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Cirillo Maroni geht mit 77 in Pension

Der ehemalige Lüftungsmonteur Cirillo Maroni aus Tann hat 50 Jahre lang im selben Haus gewohnt und die Liegenschaft hobbymässig als Hauswart in Stand gehalten. Nun tritt er Ende September seinen wohlverdienten Ruhestand an.

50 Jahre lang hat der 77-Jährige die Liegenschaft an der Brunnenstrasse 4 betreut., Cirillo Maroni auf seiner Terrasse., Ab dem 1. Oktober gibt Cirillo Maroni den Job als Hauswart auf.

Roger Hofstetter

Cirillo Maroni geht mit 77 in Pension

Dass er bereits 77 Jahre alt ist, würde man, wenn man Cirillo Maroni gegenübersteht, nicht annehmen. Der dreifache Vater und glückliche Rentner, der seit 50 Jahren in Tann wohnhaft ist, versprüht noch immer gute Laune und strotzt vor Vitalität. «Ich habe es hier in der Siedlung wunderschön. Draussen weiden die Rinder oder Schafe, deren Glocken ich bimmeln höre. Es ist fast wie auf der Alp.»

Eine Wohnung in einer Alterssiedlung oder ein Platz in einem Altersheim kommt für Maroni nicht in Frage. «Ich möchte hier nicht weg und wenn ich Hilfe benötige, ist meine Tochter aus Wetzikon oder die umliegende Nachbarschaft für mich da.» Denn auch den Nachbarn fühlte sich Maroni stets verpflichtet und goss für sie die Pflanzen oder leerte die Briefkästen für sie, wenn diese gerade in den Ferien weilten.

Vor 50 Jahren nahm der gelernte Lüftungsmonteur mit italienischen Wurzeln neben seinem Beruf den Freizeitjob als Hauswart an der Brunnenstrasse 4 in Tann an. Diesen hat er trotz Anstrengungen kompromisslos durchgezogen und ist nun stolz sowie erleichtert, den körperlichen Belastungen auf Wiedersehen zu sagen.

«In meinem Alter noch die riesigen Hecken zu schneiden, das geht leider nicht mehr. Mein Knie und mein Rücken schmerzen zunehmend.»  Wenn er auf die 50 Jahre zurückblickt, ist er stolz und meint nur: «Unglaublich, wie schnell die Zeit doch vergeht.»

Von Davos ins Oberland

Geboren wurde Cirillo Maroni in Davos. Offiziell als Schweizer eingebürgert wurde er vor 27 Jahren. «In meinem 12. Lebensjahr zog meine Familie von Davos ins Zürcher Oberland, da mein Vater hier in der Region besser als in den Bergen verdienen konnte.» Maroni ging noch zwei Jahre in die Oberstufe, bis er 1959 eine Anlehre bei der Johann Müller AG in Rüti als Lüftungsmonteur begann und direkt ins Berufsleben einstieg.

Ab seinem 45. Altersjahr arbeitete er dann als Magaziner in Wald und übte diesen Job noch 20 Jahre lang bis zu seiner offiziellen Pensionierung  im Jahr 2009 aus. «Nach all den Jahren draussen bei Sturm und Kälte wie teils auf Montage, war ich froh, auf den Job als Magaziner umzusatteln. So konnte ich nebenbei auch noch die Hauswartung durchführen und hatte die Garantie, nicht mehr so viel unterwegs sein zu müssen.»

Bei seiner Familie zu sein, war ihm stets das Wichtigste. Neben einer Tochter zog er zusammen mit seiner Frau, die er bereits als 21-Jähriger heiratete, auch zwei Söhne gross. «Der ältere ist heute 56 Jahre alt und der jüngere 46.» Obwohl alle längst erwachsen und selbstständig seien, meint Maroni: «Für die Eltern bleiben die eigenen Kinder eben immer Kinder.»

«In meinem 12. Lebensjahr zog meine Familie von Davos ins Zürcher Oberland, da mein Vater hier in der Region besser als in den Bergen verdienen konnte.»

Cirillo Maroni

 Seit zwei Jahren Wittwer

Seit dem Tod seiner Frau im Jahr 2019, steht Maroni mit seinen Söhnen und seiner Tochter nach wie vor eng im Kontakt. «Sie sind unglaublich wichtig für mich und ich weiss, dass ich sie jederzeit anrufen kann, wenn etwas ist.» Wenn Cirillo Maroni von seiner verstorbenen Frau spricht, kommen ihm leicht die Tränen. «Wir waren 55 Jahre lang verheiratet und gingen ein Leben lang durch dick und dünn.»

Seine Frau fehle ihm oft und manchmal, wenn er ihr Bild an der Wand im Wohnzimmer betrachte, das mit ihrer Halskette geschmückt ist, spreche er mit ihr. «Das mag eigenartig klingen, aber ich kann einfach nicht anders und es hilft mir, schwierige Tage zu überstehen.» Vor ihrem Tod lag Maronis Frau für zwei Jahre in einem Pflegebett im Wohnzimmer, wo er sie täglich betreute und für sie sorgte.

«Zu dieser Zeit hatte ich auch noch einen Unfall und brach mir einen Fuss und fünf Rippen.» Zum Glück sei ihm damals die Spitex zur Hilfe geeilt, da er es nach seinem Unfall nicht geschafft hätte, vollumfänglich für seine Frau zu sorgen.

«Wir waren 55 Jahre lang verheiratet und gingen ein Leben lang durch dick und dünn.»

Nun besucht  Maroni seine Frau regelmässig während seinen Waldspaziergängen. «Nach ihrem Tod habe ich einen Baum gekauft, unter dessen Wurzeln sie begraben liegt. Auch da spreche ich regelmässig mit voller Stimme zu ihr.»

Pandemiezeit war schwierig

Im Grunde ist Cirillo Maroni ein aktiver Mensch. Als die Corona-Pandemie ausbrach, schränkte er sein Leben jedoch stark ein. «Ich hatte schon etwas Angst, dass mich das Virus treffen könnte.» Er sei nur noch zuhause gewesen, über vier Monate nicht ins Dorf gegangen und habe ab und an einen Spaziergang im Wald gemacht. «Die Einkäufe hat meine Tochter erledigt und sie mir auf meine Terrasse gestellt.

So konnte ich das Risiko einer Ansteckung auf ein Minimum reduzieren.» In dieser Zeit habe er seine Bekannten vermisst. Maroni jasst leidenschaftlich gerne und veranstaltet kleine Grillfeste auf seiner Terrasse. Auch sportlich ist er noch unterwegs und geht, wenn möglich, jeden Tag dreiviertel Stunden Schwimmen. In jungen Jahren war Maroni auch als Schwinger aktiv.

Öfters nahm er an Wettkämpfen auf dem Bachtel teil. In Seinem Wohnzimmer hängt noch die Glocke vom Schwingfest in Morgarten aus dem Jahr 1969. «Meist habe ich auf die Schnauze bekommen», meint Maroni lächelnd. Im Alter von 35 habe er mit dem Schwingen aber aufgehört.

«Die Einkäufe hat meine Tochter erledigt und sie mir auf meine Terrasse gestellt. So konnte ich das Risiko einer Ansteckung auf ein Minimum reduzieren.»

Wenn der gut gelaunte Rentner auf sein Leben zurückblickt, ist er zufrieden und meint nur: «Wenn ich reich gewesen wäre, dann hätte ich jetzt vielleicht weniger körperliche Beschwerden, da ich nicht so viel hätte schuften müssen.» Und doch möchte er mit niemandem tauschen.

«Als ich jünger war und gearbeitet habe, da dachte ich manchmal, ob ich noch das Privileg haben würde, meine Pension einmal geniessen zu können.» Nun blicke er bereits auf zwölf Jahre zurück und schätze sich mehr als glücklich. «Ich hätte die Hauswartung auch noch länger gemacht, aber jetzt mag ich wirklich nicht mehr.»

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