst der Reformierten Kirchgemeinde Zell zu feiern – für einmal nicht in der Kirche, sondern dort, wo die Ernte herkommt, auf dem Bauernhof.

Gekommen sind mehr Gottesdienstbesucher, als die Organisatoren erwartet hatten. Vor der Feier mussten noch zusätzliche Bänke aufgestellt werden. Die Veranstaltung fand unter freiem Himmel statt. Folglich galt keine Zertifikatspflicht, auch wenn mehr als 50 Personen am Gottesdienst teilnahmen.

Pfarrer Jens Liedtke Siems freute sich sichtlich, als er die Anwesenden begrüsste. «Für einmal ist die Predigt am Erntedankgottesdienst um uns herum», sagte er. Und zwar durch die Natur.

Ähre in Ehre

Für diese besondere Feier hat sich das Pfarrerpaar um Jens Liedtke Siems und seine Frau Christiane ein spezielles Thema ausgesucht: «Für einmal wollen wir nicht über Brot, Sonnenblumen oder die Aussaat sprechen, sondern darüber, wie man die Spreu vom Weizen trennt.»

Dafür haben alle Besucherinnen und Besucher am Anfang des Gottesdienstes eine Ähre Weizen erhalten. «Halten Sie diese Ähre in Ehren, bis es so weit ist», ermahnte der Pfarrer.

Als Nächstes durfte der Landwirt und Gastgeber Ruedi Furrer ans Rednerpult treten, das aus einem grossen Baumstamm bestand. Er stellte seinen Hof vor, auf dem drei Generationen mitwirken. «Das grösste Standbein unseres Hofes ist die Kuhhaltung», erklärte Furrer.

Insgesamt leben 42 Kühe auf dem Anwesen der Furrers. Auf den 25 Hektaren Land baut die Familie auch Dinkel an. «Aus diesem wird Brotgetreide hergestellt.» Jährlich etwa acht bis neun Tonnen.

Trennen vom Negativen

Landwirt Furrer war am Erntedankgottesdienst aber nicht nur Gastgeber, sondern auch mitverantwortlich für die musikalische Untermalung der Feier. Er ist Mitglied des Chörli Zürcher Jodelfründe, welches am Gottesdienst auftrat.

«Wie viel Spreu sammelt sich denn in unserem Leben an?»

Christiane Siems, Pfarrerin der Reformierten Kirche Zell

Die Ähre, die am Anfang des Gottesdienst verteilt wurde, musste die Kirchgängerinnen und Kirchgänger schon bald gebrauchen. Doch zuvor erklärten Jens Liedtke und Christiane Siems, wieso dieses Thema überhaupt wichtig sei.

«Wie viel Spreu sammelt sich denn in unserem Leben an», fragte die Pfarrerin in die Runde. Damit meinte sie nicht das Abfallprodukt des Weizens, sondern Gedanken und Dinge, die unsere Lebensqualität negativ beeinflussen.

Die Gedanken hochschmeissen

J ens Liedtke führte diese Überlegungen in seiner Kurzpredigt weiter. Für ihn gehe es nicht nur um das Zitat von Johannes dem Täufer, so wie es in der Bibel steht: «E r wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.»

Das geschehe erst am Ende des Lebens. «Doch bereits vorher haben wir die Chance, unsere Spreu vom Weizen zu trennen.» Dazu gehöre auch, sich zu hinterfragen, wie viel Spreu, also negative Gedanken und Einstellungen, sich im Leben angesammelt hat. «Schmeisst eure Gedanken hoch und schaut, wie viel Weizen übrigbleibt», ermahnt er.

Es wird gezeigt, wie die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Diese Aufgabe wurde danach ganz praktisch umgesetzt. Die Anwesenden durften unter Anleitung von Ruedi Furrer die Spreu vom Weizen trennen. Die Ähre wurde zwischen den Handflächen gerieben, damit sich die Körner lösten. Die leichtere Spreu wurde dann sorgfältig von der Hand geblasen, die Körner blieben dabei liegen.

Neue Gesichter

B ei den Gottesdienstbesucherinnen und -besucher kam diese besondere Erntedankfeier gut an. «Mir hat es gut gefallen, heute auf den Bauernhof zu kommen», meinte eine Kirchgängerin aus Rikon. Sie deckte sich am Gabentisch mit frischem Gemüse ein. Der Erlös kommt dabei der Partnerkirche der Gemeinde in Rumänien zu Gute.

Auch für Pfarrer Jens Liedtke war der Gottesdienst ein Erfolg. Die Idee dafür hatte er letztes Jahr: «Ich habe einen Artikel über die Ernte geschrieben und habe mich deshalb vorgängig mit Ruedi Furrer ausgetauscht, da ich selber nicht vom Fach bin.»

Daraus sei die Idee entstanden, Erntedank auf dem Bauernhof zu feiern. «Die Kirchenpflege war mit diesem Vorhaben einverstanden.» Nun müsse man sich überlegen, ob man die Feier vielleicht nächstes erneut auf einem Landwirtschaftsbetrieb feiert. «Besonders schön war nämlich, auch einige Leute zu sehen, die man sonst nicht in der Kirche antrifft.»

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