Reggae-Liebhaber schwingen die Hüften am «Mini-Reeds»
Mit einem klassischen Open-Air konnte man das «Mini Reeds», das am Wochenende am Pfäffiker Seequai stattfand, nicht ganz vergleichen. Erst diese Woche wurde bekannt, dass vom Freitag bis Sonntag eine verkleinerte Version des Festivals stattfindet: mit einer Bar am See, Foodständen und einer «kleinen Bühne mit einigen kleineren Acts.»
Gekommen sind die Musikliebhaberinnen und -liebhaber trotzdem. Vor allem beim schönen Wetter am Freitagabend war der Ansturm gross. Wer ins abgesperrte Festival-Gelände wollte, musste anstehen und sich gedulden. Andere machten es sich auf der Wiese gegenüber des «Reeds» gemütlich und genossen die Reggae-Klänge auf ihren Picknickdecken.
So zum Beispiel Xenia aus Hombrechtikon: «Eigentlich wollte ich heute mit meinen Freundinnen Stand-up-Paddling machen, aber jetzt sind wir hier und geniessen die Musik». Andere, wie Jan aus Pfäffikon, liessen sich nicht beirren und nahmen die Wartezeiten vor dem Eingang in Kauf: «Ich liebe dieses Festival, ich kann ja hier anstehen und höre die Musik trotzdem schon.»
Ohne Covid-Zertifikat
Denn die Verantwortlichen begrenzten die Zahl der Zuschauer im abgesperrten Bereich vor der Bühne auf 300 Personen. Dies bestätigte eine Sicherheitsmitarbeiterin am Eingang. «Es gibt ein rollendes Zulassungssystem: Wenn eine Person das Areal verlässt, wird ihr Eintrittsbändeli durchgeschnitten.» Dann erhalte eine neue Person Einlass.
Wer das Areal betreten wollte, musste seine Kontaktdaten angeben. Auf dem Formular standen die wichtigsten Regeln. Dazu gehörte eineinhalb Meter Abstand halten – ansonsten sollten die Besucherinnen und Besucher eine Maske tragen. Ebenso wurde auf das «strikte Tanzverbot auf dem Gelände» aufmerksam gemacht.
Letzteres war nötig, da für Tanzveranstaltungen die Kontrolle des Covid-Zertifikats Voraussetzung gewesen wäre. Ansonsten sind sie gemäss Vorgaben des Bundes und der kantonalen Gesundheitsdirektion verboten.
Die Herzen tanzen
Damit bewegt sich das Mini-Reeds in Bezug auf die Corona-Massnahmen auf heiklem Terrain. Was ist Tanzen und was ist es nicht? Etwas Aufklärung schaffte einer der Präsentatoren am Samstagnachmittag: «Füdli schwingen und Hände in die Luft strecken sind erlaubt», sagte er in die Menge. Alles andere nicht. «Für einmal lasst einfach eure Herzen tanzen.»
Wenn die Musik spielte, standen die meisten Personen auf dem Gelände, wippten mit ihren Hüften oder schwenkten die Arme. Ob der eine oder andere nicht auch ein paar Tanzschritte zeigte, liegt dabei wohl in den Augen des Betrachters.
Ausgelassene Stimmung trotz Tanzverbot. (Handyvideo: Bettina Schnider)
«Wir halten uns an die Vorgaben unserer Bewilligung und dazu gehört auch das Tanzverbot», war denn auch die einzige Auskunft, die der Kommunikationsverantwortliche Gijn Sopi am Wochenende geben wollte. Auf die Frage, was in seinen Augen Tanzen sei, wollte er keine Stellung beziehen.
Für die Einhaltung des Tanzverbots sowie der anderen Sicherheitsvorgaben sind auf dem Festivalgeände in erster Linie die Veranstalter zuständig. Dies bestätigte die Medienstelle der Kantonspolizei Zürich am Samstagmorgen auf Anfrage. Eine allfällige Polizeikontrolle würde immer «mit Augenmass» stattfinden und man würde mit den tanzenden Personen zuerst den Dialog suchen.
Entspannt in Flip-Flops
Einen Einsatz am «Reeds» habe es von Seiten der Kantonspolizei am Wochenende jedoch nicht gegeben. «Wenn wir Hinweise erhalten, dass Regeln nicht eingehalten werden, würden wir natürlich kontrollieren», so Mediensprecher Mark Rindlisbacher. Es gab jedoch weder am Freitag- noch am Samstagabend relevante Vorkommnisse.
Am Samstag war der Ansturm aufgrund des Regens ohnehin etwas überschaubarer. Auf der Wiese gegenüber dem Gelände machten es sich Schwäne gemütlich. Das Festival musste zwischenzeitlich wegen Gewittern sogar unterbrochen werden, wie die Veranstalter auf ihrer Instagram-Seite schrieben.
Hartgesottene Musikliebhaberinnen und -liebhaber liessen sich ihre Laune durch die Nässe nicht verderben: «Wir sind alle sehr gechillt und entspannt hier», meinte ein Besucher. «Für etwas habe ich ja Flip-Flops an. »
