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Wenn Mitarbeitende der Gemeinde zu Pöstlern werden

Der Gemeinderat ist mit den neuen Briefkastenleerungen der Post unzufrieden. Die Behörde sieht die briefliche Abstimmung nicht mehr gewährleistet und will nun selber als Briefträgerin einspringen.

Die Post hat in der Gemeinde Volketswil bald weniger zu tun., Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) will ab sofort die ausgefüllten Wahlcouverts von der Gemeinde abholen lassen.

Foto: Nick Soland

Wenn Mitarbeitende der Gemeinde zu Pöstlern werden

Viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sparen sich den Weg an die Wahlurne und schicken ihre ausgefüllten Unterlagen jeweils per Post. In Volketswil hatten sie zuletzt dafür weniger Zeit. Wie auch in anderen Schweizer Gemeinden hat die Post dort mehrheitlich die Briefkastenleerungen angepasst. Während die Post-Angestellten früher Abendtouren gemacht haben, holen sie die meisten Briefe seit Ende Mai erst morgens um 8.30 Uhr ab.

Wie der Volketswiler Gemeinderat in einer aktuellen Medienmitteilung schreibt, würden damit Abstimmungscouverts mit der B-Post-Vorfrankierung, die in der letzten Woche des Urnengangs nach Dienstag 8.30 Uhr eingeworfen werden, erst am Montag die Gemeinde erreichen.

Zwar seien bei der letzten Abstimmung vom 13. Juni keine Couverts registriert worden, die aufgrund der neuen Briefkastenleerung zu spät eingegangen wären. Doch Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) rechnet dennoch damit, dass künftig Wählerinnen und Wähler davon betroffen sein könnten. «Uns ist es wichtig, dass jede Person von ihrem Stimmrecht auf jedem möglichen Kanal Gebrauch machen kann.»

Gemeinde als Couvertausträgerin

Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, dass die Volketswiler Behörden die Abstimmungsunterlagen eigenhändig abholen. «Mit der Post wurde nun vereinbart, dass die Wahlcouverts aus der brieflichen Abstimmung aussortiert werden. Unsere Mitarbeitenden können die Couverts am Samstag vor dem Abstimmungssonntag bis um 7.30 Uhr abholen», sagt Pinto. Dafür müsse die Gemeinde der Post jedoch eine Gebühr von 80 Franken zahlen. Den personellen Aufwand für das Abholen der ausgefüllten Wahlunterlagen bezeichnet er als «überschaubar».

«Die Post bietet für die Volketswiler nicht mehr viel Service Public.»

Jean-Philippe Pinto (Die Mitte), Gemeindepräsident Volketswil

Für die Wähler will die Gemeinde somit den Zustand wiederherstellen, bevor die Post ihre Briefkastenleerungen angepasst hatte. Sprich: Wird das Couvert bis Dienstagabend eingeworfen, soll die Erfassung der Stimme gewährleistet sein.

Pinto kritisiert den Abbau des Postangebots, zu dem neben den neuen Abholzeiten an den Briefkästen auch die Schliessung der Postfiliale am Bahnhof Schwerzenbach gehört. Diese sei für die Bevölkerung vom südlichen Teil Volketswils wichtig gewesen. «Die Post bietet für die Volketswiler nicht mehr viel Service Public», sagt Pinto. Er habe zwar Verständnis, dass in der heutigen Zeit der Briefverkehr nicht mehr gleich bedeutend wie früher sei, aber: «Wahlcouverts per Post zu verschicken ist nach wie vor ein immens wichtiger Service.» Über 90 Prozent der Volketswilerinnen und Volketswiler würden die Möglichkeit der brieflichen Stimmabgabe nutzen, sagt Pinto.

Zwei Briefkästen mit alten Leerungszeiten

Für die Post ist dagegen der allgemeine Rückgang des Briefverkehrs entscheidend. Mediensprecher Oliver Flüeler sagt, dass die Menschen immer weniger Briefe versenden und auch die gelben Briefkästen immer weniger genutzt werden. Seit 2002 sei die Briefmenge um über 40 Prozent zurückgegangen. «Allein die Menge aus den Briefeinwürfen brach in den letzten 5 Jahren um 25 Prozent ein.» Darauf müsse die Post reagieren.

Flüeler sagt, dass es auf Gemeindegebiet aber weiterhin immer noch zwei Briefkästen gibt, die am Abend geleert werden. In Volketswil stehe der eine «Im Zentrum 16», dieser werde jeweils um 18 Uhr geleert. Der andere in Gutenswil, wo die Briefe um 17.30 Uhr abgeholt werden.

«Die Volketswiler Bevölkerung wählt entsprechend den aufgeführten Leerungszeiten den geeigneten Briefeinwurf aus.»

Oliver Flüeler, Mediensprecher Post

Als Grund, weshalb die Post die Briefkasten seit dem 30. Mai nicht mehr abends sondern morgens leert, sagt Flüeler: «Die Pöstlerinnen und Pöstler führen die meisten Leerungen der gelben Briefkästen auf ihrer täglichen Tour an die Haustüren durch. Dadurch sind weniger zusätzliche Touren oder Fahrten notwendig – was effizienter, günstiger und letztendlich auch ökologischer ist.»

A-Post zu teuer

Das funktioniert auch während des Urnengangs, ist Flüeler überzeugt. Die Volketswiler Bevölkerung wähle entsprechend den aufgeführten Leerungszeiten den geeigneten Briefeinwurf aus. Dies zeige der Fakt, dass es in der Gemeinde Volketswil beim letzten Urnengang Mitte Juni zu keinen verspätet eingegangenen Sendungen gekommen ist.

«Es ist nicht an der Post, Vorhaben oder Anliegen der Gemeinde zu kommentieren oder zu erklären.»

Oliver Flüeler, Mediensprecher Post

Zur Tatsache, dass die Gemeinde die Wahlcouverts ab der kommenden Abstimmung nun selber abholt, schweigt das Unternehmen. «Es ist nicht an der Post, Vorhaben oder Anliegen der Gemeinde zu kommentieren oder zu erklären», sagt Flüeler.

Bevor die Gemeinde sich allerdings selber zur Teilzeit-Pöstlerin erkoren hat, haben die Behörden gemäss Pinto noch weitere Lösungen geprüft: «Diskutiert wurden der Neudruck der Couverts, was allerdings das Einstampfen des bestehenden Bestands zur Folge gehabt hätte», sagt Pinto. Auch die Vorfrankierung mit A-Post, statt der heutigen B-Post sei in Erwägung gezogen worden. Dagegen hätten die höheren Kosten von über 2000 Franken gesprochen.

Vorerst soll die Gemeinde den Abholdienst der Wahlcouverts beibehalten. Mit der neuen Lösung werden nun Erfahrungen gesammelt, so Pinto. Als Alternative würden zum «gegebenen Zeitpunkt» die Couverts angepasst und neu gedruckt. Dann würde auf den Couverts Montag als spätester Termin vor dem Wahl- und Abstimmungssonntag für die briefliche Stimmabgabe vermerkt und nicht wie bis anhin  Dienstag.

 

Post hält an wenigen Abend- und Wochenendleerungen fest 

Wie Post-Mediensprecher Oliver Flüeler sagt, würden bei den Anpassungen der Briefkasten-Leerungszeiten auf regionalen Gegebenheiten geachtet und den «Bedürfnissen der Menschen und Unternehmen Rechnung» getragen. So würde die Post in Ortschaften, wo heute noch nach 16 Uhr geleert werde, auch künftig mindestens ein solcher Briefkasten mit dieser Leerungszeit bleiben. Das gleich gelte für Briefkasten mit einer Leerung am Wochenende. «Dies gilt für alle Ortschaften der Schweiz, egal ob auf dem Land oder in der Stadt», sagt Flüeler. Zudem würden stark frequentierte Briefkästen in urbanen Zentren nach wie vor möglichst spät und am Sonntag geleert.

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