«Das ist kein Beruf, sondern Berufung»
Als César Mawanzi ein Kind war, waren für ihn Priester wie Polizisten oder Ärzte: «Sie hatten eine schöne Uniform, man zollte ihnen Respekt und sie durften im Gottesdienst die Predigt halten oder vorbeten.» Das bewunderte der heutige Pfarrer der Katholischen Kirche Herz Jesu in Turbenthal. «Doch ich verstand damals noch nicht, was es wirklich heisst, Priester zu sein.»
Nun weiss er es. Vor 25 Jahren wurde César Mawanzi im Kongo zum Priester geweiht. Er hat sich damit entschieden, sein Leben für Gott und die Kirche zu führen. «Das ist kein Beruf, sondern eine Berufung», sagt er.
Angefangen hat sein Weg in einem kirchlichen Knabenseminar, wo er im Internat seine Hochschulreife erlangte. «Meine Mutter war anfänglich dagegen, dass ich überhaupt das Seminar besuche», erinnert sich Mawanzi. «Sie wollte nicht, dass ihr ältester Sohn Priester wird und somit nie eine eigene Familie haben wird.»
Doch als die Eltern den Wunsch ihres Sohnes erkannt haben, willigten sie ein. «Sie hatten schliesslich das Fundament gelegt. Der Glaube in meiner Familie hat mich tief geprägt.»
Keine leichte Wahl
Das Internat war keineswegs günstig. «Meine Eltern haben auf viel verzichtet, um mir diese Ausbildung zu ermöglichen.»
Nach seiner Matura musste er sich entscheiden, ob er eine weltliche oder kirchliche Ausbildung absolviert. «Die Wahl fiel mir nicht leicht.» Doch nach langen Überlegungen schrieb er sich doch am Priesterseminar ein und studierte drei Jahre Philosophie. Im Anschluss war er zwei Jahre als Lehrer am Gymnasium tätig.
«Dann hatte mein Bischof die Idee, dass ich für mein weiteres Studium ins Ausland gehen sollte.» Und zwar nach Innsbruck. Dort sollte Mawanzi schliesslich fünf Jahre bleiben und sein Theologiestudium absolvieren.
«Das erste Jahr musste ich einen Crashkurs in Deutsch absolvieren», so der Priester. Es sei nicht einfach gewesen. «Ich musste richtig Gas geben im Studium.» Doch mit einem Diplom in Theologie und Philosophie in der Tasche reiste er 1996 zurück in den Kongo. Dort wurde er am 11. August zum Priester geweiht. «Nun gab es keinen Weg mehr zurück.»
Student mit Nebenjob
Doch nach der Weihe wurde Mawanzi nicht etwa in einer Kirchgemeinde eingesetzt. «Ich arbeitete für die Caritas im Rahmen der Entwicklungshilfe.» Eine Aufgabe, die ihm viel Freude bereitete. Bis 1997 der Bürgerkrieg im Kongo ausbrach. Dieser war ein Grund, wieso Mawanzi sich 1998 entschied, nach Deutschland zu gehen, um dort sein Doktorat zu absolvieren.
«Um mir mein Studium zu finanzieren, übernahm ich Stellvertretungen in verschiedenen Gemeinden.» So konnte er gleichzeitig auch Erfahrung sammeln. «Das Studium hat mich darauf aber gut vorbereitet.»
So zum Beispiel, wie man die Messe korrekt feiere. «Aber auch, wie man Leute in ihrem Leben geistlich begleiten kann.» Seelsorge nennt sich das. «Natürlich bin ich kein Psychologe, aber im Studium gehörten auch Psychologiemodule dazu.»
«Zentral ist immer die Seelsorge, als Priester ist man für die Menschen da.»
César Mawanzi, Priester der Katholischen Kirche in Turbenthal
2006 promovierte Mawanzi in Religionsphilosophie und übernahm kurze Zeit später zum ersten Mal die Leitung einer Gemeinde in Deutschland. Dort wirkte er zehn Jahre als Pfarrer in Beselich, bevor er in die Schweiz kam und schliesslich am 1. August 2018 seine Stelle in der Katholischen Pfarrei St. Ulrich in Turbenthal antrat. Im Januar 2020 wurde er offiziell in sein Amt eingesetzt.
Priester und Lehrbeauftragter
Priester, das sei er, wie Mawanzi selbst sagt, mit Leib und Seele. «Meine Arbeit hat so viele Facetten, sie macht mir bis heute unglaublich Freude.» Im Zentrum stehen für ihn dabei nicht nur die Gottesdienste. «Zentral ist immer die Seelsorge, als Priester ist man für die Menschen da.»
Auch wenn Mawanzi in der Zwischenzeit schon länger in Europa lebt, ist er immer noch mit seiner Heimat verbunden. «Wenn immer möglich reise ich zwei Mal pro Jahr in den Kongo.» Doch nicht nur zu Ferienzwecken. «Ich habe dort einen Lehrauftrag am Priesterseminar und unterrichte Religionsphilosophie.» Auch diesen Sommer war er zu Besuch in seiner Heimat.
Doch sein Zuhause sei nun im Tösstal. «Ich habe nicht vor, nun nochmals an einem anderen Ort eine Stelle anzutreten. Für das bin ich zu alt», meint er schmunzelnd. Schliesslich sei er nun auch schon über 50. «Und es gefällt mir sehr gut hier.»
Normalerweise feierte Mawanzi in Turbenthal Gottesdienste, bei denen andere im Mittelpunkt stehen. Seien es Hochzeiten oder Taufen. Am nächsten Sonntag wird dies für einmal anders sein. Dann feiert die Pfarrei das 25. Jubiläum seiner Priesterweihe. Das Jubiläum selber bedeutet ihm viel: «Es erinnert mich an den Weg, der mich zu meiner Berufung geführt hat.»
