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Biodiversität Ja, aber bitte ohne Lärm

Das erste Projekt in Mönchaltorf im Rahmen der «Bienen-Initiative» stösst bei vielen Anwohnern auf Widerstand. Sie sind mit dem neuen Spazierweg unzufrieden und befürchten mehr Lärm und Abfall vor ihrer «Haustüre».

Der neueste Stand des Projektes im Rietwis mit den erwirkten Änderungen der Anwohner.

Karte: PD

Biodiversität Ja, aber bitte ohne Lärm

Im Juli hatte der Mönchaltorfer Gemeinderat ein Biodiversitätsprojekt vorgestellt, das eigentlich nach dessen Plänen bald realisiert werden sollte. Doch an einer Informationsveranstaltung am Donnerstagmorgen im Mönchhof bekundeten etwa 20 Anwohnerinnen und Anwohner ihren Unmut über das geplante Vorhaben im Gebiet Rietwis, das im Zuge der «Bienen-Initiative» entstand.

Nachdem Gemeindepräsident Urs Graf (FDP) den Anlass eröffnete, oblag es Gemeinderätin Christina Thomas (parteilos) und Landschaftsarchitektin Sonja Fritschi die Pläne mit Weiher, Bäumen, Pflanzen, Holzplattform und Weg zur Förderung der Biodiversität zu präsentieren.

Bänkli als Partyort

Schnell wurde klar, dass die zentralen Vorbehalte der Anwohner gegen das Projekt die Linienwahl des Spazierwegs mit den Sitzbänken durch das Gebiet ist. Damit verbunden sind auch die Sorgen um mehr Lärm und Abfall. So sagte eine Anwohnerin: «Ich höre am Abend die jungen Leute, die sich um die Bänkli im Industriegebiet scharen und feiern. Mir ist mein Schlaf wichtiger als ein Bänkli.»

Ein idyllischer Weiher mit Schwalbenhotel

29.07.2021

Mönchaltorf investiert in Biodiversität

Die Gemeinde Mönchaltorf setzt zum ersten Mal Geld aus dem Rahmenkredit zur Förderung der Biodive Beitrag in Merkliste speichern Wegen ähnlicher Befürchtungen der Anwohner sei bereits die ursprünglich geplante Grillstelle aus dem Projekt gestrichen worden, wie Gemeinderätin Thomas sagte. Ebenfalls haben die Anwohner offenbar schon im Vorfeld erreicht, dass nun nur noch zwei statt der drei Sitzbänken realisiert werden sollen. Thomas gab zu bedenken: «Wir können aber nicht grundsätzlich sagen, dass wir keine Sitzgelegenheiten machen. Denn wir müssen auch auf die älteren Menschen Rücksicht nehmen.»

Morgendliches Gequake

In Sachen Lärm meinte danach eine Anwohnerin, dass wegen des geplanten Weihers morgens um 4 oder 5 Uhr schon ein Gequake zu erwarten sei. Worauf eine andere dem nächtlichen Treiben der Jugendlichen eine höhere Gewichtung beimass, und meinte: «Lieber Froschgequake als der Lärm aus einer Boombox.»

Neben dem Lärm sorgte auch die Wegführung für Diskussionen. Dass diese Strecke, die im Osten von der Esslingerstrasse bis hin zum bestehenden Weg entlang des Waldrandes ‘Süggel’ im Westen anschliessen soll, hatte der Gemeinderat schon vor dem Biodiversitätskonzept geplant und dafür einen Investitionskredit von 59’000 Franken bewilligt. Daran erinnerte Gemeindepräsident Urs Graf während der Versammlung.

Ebenfalls rief er die Einzelinitiative «Schutz der Artenvielfalt – rettet die Bienen» ins Bewusstsein, die an der Gemeindeversammlung Ende 2019 – gegen den Willen des Gemeinderats – angenommen wurde. «Mit dem Beschluss hat die Gemeinde den Auftrage bekommen, innerhalb von drei Jahren 210‘000 Franken für Biodiversitätsprojekte einzusetzen», sagte Graf. Dabei habe der Gemeinderat freie Hand. Das vorliegende Projekt mit dem Investitionskredit in der Höhe von 73‘000 Franken sei jetzt die erste Etappe nach dem Beschluss der Bevölkerung an der Gemeindeversammlung.

Abkürzungen unterbinden

Ein Anwohner hinterfragte die weitgehende Aufhebung des heute bestehenden Weges von der Esslingerstrasse her zur Südstrasse. «Wieso lässt man diesen nicht, setzt zusätzlich ein paar Bäume, anstatt zwei Drittel des Weges aufzuheben?»

«Wir können es nicht allen recht machen.»

Christina Thomas (parteilos), Gemeinderätin Mönchaltorf

Landschaftsarchitektin Sonja Fritschi entgegnete, dass die neue Wegverbindung näher beim Zebrastreifen liegen soll, damit die Fussgänger künftig nicht in Versuchung kämen, über die Wiese abzukürzen. «Das andere ist, dass die Leute mit dem neuen Weg nicht so nah an den Wohnhäusern vorbeilaufen, was wiederum die Bewohner stören könnte.»

Entlang der Industrie soll’s gehen

Einige Anwohner störten sich aber an der Fortsetzung dieses Weges. Denn das Gebiet vor ihrem Grundstück ist heute unverbaut. So fragte eine Frau, wieso denn der Weg mit Kurven Richtung Quartier führe und nicht entlang der südlich gelegenen Industrie gebaut werden könne. Der Weg entlang der Industriezone war für mehrere Anwesende eine valable Option.

«Streng genommen, ist das Baubewilligungsverfahren damit lückenhaft.»

Mönchaltorfer Anwohner

Gemeinderätin Thomas sagte: «Am Anfang dieses Projektes stand eine Baueingabe. Zu dieser gab es keinen Widerspruch.» Zudem müsse die Gemeinde zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen und Belangen der Bevölkerung vermitteln. «Wir können es nicht allen recht machen.»

«Einen Fussweg steckt man in der Praxis nicht aus.»

Harry Hungerbühler, Leiter Bau- und Liegenschaftenverwaltung Gemeinde Mönchaltorf

Jemand fragte daraufhin, weshalb das Bauprojekt nicht ausgesteckt wurde. «Streng genommen, ist das Baubewilligungsverfahren damit lückenhaft.» Einer Änderungseingabe sei zudem immer noch problemlos möglich. «Ein Baugesuch kann jederzeit abgeändert werden», sagte der Mann.

Ausstecken ist unüblich

Zu diesen Punkten sagt Harry Hungerbühler, Leiter Bau- und Liegenschaftenverwaltung der Gemeinde, auf Anfrage: «Einen Fussweg steckt man in der Praxis nicht aus. Anders wäre es beispielsweise bei einer befahrenen Strasse.» Und es sei zwar richtig, dass eine Änderungseingabe möglich wäre. Eine grössere Verlegung des Weges wäre jedoch ein grosser Schritt, der eine neue Baueingabe zur Folge hätte. Denn neben den Anwohner seien ganz viele andere Players wie  betroffene Eigentümer im Industriegebiet oder Landwirte involviert, für die wiederum andere Interessen wichtig sein könnten.

Offenbar hat es die Gemeinde aber versäumt, die Anwohner im Vorfeld mit ins Boot zu holen. So monierten einige, dass zwar diverse Akteure wie ein Neophytenbeauftragter, Landwirt oder ein Förster in die Entwicklung des Projektes involviert gewesen sind, aber keine Anwohner. Gemeinderätin Thomas entschuldigte sich dafür und machte Andeutungen, dass das Projekt noch nicht in Stein gemeisselt ist: «Wenn sich die Anwohner auf einen Vertreter einigen können, habe ich kein Problem damit, ihn für die Besprechung der finalen Version einzuladen.»

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