Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

In der Katholischen Kirche Zell hängt der Haussegen schief

In der Kirche St. Antonius in Kollbrunn ist auf politischer Ebene von Nächstenliebe oder Einigkeit wenig zu spüren. Eine Lösung in der Auseinandersetzung zwischen der RPK und der Kirchenpflege scheint aktuell in weiter Ferne.

Marion Schellenberg (links) und Esther Kernen haben aktuell nur noch eine weitere Kirchenpflegerin zur Seite., Der Konflikt zwischen der RPK und der Kirchenpflege spitzte sich mehr und mehr zu.

Fotos: Bettina Schnider

In der Katholischen Kirche Zell hängt der Haussegen schief

An der Juni-Kirchgemeindeversammlung der Katholischen Kirche Zell, der Katholikinnen und Katholiken aus Kollbrunn, Rikon, Schlatt, Weisslingen und Kyburg angehören, herrschte dicke Luft. Die Rechnung wurde nicht angenommen und die Kirchenpflege zog kurzfristig zwei Baugeschäfte zurück.

Der latente Konflikt zwischen der Rechnungsprüfungskommission (RPK) und der Kirchenpflege war für alle Anwesenden offensichtlich. Er war auch der Grund, wieso zwei Mitglieder per Anfang Juli aus der Kirchenpflege ausgeschieden sind.

Sehr belastend

Nun hat die Kirchgemeinde noch drei Kirchenpflegerinnen: Präsidentin Esther Kernen, Nuria Mayo Vazqez und Marion Schellenberg. Letztere ist nun nicht nur Vizepräsidentin und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie hat auch die Finanzen und das Aktuariat übernommen.

«Es war für mich und die Kirchenpflege eine neue Herausforderung und wir mussten zuerst unseren Weg finden.»

Esther Kernen, Präsidentin der Kirchenpflege

«Das Ziel ist es, dass wir nochmals neue Mitglieder für die Kirchenpflege finden können», sagt Esther Kernen. Die Arbeitsbelastung zu dritt sei sehr hoch, eigentlich fast zu hoch. «Auch das ewige Hin und Her mit der Rechnungsprüfungskommission ist sehr belastend.»

Der Konflikt hat eine längere Vorgeschichte. Denn in Aufruhr ist die Kirchgemeinde schon seit einiger Zeit (siehe Box). Im Frühjahr 2020 übernahm Esther Kernen das Präsidium. Doch auch mit ihrer Wahl kehrte keine Ruhe ein.

«Es war für mich und die Kirchenpflege eine neue Herausforderung und wir mussten zuerst unseren Weg finden», gesteht Kernen. Denn die erste Zeit sei durch und durch von Corona geprägt gewesen.

Rechtlich nicht zulässig

Der erste Konflikt mit der RPK habe sich dann beim Erstellen des Budgets 2021 ergeben. Dieses wurde an der Kirchgemeindeversammlung im vergangenen Dezember angenommen. An der gleichen Sitzung stellte RPK-Präsident Roland Bischofberger  den Antrag, die Kirchenpflege müsse ergänzend zum Budget eine Finanzplanung für die kommenden fünf Jahre vorlegen. Dieser wurde angenommen. 

Doch rechtlich sei dies gar nicht zulässig gewesen, erklärte Marion Schellenberg dann im Juni an der Kirchgemeindeversammlung. «Das haben wir mit der Katholischen Kirche im Kanton Zürich abgeklärt», sagte sie damals. 

Der Finanzplan sollte sämtliche geplante Investitionen umfassen. Denn einer der grössten Konfliktpunkte sind vorgesehene Renovationen und Umbauarbeiten. Unbestritten scheint, dass es um den Gebäudeunterhalt der Kirchenliegenschaft nicht zum Besten bestellt ist.

Mehr Platz für Liturgie

Doch die Meinungen gehen auseinander, wenn es um die Details geht. Eigentlich hätte die Kirchenpflege an der Versammlung im Juni ihre weiteren Umbauprojekte vorstellen wollen. Diese zog sie jedoch kurzfristig zurück.

Dazu gehörte unter anderem die in den Augen der Kirchenpflege dringend nötige Renovation des letzten Teil des Flachdachs, des Zauns entlang der Gleise, der Einbau einer nicht brennbaren Decke im Eingangsbereich oder die Sanierung des Pfarreisaals. Dort sind beispielsweise Rollläden defekt.

«Wir haben viel Zeit aufgewendet, ein gutes und vernünftiges Projekt auszuarbeiten.»

Esther Kernen, Präsidentin der Kirchenpflege 

Darüber hinaus wollte die Kirchenpflege den Kircheninnenraum verschönern und dem Wunsch nach mehr Platz im liturgischen Bereich nachkommen. «Dieses Projekt wurde vom Bistum Chur genehmigt», sagt Esther Kernen. Die RPK empfahl jedoch, das Geschäft abzulehnen.

Keine Bremserin

«Über Jahre hinweg wurde nicht investiert und das merkt man», erklärt Kernen. «Wir haben viel Zeit aufgewendet, ein gutes und vernünftiges Projekt auszuarbeiten.» Keine Luxuslösungen, die aber trotzdem optisch ansprechend seien.

Die Prüfbehörde sieht sich aber nicht als Bremserin: «Im konkreten Fall gilt es zu unterscheiden zwischen notwendigen und wünschbaren Investitionen: Notwendige Investitionen müssen auf jeden Fall getätigt werden – wünschbare dagegen nur, wenn die Finanzierung geklärt ist», schreibt die RPK in einer Stellungnahme.

Kein Vertrauen

Das ganze Projekt ist nun ohnehin auf Eis gelegt. «Wir haben in dieser kleinen Besetzung nicht die Energie, das Ganze weiterzuverfolgen», gibt Kernen zu. Das sei auch der Grund gewesen, wieso das Geschäft so kurzfristig zurückgezogen worden sei.

Ein Vorgehen, dass die RPK irritierte: «Ein über Monate intensiv bearbeiteter Bauantrag wurde nach der Übersendung der Stellungnahme der RPK an die Kirchenpflege von dieser 2 Tage vor der Kirchgemeindeversammlung zurückgezogen.» Das schaffe kein Vertrauen.

«Sobald eine Renovation aber Kosten verursacht, muss die RPK prüfen, ob diese Kosten entsprechend des Budgets angemessen sind.»

Aus der Stellungnahme der RPK

Ein weiterer Streitpunkt zwischen den beiden Parteien ist die Rechnung 2020. Diese fand an der Versammlung im Juni keine Annahme, nachdem die RPK die Rückweisung beantragt hatte. Dies, weil Entschädigungen aufgrund eines Reglements ausbezahlt wurden, das nie von der Kirchgemeindeversammlung angenommen wurde. Ein Versäumnis, das den Vorgängern der aktuellen Kirchenpflege anzulasten ist und das die RPK auch erst bei der letzten Prüfung entdeckt hatte.

Zu sehr einmischen

Die Fronten scheinen verhärtet. Für die Kirchenpflege ist klar, dass sich die Rechnungsprüfungskommission zu sehr in ihre Geschäfte einmischt: Sie verhalte sich in der Wahrnehmung der Kirchenpflege wie eine Geschäftsprüfungskommission, so der allgemeine Tenor.

Diese Aussagen wollen die RPK-Mitglieder nicht gelten lassen: «Es ist beispielsweise nicht unsere Aufgabe zu prüfen, ob die Kirche einer Renovation unterzogen werden soll oder nicht – sobald eine Renovation aber Kosten verursacht, muss die RPK prüfen, ob diese Kosten entsprechend des Budgets angemessen sind», heisst es in ihrer Stellungnahme.

Mediation, ja oder nein

Wie es nun weitergeht, ist offen. «Wir haben versucht, eine Konfliktmediation einzuleiten», sagt Esther Kernen. «Dafür haben wir extra einem externen Berater organisiert und die RPK eingeladen.» Doch bisher konnten die Parteien sich noch nicht auf einen Termin einigen.  

Die RPK sieht zwar auch die Möglichkeit einer Mediation: «Allerdings muss die Kirchenpflege hier entscheiden, ob dies aus ihrer Sicht noch sinnvoll ist, da sie nach eigener Aussage in gut 6 Monaten nicht mehr zur Wiederwahl antreten will», beanstandet die RPK und bezieht sich damit auf eine Aussage von Esther Kernen an der letzten Kirchgemeindeversammlung.

Doch Kernen fühlt sich dabei missverstanden: «Ich habe ausdrücklich gesagt, dass wir, wenn die Situation so bleibt, nicht mehr antreten wollen.» Die Lage bleibe verzwickt. «Es gäbe durchaus Wege, damit sich die Situation ändern könnte.» Daran wollen aber wohl nicht mehr alle Beteiligten so recht glauben.
 

Aufsichtsrechtliche Massnahme

Im Frühjahr 2019 trat Kirchenpflegepräsidentin Pia Kupschina wegen internen Unstimmigkeiten per sofort aus der Kirchenpflege zurück. Diese betrafen unter anderem das Anstellungsverhältnis ihres Schwiegersohnes in der Kirchgemeinde.

Da die Behörde daraufhin nicht mehr beschlussfähig war, musste der Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich einen Sachverwalter einsetzen. Benno Schnüriger, der ehemalige Präsident des Synodalrats, nahm dieses Amt an. Die aufsichtsrechtliche Massnahme wurde im Januar 2020 aufgehoben. (bes)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns