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Ein Spaziergang in der einstigen Sperrzone

Im Kalten Krieg war der Militärflugplatz Dübendorf ein strengbewachtes Sperrgebiet. Mittlerweile hat der Bund das Areal einen Spaltbreit geöffnet. Aber sind Besucher jetzt wirklich willkommen? Ein Selbstversuch.

Der Autor betritt die ehemalige Sperrzone., Entspannen mit Rasenteppich und Holzskulpturen., Das «Chuchichäschtli»: ein bisschen Café, ein wenig Kantine und dazu eine Prise Konferenzraum., Der Holzpavillon wurde vor drei Jahren als «Leuchtturm für nachfolgende Projekte auf dem Gelände» eröffnet., Hier war früher militärischer Betrieb, heute kann man sich auf dem Vorfeld des Flugplatzes die Füsse vertreten. , Das unter Schutz stehende ehemalige Feuerwehrgebäude wird zum Co-Working-Space., Solche Bunker wurden gebaut, um die Soldaten vor Fliegerbomben zu schützen., Jedes Prestigeobjekt hat eine Kehrseite, das hier ist diejenige des Innovationsparks., Hier fängt sie an, die Sperrzone., Blick auf die frei zugängliche Fläche im nordwestlichen Bereich des Flugplatzes., Ein bisschen Rennatmosphäre zwischen Hangar und Rollfeld., Hier führen junge Männer Beschleunigungstests mit einem E-Flitzer durch.

Thomas Bacher

Ein Spaziergang in der einstigen Sperrzone

Im ersten Moment fühlt es sich irgendwie seltsam, ja gar ein wenig verboten an. Dabei ist es genau gesehen nur ein Stück Asphalt, das man betritt. Aber eben an einem speziellen Ort. Mit einer speziellen Geschichte.

Dieser Ort, der Militärflugplatz Dübendorf, war im Kalten Krieg ein potenzielles Ziel für die Angreifer aus dem Osten. So sahen es jedenfalls die Strategen der Armee und liessen das Areal streng bewachen. Bewaffnete Soldaten, die mit Hunden entlang des Stacheldrahts patrouillieren – damals ein gewohntes Bild.

Fotografieren war bei Strafe untersagt. Wer sich ein paar Minuten zu lange in der Nähe des Areals aufhielt, bekam Besuch von der Militärpolizei mit Maschinenpistole im Anschlag und musste sich erklären. Der Flugplatz war Sperrzone für alle, die nicht dort arbeiteten oder der Luftwaffe angehörten, das Betreten auch Jahre nach dem Kalten Krieg nur in Ausnahmefällen wie etwa während des Love Ride erlaubt.

Mit sich selbst beschäftigt

Mit der Ansiedlung des Innovationsparks begann sich das Areal schliesslich einen Spaltbreit zu öffnen, im südwestlichen Teil wurde der Stacheldraht hundert Meter von der Strasse zurückversetzt, ein hölzerner Informationspavillon entstand. Statt «Draussen bleiben!» heisst es seit drei Jahren «Besucher willkommen!».

Doch ist man wirklich willkommen? Zumindest kommen nicht gleich Sicherheitskräfte angerannt, wenn man das Areal betritt. Und auch sonst interessiert sich an diesem schönen Sommertag niemand für die Anwesenheit des Besuchers. Der Innovationspark scheint mit sich selber beschäftigt zu sein.

Als Startpunkt für den Spaziergang bietet sich der erwähnte Pavillon an, der vor drei Jahren mit viel politischer Prominenz als «Leuchtturm für nachfolgende Projekte auf dem Gelände» eröffnet wurde. Im Innern hat es Büroräume, ein WC, eine Dusche und eine kleine Ausstellung mit Infos zum Innovationspark. In einem der Kuben aus Glas und Holz sitzt eine Frau und telefoniert; ihrer Mimik nach ist sie mit irgendwas gar nicht zufrieden. Im hinteren Bereich stehen einige Elektrotrottis herum.

Als Treffpunkt dient das öffentliche Café, wo sich gerade ein paar junge Menschen angeregt über ein Projekt unterhalten. Im «Chuchichäschtli», so heisst es hier, gibt es eine Kaffeemaschine mit Druckanzeige, einen Kühlschrank mit Getränken, eine Gefriertruhe mit Glace – und ein Kässeli, denn es ist Selbstbedienung. Der Name des Cafés bietet Einheimischen zudem die Gelegenheit, ausländische Mitarbeiter mit «Chuchichäschtli»-Sprachübungen zu drangsalieren.

Man will ja nicht stören

Gemäss Website sollten auch Würste und Grillkäse für den – wahrscheinlich weltweit saubersten – öffentlichen Elektrogrill auf dem Aussensitzplatz erhältlich sein. In der Kühlvitrine hat es aber nur ein paar Portionen mit supertrendigem Essen im Einmachglas, das man sich von auswärts liefern lassen kann. Gekocht wird definitiv nicht. Die Küche, im Wesentlichen bestehend aus einer Spülmaschine und einem Mikrowellenofen, ist nur für das Personal. Und von Personal fehlt jede Spur.

Der Kaffee ist gut, doch wo soll man ihn geniessen? Das «Chuchichäschtli» wirkt eher wie eine Personalkantine für Eingeweihte, und man will ja nicht stören, also bietet sich die Dachterrasse mit Blick auf die Alpen an. Doch die ist gerade geschlossen, es wird irgendwas gebaut. Immerhin: Der Dunst, der die Alpen verdeckt, ist auch vom Sitzplatz im Erdgeschoss aus gut zu sehen. Hier hat es zudem einen Rasenteppich und Holzskulpturen, auf die man nicht klettern darf.

Auf der anderen Seite des Pavillons kann man Bauarbeiter beobachten, die sich mit schwerem Gerät am ehemaligen Feuerwehrgebäude zu schaffen machen. Bis zum Herbst will die Zürcher Kantonalbank das Denkmalschutzobjekt zu einem modernen Co-Working-Space umbauen, in dem junge Unternehmer für ein Jahr kostenlos arbeiten können.

Angesichts dieser angedachten Ballung an Innovation wirkt der Kegel- respektive «Zuckerhut»-Bunker, der gleich daneben der Witterung trotzt, wie ein Relikt aus einer völlig anderen Zeit in einem komplett anderen Universum. Ein paar Meter weiter setzt sich das Kontrastprogramm fort mit weissen Strom-Zapfsäulen, die sich glänzend von den dunkelgrauen Militärgebäuden im gesperrten Bereich abzeichnen.

CH- und Hindi-Englisch

Der Gang in Richtung Wangen erlaubt dann den einen oder anderen Blick in die Hangars, die der Bund für den Innovationspark freigegeben hat. Zu sehen sind Werkbänke, ganze Batterien von Messgeräten, ein Flugzeugflügel. Einige Bereiche stehen noch leer und werden gerade für die Umnutzung bereit gemacht. Nicht gerade eine Sperrzone, aber wie auf einem x-beliebigen Firmengelände hat man auch nicht das Gefühl, überall reinspazieren zu dürfen. Dafür gibts speziell organisierte Rundgänge.

Quasi eine öffentliche Vorführung geben ein paar junge Männer auf dem ehemaligen Flugplatz-Vorfeld. Auf einer abgesteckten, von Feuerlöschern gesäumten Geraden machen sie Beschleunigungstests mit einem ferngesteuerten Monocoque-Renner, der wie ein gestauchter Formel-1-Bollide aussieht. «Top secret?» Ein Typ mit Leuchtweste winkt ab.

Der E-Racer zieht ab wie eine Rakete, allerdings scheinen die Bremsen nicht wunschgemäss zu funktionieren, denn das Gerät kommt erst weit hinter der Markierung zum Stehen. Gar nicht gut. Entsprechend angeregt ist die mündliche Ursachenforschung des internationalen Teams. Fetzen von CH- und Hindi-Englisch wirbeln durcheinander. Als Zuschauer fühlt man sich jetzt definitiv fehl am Platz.

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