Wildberg heisst seinen neuen Pfarrer willkommen
So gut gefüllt wie am Sonntag war die reformierte Kirche in Wildberg schon lange nicht mehr. An den Eingängen wurden die Covid-Zertifikate der Kirchgängerinnen und Kirchgänger überprüft. Am Einsetzungsgottesdienst von Pfarrer Arnold Steiner sollten nämlich mehr als 50 Personen teilnehmen dürfen.
Vor fast genau einem Jahr wurde Steiner nach dem Bettagsgottesdienst an einer Kirchgemeindeversammlung gewählt. Anfang August hat er seine neue Stelle in Wildberg angetreten.
Zwei Haltungen
Zur Feier des Tages war am Sonntag auch Marcus Maitland vor Ort. Er ist Pfarrer in Hittnau und gleichzeitig Dekan des Bezirks Pfäffikon. Er nutzte seine Begrüssungsworte, um über das Leben in einer Kirchgemeinde nachzudenken.
Man könne dabei zwei Haltungen einnehmen. «Man kann davon ausgehen, dass alles, was man für das kirchliche Zusammenleben braucht, in der Gemeinde vorhanden ist. Man muss es nur entdecken.»
Oder, so Maitland, man sehe nur, was fehlt und noch gefunden werden muss. «Doch denken Sie immer daran: Gott ist da, bevor man etwas anfängt.» Dies solle man auch in der Gemeinde Wildberg beherzigen.
Frischer Wind
Im Anschluss an die Begrüssung fand die eigentliche Einsetzung von Arnold Steiner als Pfarrer statt. Er wiederholte sein Gelübde und empfing den Segen. Hinter ihm stand während dieses Aktes die Pfarrwahlkommission. Mit der offiziellen Einsetzung ist diese nun aufgelöst.
«Arnold Steiner hat frischen Wind nach Wildberg gebracht.»
Manuela Hugi, Präsidentin der Kirchenpflege Wildberg
Manuela Hugi ergriff danach das Wort. Die Präsidentin der Kirchenpflege erinnerte an Arnold Steiners Rede, die er anlässlich der 1.-August-Feier auf der Oberen Luegeten gehalten hatte. Dort sprach Steiner unter anderem die Türe des Pfarrhauses an, die für alle offen stehen soll.
Nun sei das Pfarrhaus wieder bewohnt und es «rumore» auch wieder im Pfarrhausgarten. «Arnold Steiner hat frischen Wind nach Wildberg gebracht, und wir dürfen eine Nase voll nehmen», sagte Hugi.
Gleichzeitig sprach sie aber auch die vielfältigen Aufgaben des neuen Pfarrers in der relativ kleinen Kirchgemeine an. 2009 habe Wildberg noch eine 80-Prozent-Pfarrstelle gehabt, erinnerte Hugi. Nun sind es seit letztem Jahr noch 50 Prozent.
«Die Arbeit ist aber nicht weniger geworden.» Doch Steiner sei nicht nur in Wildberg tätig. Er ist zudem Seelsorger im Bundesayslzentrum in Zürich und gibt freiberuflich Kurse im Haus der Stille in Wildberg. Letzteres tat er schon vor seinem Amtsantritt.
Andere haben gesät
Und genau deshalb sei es wichtig, betonte Hugi, dass sich die Gemeinde engagierte. «Wir sollen Eigeninitiative mitbringen. Vor allem wenn etwas nicht passt. Dann ist es höchste Zeit, sich in die Kirchenpflege wählen zu lassen», meinte sie und sprach damit auch die Erneuerungswahlen der Behörde im kommenden Jahr an.
«Diese haben gesät und meine Arbeit kann nun darauf aufbauen.»
Arnold Steiner, neuer Pfarrer der Kirche Wildberg
Steiner erhielt von der Kirchenpflege als Begrüssung einen Geschenkkorb mit lokalen Produkten. Er bedankte sich bei der Gemeinde – nicht nur für das Geschenk, sondern auch für die freundliche Begrüssung in Wildberg. Er fühle sich wohl. «Ich und meine Frau sind herzlich aufgenommen worden.»
Gleichzeitig erinnerte Steiner daran, dass der frische Wind, den Manuela Hugi angesprochen hatte, einhergeht mit dem Engagement seiner Vorgänger. «Diese haben gesät und meine Arbeit kann nun darauf aufbauen und ernten.»
Ein besonderer Teil des Gottesdienstes war nach Steiners Predigt und Abendmahlfeier ein kleines Theaterstück über «Dorfgespräche». Drei Frauen, darunter die ehemalige Kirchenpflegepräsidentin Monique Blattmann, tauschten sich in ihren Rollen über die Geschehnisse in der Kirchgemeinde aus.
Den Spiegel vorgehalten
Dabei sprachen sie auch den neuen Mann mit grauen Haaren an, der sich in der Gemeinde herumtreibe und sich als der neue Pfarrer herausstellte. Ebenso wurden einige Anekdoten aus der Geschichte der Kirche Wildberg erzählt. So zum Beispiel, wieso der letzte Teil des «Unser Vater» immer gesungen werde. «Das ist schon ganz lange so, weil wir einmal einen so überaus musikalischen Pfarrer hatte», wusste eine der drei Gesprächsteilnehmerinnen.
Steiner bedankte sich für diese kurze Einlage und meinte. «Es ist immer gut, wenn man den Spiegel vorgehalten bekommt. So lernt man sich neu kennen.»
Ebenso brachte er nochmals zum Ausdruck, dass er sich sehr auf seine Aufgabe im Oberland freue. «Danke, dass ich hier Pfarrer sein darf.» Darauf reagierten die Gottesdienstbesucher mit Applaus.
