Am 26. September wird schweizweit darüber abgestimmt: Die 99 Prozent-Initiative der JUSO erhitzt so manche Gemüter, weshalb die Kantonsschule Wetzikon im Rahmen des Freifachs «Politik über Mittag» die Gelegenheit nutzte und gleich einer Schülerin und einem Schüler die Chance gab, die Diskussion zwischen zwei hochrangigen Politikern, dem Nationalrat und Ex-JUSO-Präsidenten Fabian Molina (SP) sowie dem Ständerat Ruedi Noser (FDP), zu leiten. Vor Beginn der Diskussion erklärten Julia Iten (6. Klasse) und David Farner (5. Klasse), dass das Ziel der Diskussion darin bestehe, die Argumente beider Seiten möglichst gut abzuwägen. Die zwei «Jungmoderatoren» stachen mit ihrer Sachlichkeit hervor und unterbrachen die Diskussion zwischen Molina und Noser an manchen Stellen, sobald das Wortgefecht in den Bereich der Emotionalität abdriftete.
Löhne entlasten und Kapital besteuern – so die Devise der JUSO. Würde es wirklich nur die Reichsten treffen oder würde nicht ein Grossteil der Bevölkerung unter der von der JUSO beabsichtigten Besteuerung betroffen sein? Um diese Frage kreisen die Diskussionen vielerorts.
Sozialneid oder Gerechtigkeit?
FDP-Politiker Ruedi Noser, der als Gegner der Initiative und aus der Sicht eines selbstständigen Unternehmers argumentierte, kritisierte die Initiative aufs Schärfste und erwähnte Probleme für die Wirtschaft. «Die Initianten möchten der Schweiz zu mehr Gerechtigkeit verhelfen und würden aber das Gegenteil erreichen. Wenn man dem Wirtschaftsstandort Schweiz schadet und die Steuern, speziell für Unternehmen massiv erhöht, werden manche Firmen einfach in andere Länder weiterziehen und in der Schweiz Arbeitsplätze verloren gehen.»
Noser erwähnte dabei auch die 100 Lehrlinge, die er in seinem Betrieb beschäftigt: «Heutzutage gibt es keine Garantien mehr. Auch ein Universitätsabschluss garantiert noch lange keinen Wohlstand.» Wer sich hocharbeite und stets fleissig sei, egal ob als Ausländer oder als Schweizer, für den gäbe es keinen attraktiveren Wirtschaftsstandort als die Schweiz. «Ich kenne einen ehemaligen Asylbewerber, der heute drei Restaurants besitzt und 70 Mitarbeiter führt.» Dieser Mann sei ein Paradebeispiel dafür, wie die Chancen eben doch für alle gegeben seien.

