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Unter diesen Bäumen wollen viele die letzte Ruhe finden

Unweit des Bichelsees befindet sich ein besonderer Friedhof. Er hat weder Mauern noch Grabsteine.

Auf diesem unscheinbaren Grundstück befinden sich Gräber., Bäume, die reserviert sind, werden mit einer Plakette markiert.

Fotos: Bettina Schnider

Unter diesen Bäumen wollen viele die letzte Ruhe finden

Wer es nicht kennt, der wird ihn kaum erkennen. Unscheinbar auf einem Waldstück gleich gegenüber der Badi Bichelsee liegt ein Waldfriedhof. Diesen betreibt die Firma Waldesruh seit rund zehn Jahren.

Wer möchte, kann sich dort einen Baum aussuchen, unter dem er oder sie eines Tages begraben wird. «Rund 95 Prozent unserer Kundinnen und Kunden tun dies zu einer Zeit im Leben, wo der Tod noch weit entfernt ist», sagt Firmeninhaber und Friedhofsbetreiber Fritz Staible.

Persönlicher Baumausweis

Wählbar sind zwei Optionen: «Man kann einen Baum für sich und seine Familie reservieren oder sich einen Platz an den Wurzeln eines Gemeinschaftsbaumes aussuchen», erklärt Staible. Je nach Platz könne auch ein neuer Baum gepflanzt werden. «Doch das ist nicht überall möglich, wir müssen uns an die Gegebenheiten des Waldes anpassen.»

Der Platz an einem Gemeinschaftsbaum kostet rund 1500 Franken, ein Familienbaum im Wald rund 6000. Wer unter einem Baum auf einer Wiese die letzte Ruhe finden möchte, muss dafür rund 7000 Franken bezahlen. «Die Bäume werden dann mit einer Plakette markiert und die Kunden erhalten einen persönlichen Baumausweis.»

«Durch Corona haben sich nicht auf einmal mehr Leute einen Baum reserviert.»

Fritz Staible, Betreiber des Waldfriedhofs

Die Menschen, die sich für eine Bestattung im Wald entscheiden, hätten gemäss Staible etwas gemeinsam: «Es sind Leute, die in ihrem Leben vieles selber bestimmt haben und dies auch in ihrem Tod so möchten.»

Seit Jahren konstant

Einen Boom aufgrund der Corona-Pandemie spürt er nicht. «Das Geschäft läuft seit Jahren konstant, durch Corona haben sich nicht auf einmal mehr Leute einen Baum reserviert.»

Der Waldfriedhof in der Nähe von Seelmatten ist einer von rund 40 in der ganzen Deutschschweiz, die von Waldesruh betrieben werden. Die Firma ist jedoch nicht die Eigentümerin der Waldstücke. «Im Grundbuch lassen wir eintragen, damit wir das Nutzungsrecht für den Friedhof haben», so Staible. Die Waldbesitzer erhalten dafür eine Entschädigung.

Bestattungen im Wald sind in der Schweiz grundsätzlich erlaubt. Trotzdem braucht Staible für den Betrieb des Friedhofs eine Bewilligung: «Hier gibt es von Kanton zu Kanton Unterschiede.» Kürzlich hat der Kanton Zürich die Zuständigkeit auf die Gemeinden übertragen. «Aus diesem Grund musste Turbenthal den Waldfriedhof kürzlich wie ein neues Bauprojekt ausschreiben, auch wenn er schon seit Jahren besteht», erklärt der Firmeninhaber.

«Tannenwälder eignen sich beispielsweise nicht, da die Wurzeln der Bäume in die Breite wachsen.»

Fritz Staible

Ein Waldstück alleine reiche denn auch nicht, um einen Friedhof zu betreiben. «So müssen beispielsweise Parkplätze in der Nähe sein, damit nicht wild parkiert wird.» Ausserdem muss der Platz gut zugänglich sein.

Diverse Möglichkeiten

Das Gelände in der Nähe des Bichelsees erfülle diese Vorgaben. Und auch diejenigen von Staible selbst: «Nicht jeder Wald eignet sich als Friedhof.» Nur schöne und gepflegte Waldstücke sind für ihn passend. «Tannenwälder eignen sich beispielsweise nicht, da die Wurzeln der Bäume in die Breite wachsen.» Das mache Bestattungen schwierig.

Der Wald am Bichelsee bietet aus Staibles Sicht diverse Möglichkeiten: «Manche wollen einen Baum entlang des kleinen Bächleins neben der Wiese, andere wollen einen Platz im – wie ich es nenne – mystischen Teil des Waldes.»

Er meint damit einen eher dichter bewachsenen Abschnitt mit hohen Bäumen. Viele suchen sich auch einen Baum aus, der ihnen nach ihrem Ableben einen «Blick» auf den Bichelsee ermöglichen soll.

Urne per Post

Zur Region haben nicht alle Kundinnen und Kunden einen Bezug. «Manche suchen sich einen Waldfriedhof in der Nähe aus, andere wollen bewusst etwas weiter entfernt begraben werden», sagt Staible.

Auch Personen aus dem Ausland werden teilweise auf den Waldfriedhöfen begraben. «Die Urne kommt dann meistens per Post», erzählt der Betreiber. Es handle sich oft um Leute, die Wurzeln in der Schweiz hätten und hier ihre letzte Ruhe finden wollten.

Bestattungen auf dem Waldfriedhof lassen sich individuell gestalten. «Manchmal ist ein Pfarrer vor Ort, manchmal gestalten Familie und Freunde den Abschied.»

Die Verantwortlichen von Waldesruh sind nicht in jedem Fall vor Ort. «Wir bieten aber die sogenannte Bestattungshilfe an», erklärt Staible. Das heisst, Waldesruh gräbt das Erdloch und stellt wenn nötig die Urne nach der Abdankung hinein.

Keine Kerzen

«Dieser Akt ist für viele Trauernde sehr schwierig.» Daher werde der Service in den meisten Fällen genutzt. «Es ist aber auch möglich, alles selber zu machen.»

Namenstafeln oder Ähnliches findet man auf dem Waldfriedhof nicht. «Der Baum ist aber mit einer Nummer klar erkennbar», so Staible. Kerzchen oder andere Objekte, die oft Gräber schmücken, sind ebenfalls verboten. «So sind die Vorgaben, es handelt sich schliesslich um einen Wald.»

Wie viele Personen bereits am Bichelsee begraben sind, möchte Staible nicht preisgeben. «Doch es sind eindeutig mehr Reservationen da, als bereits getätigte Bestattungen.»

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