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«Ich bin gegen einen Impfzwang, wünsche mir aber Vernunft und Solidarität»

Freiheit und Verantwortung. Das gehe beides, auch in der aktuellen Situation. Dies betonte FDP-Nationalrätin Doris Fiala in ihrer 1.-August-Rede in Turbenthal.

Doris Fiala während ihrer Festrede in Turbenthal., Gemeindepräsident Georg Brunner (rechts) freute sich, die Politikerin in seiner Gemeinde zu begrüssen., In ihrer Rede nahm Fiala Bezug auf Freiheit und Verantwortung., Rund 100 Personen kamen an die Feier., Etwas Abwechslung für die jüngsten Besucher gab es beim Kinderschminken.

Fotos: Bettina Schnider

«Ich bin gegen einen Impfzwang, wünsche mir aber Vernunft und Solidarität»

Vor einem Jahr sagte die Gemeinde Turbenthal die traditionelle 1.-August-Feier noch ab. Die Corona-Pandemie erlaubte keine Durchführung. Ein Jahr später ist die Pandemie zwar noch nicht vorbei, aber die Turbenthalerinnen und Turbenthaler durften den «Geburtstag» der Schweiz trotzdem wieder gemeinsam feiern.

Gekommen sind trotz des schlechten Wetters rund 100 Personen. Sie erwartete auf der gedeckten Terrasse der Reithalle Gmeiwerch eine kleine Festwirtschaft. Ganz klassisch wurde Ghackets und Hörnli serviert. Wer für einmal etwas Abwechslung wollte, für den gab es Hot-Dogs oder Crêpes.

Als Festrednerin konnte die FDP Turbenthal, die den Anlass organisierte, ihre Zürcher Parteikollegin und Nationalrätin Doris Fiala gewinnen. Gemeindepräsident Georg Brunner (FDP) freute sich sehr über den hohen Besuch.

Stärke und Verbundenheit

Bevor er der Nationalrätin die Rednertribüne freigab, richtete Brunner einige Worte an die Anwesenden. Mit einer Anekdote hob er dabei den Wert des 1. Augusts hervor. So werden in Einbürgerungsgesprächen die Bewerberinnen und Bewerber immer gefragt, wann und was denn der Nationalfeiertag sei.

«Das Organisationskomitee hat mich gebeten, nicht über das Rahmenabkommen zu sprechen.»

Doris Fiala (FDP), Nationalrätin und Festrednerin

«Viele sind gut informiert, können sofort Auskunft geben, nennen Uri, Schwyz und Unterwalden und den Bundesbrief.» Doch einmal sei er daraufhin gefragt worden, wieso man denn genau dieses Ereignis feiere. «Dann musste ich selber etwas studieren», gab Brunner zu. «Ich kam dann zum Schluss, dass es darum geht, dass man die Stärke in der Verbundenheit und in der Gemeinschaft sucht.»

Das Stichwort Gemeinschaft war denn auch eine passende Überleitung zur darauffolgenden Ansprache von Doris Fiala. Doch zuerst sprach sie an, über was sie nicht reden dürfe: «Das Organisationskomitee hat mich gebeten, nicht über das Rahmenabkommen oder Europapolitik zu sprechen.»

Das Bestmöglichste tun

Für die profilierte Europapolitikerin  – sie war bis 2019 in der Schweizer Delegation des Europarates – keine leichte Aufgabe. Denn das Organisationskomitee hatte ihr eine andere Vorgabe gestellt. Sie sollte in ihrer Rede auf das folgende  Zitat von Jeremias Gotthelf aus dem Jahre 1842, also noch vor der Gründung der modernen Schweiz, Bezug nehmen: «Zu Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.» 

«Impfen oder weitere Lockdowns.»

Doris Fiala

Zu diesen Werten, die zu Hause beginnen sollen, gehören für Fiala Respekt, Verantwortung und Toleranz, immer verbunden mit der Nachsicht, dass nichts und niemand im Leben perfekt sei. Das sei besonders in Zeiten von Corona wichtig. «Wir müssen das Bestmöglichste tun, das Perfekte gibt es halt nicht.»

Für sie gehöre in der aktuellen Situation auch dazu, sich solidarisch zu zeigen und sich impfen zu lassen. «Ich bin gegen einen Impfzwang, wünsche mir aber Vernunft und Solidarität.» Für Fiala gebe es eine Güterabwägung: «Impfen oder weitere Lockdowns.»

«Träumen kann man hier erst ab Mitternacht, vorher macht es ‹Wrooooom› mit all dem Fluglärm.»

Charlotte Joss, Musikerin 

Dieses Beispiel streiche hervor, so Fiala, dass Freiheit und gegenseitige Verantwortung gemeinsam existieren können. Und genau diese Mitverantwortung brauche es auch in der Politik: «Ich kandidiere 2023 nicht mehr für den Nationalrat. Sie könnten es bestens ohne mich. Die Schweiz braucht Sie aber weiterhin», ermahnte sie das Publikum. Lösungen für Probleme müsse man stets gemeinsam finden.

Trittst im Blues daher

Im Anschluss an Fialas Rede wurde – fast traditionsgemäss – die Nationalhymne gesungen. Doch die beiden Musiker Charlotte Joss, die Leiterin des Zeller Chortheaters, und ihr Sohn, Komponist und Musiker Kilian Deissler, liessen es sich nicht nehmen, den Schweizerpsalm für einmal neu zu interpretieren.

Joss las zuerst alle vier Strophen vor und kommentierte einzelne Passagen. So passe der Ausdruck « In des Himmels lichten Räumen , k ann ich froh und selig träumen!» aus der zweiten Strophe nicht ganz nach Turbenthal. «Träumen kann man hier erst ab Mitternacht, vorher macht es ‹Wrooooom› mit all dem Fluglärm.»

Nachdem die erste Strophe zuerst ganz klassisch zum Mitsingen vorgetragen wurde, folgte die eigenwillige Version von Joss und Deissler. Dabei wurden Teile des Schweizerpsalms und zum Blues oder zur Arie.

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