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​​​​​​​«Quotenfrau? Über solche Vorwürfe können Frauen doch nur lachen!»

Wäre die Welt eine bessere mit mehr Frauen in der Politik? Oder doch nicht? Und weshalb sind Männer in den politischen Gremien eigentlich noch immer in der Mehrheit? Rosmarie Quadranti, die Illnauer Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale, hat die Antworten.

«Frauen neigen weniger zur Brechstange, sondern nehmen die Radikalität aus Themen raus», sagt Rosmarie Quadranti.

Susanne Oberli

​​​​​​​«Quotenfrau? Über solche Vorwürfe können Frauen doch nur lachen!»

Rosmarie Quadranti, in der Politik soll es um die Sache gehen, wieso spielt dabei das Geschlecht eine dermassen grosse Rolle?
Rosmarie Quadranti: Weil Frauen oftmals eine andere Sichtweise, eine andere Herangehensweise haben. Und deshalb werden in gemischten Teams bessere Entscheidungen getroffen, sei das in der Politik oder in der Wirtschaft. Es herrscht einfach eine andere Debattenkultur, man geht achtsamer miteinander um. Deshalb wäre es auch wünschenswert, wenn es in der Politik mehr Menschen mit Migrationshintergrund gäbe. Oder mit einer Beeinträchtigung.

Inwiefern politisieren Frauen anders als Männer?
Was mir auffällt: Frauen sind häufig seriöser in der Vorbereitung, sie recherchieren viel und arbeiten sich intensiv in ein Thema ein. Und sie sind in der Regel auch mehr an anderen Meinungen interessiert, wollen andere ins Boot holen und sind eher bereit, Kompromisse einzugehen.

Aber um «Frauenthemen» aufs politische Parkett zu bringen, braucht es nicht zwingend Frauen. So hat in Dübendorf erst kürzlich ein Gemeinderat gratis Menstruationsartikel auf öffentlichen Toiletten gefordert.
Auf diese Idee wäre er aber kaum gekommen, wenn er sich nicht mit Frauen über dieses Thema ausgetauscht hätte. Und genau darum geht es. Reine Männer- oder Frauenthemen gibt es aber ohnehin kaum. Auch eine Frau kann eine gute Finanz-, Sicherheits- oder Bauvorsteherin sein, diese Ressorts sind nicht für Männer reserviert.

«Als Frau muss man sich da fragen: Will ich in diesem Gremium mitmachen? Denn eine Minderheit zu sein, ist häufig nicht wahnsinnig witzig.»

Die Forderung nach mehr Frauen in der Politik besteht schon lange, und trotzdem sind Frauen immer noch untervertreten. Vielleicht wollen Frauen einfach nicht politisieren?
Am Willen fehlt es sicher nicht. Möglicherweise fällt es Frauen schwerer, sich hinzustellen und auf die eigenen Führungsfähigkeiten zu vertrauen. Politik ist learning on the job, man muss nicht alles können, denn für vieles gibt es Fachleute, die einen unterstützen. Dieses Bewusstsein müssen Frauen vermehrt entwickeln, um ihre Schwellenangst abzubauen. Wir von der Frauenzentrale Zürich unterstützen sie dabei mit dem Mentoring-Programm «Züri-Löwinnen brüllen», welches zum Ziel hat, den Frauenanteil deutlich zu erhöhen.

Mit dem Programm zielen Sie auf die Kommunalwahlen im kommenden Frühjahr ab. Besteht auf Gemeindeebene der grösste Nachholbedarf?
In den Gemeinden ist die Politik in der Regel stark von Männern dominiert. Als Frau muss man sich da fragen: Will ich in diesem Gremium mitmachen? Denn eine Minderheit zu sein, ist häufig nicht wahnsinnig witzig, besteht doch dauernd die Gefahr, dass man untergeht. Wenn sich hier der Frauenanteil mit den nächsten Wahlen verbessert, ist das ein grosser Schritt nach vorne, weil es dann mehr weibliche Vorbilder gäbe, an denen sich andere Frauen orientieren und so ihr Selbstvertrauen stärken könnten. Eine Entwicklung, die auf nationaler Ebene spürbar ist.  

«Es geht vorwärts, aber zu langsam, deshalb habe ich mittlerweile die Geduld verloren.»

Wäre die Welt eine andere, wenn es mehr Frauen in der Politik gäbe?
Frauen neigen sicher weniger zur Brechstange, sondern nehmen im Gegenteil die Radikalität aus Themen raus, sind weniger rassistisch und verwechseln auch nicht dauernd den Islam mit Terrorismus. Keine radikale Initiative kam in den letzten Jahren von Frauen.

Hinter der Verwahrungsinitiative stand eine Frau.
Das ist die Ausnahme von der Regel, entstanden aus persönlicher Betroffenheit.

Sind Sie für eine Frauenquote in der Politik?
Hier bin ich nach langem Hin und Her heute der Meinung: Ja! Es geht vorwärts, aber zu langsam, deshalb habe ich mittlerweile die Geduld verloren. Eine Quote soll aber keine Dauerlösung sein, sondern vielmehr ein Anschub, bis sich das Gefüge verändert hat. Danach ist das Ganze ein Selbstläufer.

Aber wer will schon eine Quotenfrau sein?
Quotenfrau? Über solche Vorwürfe können Frauen doch nur lachen, da stehen wir drüber.

Zur Person

R osmarie Quadranti ist Präsidentin der Zürcher Frauenzentrale. Sie sass acht Jahre lang für die BDP im Nationalrat und präsidierte während 18 Jahren die Schulpflege Volketswil. Beruflich ist sie als Mitglied in der Geschäftsleitung einer Beratungsfirma für Schulen und Gemeinden tätig. Seit 2018 lebt Quadranti in Illnau.

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