Ivo Hasler, 2018 wurden Sie in den Gemeinderat gewählt, drei Jahre später präsidieren Sie den Rat. Das ging aber schnell.
Ivo Hasler: (lacht) Stimmt. Normalerweise ist man erst drei Jahre lang Stimmenzähler, bevor man als zweiter Vize auf den Bock gewählt wird, und dann dauert es noch zwei weitere Jahre. In meinem Fall ging es halt so schnell, weil die SP turnusgemäss an der Reihe war mit dem Ratspräsidium und meine Fraktion offenbar von Anfang an Vertrauen in mich hatte.
Im Gegensatz zu Ihrer – zum damaligen Zeitpunkt umstrittenen – Vorgängerin Flavia Sutter wurden Sie mit einem Glanzresultat gewählt. Freut Sie das uneingeschränkt?
Ich habe mich schon auch gefragt, ob ich jetzt zu konformistisch geworden bin in dem Sinn, dass Leute, die in der Politik den Mund aufmachen, häufig nicht so viele Stimmen erhalten. Ich denke aber, dass ich meinen Prinzipien immer treu geblieben bin. So gesehen sehe ich das gute Resultat als Respektsbekundung – und freue mich darüber.
Dennoch: Sie sind erst kurz vor der Wahl in die SP eingetreten, brauchte es als Politik-Neuling keine Überwindung, sich überhaupt für dieses Amt aufstellen zu lassen?
Nein, gar nicht. Ich habe in meinem Leben alles immer mit grossem Engagement und Interesse gemacht – meist im Sinne von «ganz oder gar nicht» –, woraus sich stets neue Möglichkeiten ergeben haben. Als gwundriger Mensch finde ich neue Herausforderungen spannend. Und da ich nicht vorhabe, bald wieder aus Dübendorf wegzuziehen, sehe ich das Ratspräsidium auch als willkommene Gelegenheit, neue Menschen und Orte kennenzulernen.
Sie leben seit fünf Jahren in Dübendorf. Wie sieht es im Allgemeinen mit Ihrer Integration in der Stadt aus? Sind Sie in einem Verein?
Dafür habe ich leider schlichtweg keine Zeit. Vereine erachte ich aber für unentbehrlich für ein gutes Zusammenleben in einem Ort. Deshalb ist es wichtig, dass es sich aktuelle und potenzielle Vereinsmitglieder auch leisten können, in Dübendorf zu wohnen. Dazu kommt die Gefahr, dass die Menschen in einem urbanisierten Ort wie Dübendorf immer weniger kommunal gebunden sind. Dem muss man entgegenwirken durch Quartierschulen und eine Infrastruktur, die das Leben in einem Quartier lebenswert macht und letztlich für eine Identifikation mit dem Wohnort sorgt.
Wurden Sie denn als Ratspräsident schon an Vereinsanlässe oder andere Veranstaltungen eingeladen oder wirkt da Corona noch nach?
Bis jetzt ist noch nichts reingekommen, das hat aber wohl vor allem etwas mit der allgemeinen Sommerpause zu tun. Ich habe mir auch schon überlegt, Vereine und Institutionen aktiv anzugehen. Die Musikschule zum Beispiel fände ich sehr spannend. Ideologisch bin ich offen, die Armee nicht ausgenommen, schliesslich habe ich selber die RS absolviert. Und immerhin zwei WKs.

