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«Man sieht hier, wo das Geld hinfliesst»

Der Maurmer Comedian und Moderator Claudio Zuccolini hat ein besonderes Verhältnis zum Dübendorfer Kleinkunstfestival «Chrüz & Quär». Ein Gespräch über Geld, intellektuelle Mindestanforderungen und die Sache, über die er nicht gerne redet.

Redet gerne über Kleinkunst, aber nicht über Corona: Claudio Zuccolini.

Urs Bigler

«Man sieht hier, wo das Geld hinfliesst»

Claudio Zuccolini, Sie haben dem «Chrüz & Quär»-Festival 35‘000 Franken gespendet, die Sie in einer SRF-Spielshow gewonnen haben. Ein stolzer Betrag. Was ist es, das Sie mit der Oberen Mühle verbindet?
Claudio Zuccolini: Das war das «1 gegen 100»-Spezial zugunsten von Institutionen, die Künstlerinnen und Künstler unterstützen. Ich bin selber schon am «Chrüz & Quär»-Festival und in der Oberen Mühle aufgetreten. Und ich kenne die Arbeit der Stiftung. Der Aufwand, der jedes Jahr für das Festival betrieben wird, ist riesig und wichtig für die Künstler. Da sieht man eins zu eins, wo das Geld hinfliesst.

Was für ein Stellenwert hat das «Chrüz & Quär» für Sie?
Ich habe sehr gute Erinnerungen an das Festival. Die Organisatoren schaffen mit dem Zelt, das sie extra für die Veranstaltungsreihe aufstellen, eine spezielle, warme Atmosphäre. Das ist etwas Besonderes.

Dieses Jahr treten Sie nicht in Dübendorf auf. Wird man Sie mal im Publikum sehen?
Dafür fehlt mir wohl die Zeit. Ich bin immer sehr viel unterwegs, und wenn ich mal frei habe, bin ich sehr bequem und gerne bei meiner Familie.

« Peach Weber hat eine grosse Gabe, eine unglaubliche, immer wieder ins Absurde kippende Kreativität.»

Das «Chrüz & Quär» ist ein Festival für Kleinkunst – ein Sparte, für die fast jeder seine eigene Definition hat. Ist Kleinkunst alles, was auf eine kleine Bühne passt oder braucht es da intellektuelle Mindestanforderungen?
Schwer zur sagen. Es geht vielleicht um die Clubatmosphäre, die in einer 1000er-Halle nicht so einfach möglich ist. Früher hat man eine Grenze gezogen zwischen Cabaret und der vergleichsweise krawalligen Stand-up-Comedy, die anfangs der 90er-Jahre in Deutschland aufkam. Damals hatten Kabarettisten auch über intellektuelle Kreise hinaus schon das grössere Ansehen. Heute hat sich das alles irgendwie vermischt, Grenzen werden kaum noch gezogen.

Ist Peach Weber Kleinkunst?
Peach Weber hat eine grosse Gabe, eine unglaubliche, immer wieder ins Absurde kippende Kreativität. Man sitzt drei Minuten im Saal, dann hat er einen. Das ist eine Kunst.

Ist Comedy automatisch links? Oder gibt es aus Ihrer Sicht auch gute rechte Comedy?
Es gibt ein paar gute Beispiele aus dieser Richtung, die in der Tradition früherer Kabarettisten quasi in der Funktion von Hofnarren nicht nach unten, sondern nach oben gegen die herrschende Klasse treten. Die haben sicher ihre Legitimation.

« Im Moment ist es fast schon ein Stress. Wie im Militär, wo man erst endlos warten und dann secklen muss.»

Wo ordnen Sie sich ein?
Ich mag diese Einteilung in links und rechts nicht. Und ich sehe mich auch nicht in der Rolle, die Leute politisch aufklären zu müssen. Als Comedian will ich das Publikum überraschen, etwa indem ich den Leuten mit Alltagsbeobachtungen den Spiegel vorhalte und sie vielleicht zum Nachdenken, aber ganz sicher zum Lachen bringe. Es gibt so viele Probleme in der Welt, da kann man sich auch mal einen Abend lang unterhalten und nicht über Politik reden.

Wie geht es denn Ihrer persönlichen Karriere wegen… Sie wissen schon…
Im Moment hole ich die rund 100 Auftritte meiner Tour nach, die ich wegen dieser Sache, über die ich nicht reden möchte, verschieben musste. Ich bin mit meinem Programm «Darum!» unterwegs, dazu kommen Firmenevents oder auch kleinere Auftritte. Im Moment ist es fast schon ein Stress. Wie im Militär, wo man erst endlos warten und dann secklen muss. Aber es ist sehr schön, dass es wieder losgeht.

Denken Sie, dass Corona der Kleinstkunstszene nachhaltig geschadet hat?
Die entscheidende Frage ist, ob die Leute wieder kommen oder ob sie sich daran gewöhnt haben, zuhause zu bleiben. Bei mir läuft es aktuell sehr gut. Ich habe den Vorteil, dass ich einen guten Teil der Tickets für die Tour schon vor der Zwangspause verkauft hatte. Dazu kommt, dass ich mir in den letzten 20 Jahren, die ich unterwegs bin, einen Namen machen konnte. Aber wer frisch im Geschäft war und dann eine Pause einlegen musste, für den ist es schon sehr hart; die Leute vergessen einen schnell.

Das Dübendorfer Kleinkunstfestival «Chrüz & Quär» findet vom 8. bis 26. September auf dem Areal der Oberen Mühle statt. Hier gibt es Infos zu Programm, Tickets und Schutzkonzept.

Zur Person 
Claudio Zuccolini (51) ist Stand-up-Comedian und Moderator. Vergangenes Jahr gewann er bei den Swiss Comedy Awards in den Kategorien «solo» und «Publikumspreis». Im Dezember 2020 nahm er als Bernhardiner an der TV-Show The Masked Singer Switzerland teil und erreichte den 4. Platz. Aktuell ist er mit seinem Programm «Darum!» unterwegs. Zuccolini ist verheiratet und hat zwei Töchter, er wohnt in der Gemeinde Maur.

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