Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Zur Geisterstunde erzählt der Bankvater seine Geschichte

Der Fischenthaler Johann Jakob Keller gilt als Hauptinitiant für die Gründung der Zürcher Kantonalbank. Am Sonntagabend ist sein Lebenswerk im Rahmen einer Theateraufführung gewürdigt worden.

Matthias Peter steigt als Johann Jakob Keller aus seinem Portät im Ortsmuseum.

Foto: Timon Furrer

Zur Geisterstunde erzählt der Bankvater seine Geschichte

Im Ortsmuseum in Fischenthal hängen die Porträts von drei bedeutenden Männern aus dem 19. Jahrhundert: Dem Dichter Jakob Senn, dem Industriellen Johannes Schoch und von Johann Jakob Keller, dem ehemaligen Gemeindepräsidenten, Industriellen, Nationalrat – und Vater der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Am Sonntagabend ist Keller für einmal aus seinem Porträt gestiegen. Zwar nicht im Ortsmuseum, dafür aber auf der Bühne des Gasthauses Blume in Fischenthal. Diese Auferstehung möglich gemacht hat der Schauspieler, Regisseur und Publizist Matthias Peter.

In einem Theatermonolog nimmt Peter die Rolle des Bankvaters ein, der zur Geisterstunde für einmal wieder das Wort ergreifen möchte – so wie er es zu Lebzeiten als Politiker oft getan hat.

Der Aufbruchsgeist des 19. Jahrhunderts

Keller habe es langsam satt, dass er immer mit den gleichen Sprüchen von den Museumsführerinnen und -führern angekündigt werde: «Am Schluss sind es nur Schlagworte, die von einem Leben übrig bleiben.»

Doch im Theaterstück sollen für einmal die Schlagworte im Hintergrund bleiben. Der Aufbruchsgeist des 19. Jahrhunderts lasse sich damit nämlich nicht erläutern, erklärt der wiederauferstandene Keller.

Und so führt Matthias Peter in der Figur des Johann Jakob Kellers die rund 40 Theaterbesucherinnen und -besucher durch das Leben des Politikers, der 1823 im Ortsteil Lanzenmoos als Sohn eines Kleinbauern und Heimwebers zur Welt kam.

“Nöd lugg lah gwünnt!”

Sein Vater wurde später Tuchhändler und Fabrikherr. Doch als dessen Unternehmen in Schwierigkeiten geriet, musste der junge Johann Jakob seine Ausbildung abbrechen, um beim Wiederaufbau des Geschäfts zu helfen.

Später gründete Keller ein Stickereiunternehmern, eine Spinnerei und Weberei, wurde Gemeindepräsident, Bezirksrichter, Grossrat und Nationalrat.

Durch das Leben des Bankvaters zieht sich ein Motto, das dem Stück den Titel gibt: «Nöd lugg lah gwünnt!» Das gilt auch für Kellers Engagement im Grossen Rat für die Gründung einer Kantonalbank. Diese sollte auch der Landbevölkerung einen Zugang zum Bankwesen ermöglichen. 1870 war es nach mehreren Anläufen so weit.

Peter von Stralegg

Zwar lässt Matthias Peter auf der Bühne Keller seine Lebensgeschichte erzählen. Doch eine Schulstunde ist es nicht. Denn die Handlungen und Taten des berühmten Fischenthalers reichert er mit verschiedenen Anekdoten an.

Das ist möglich, weil Peter mit dem Umständen in Fischenthal im 19. Jahrhundert bestens vertraut ist. Der Schauspieler, der unter anderem die Kellerbühne in St. Gallen leitet, hat selbst einen familiären Bezug zur Gemeinde: Er hat unter anderem eine Chronik über die Familie Peter von Stralegg verfasst. Ebenso hat er über die Gebrüder Jakob und Heinrich Senn geschrieben.

Den Keller zum Reden bringen

«Dementsprechend musste man mich nicht lange für dieses Projekt überzeugen», so der Schauspieler und Regisseur. Im Februar dieses Jahres habe ihn das Ortsmuseum Fischenthal kontaktiert.

Dieses habe ursprünglich von der Gemeinde den Auftrag erhalten, zum 150-Jahr-Jubiläum der Kantonalbank einen Anlass zu veranstalten. Dieser wurde jedoch Corona-bedingt um ein Jahr verschoben. Die Bank unterstützte die Theaterproduktion finanziell. «Ebenso übernahm die Gemeinde eine kleine Gage», erklärt Peter.

«Man muss etwas erzählen, das Fleisch am Knochen hat.»

Matthias Peter, Schauspieler und Regisseur

Als er mit dem Schreiben begann, leitete ihn eine zentrale Frage: «Wie bringt man den Keller zum Reden?» Schnell sei Peter dann die Idee gekommen, den Bankvater zur Geisterstunde aus seinem Porträt zu holen.

«Man muss etwas erzählen, das Fleisch am Knochen hat», betont Peter. Fündig geworden ist er hierfür vor allem in Briefen zwischen Keller und Alfred Escher – dem Zürcher Regierungsrat, den Keller zuerst bewunderte und später für dessen politische Macht öffentlich kritisierte.

«Dann bleibe ich still»

Peter geht es aber nicht nur die Lebensgeschichte Kellers, sondern auch um den Zeitgeist. «Diesen will ich in sinnlicher Form vermitteln, ohne didaktisch zu sein.» Aus diesem Grund thematisiere er auch Jakob Senn und Johannes Schoch, die zwar im Stück nicht selber zu Wort kommen, mit denen Keller aber ansatzweise einen Dialog führt.

Nach rund einer Stunde war der Spuk im Gasthaus Blume am Sonntagabend wieder vorbei. Keller verschwand wieder in sein Porträt. Doch bevor er dies tat, deutete er an, dass die Lebensgeschichte seiner beiden Kammeraden im Ortsmuseum ebenso erzählenswert ist: «Nun habe ich eine ganze Stunde gesprochen, wenn ihr das nächste Mal zu Wort kommen wollt, dann bleibe ich still.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns