Rosmarie Quadranti, in der Politik soll es um die Sache gehen, wieso spielt dabei das Geschlecht eine dermassen grosse Rolle?
Rosmarie Quadranti: Weil Frauen oftmals eine andere Sichtweise, eine andere Herangehensweise haben. Und deshalb werden in gemischten Teams bessere Entscheidungen getroffen, sei das in der Politik oder in der Wirtschaft. Es herrscht einfach eine andere Debattenkultur, man geht achtsamer miteinander um. Deshalb wäre es auch wünschenswert, wenn es in der Politik mehr Menschen mit Migrationshintergrund gäbe. Oder mit einer Beeinträchtigung.
Inwiefern politisieren Frauen anders als Männer?
Was mir auffällt: Frauen sind häufig seriöser in der Vorbereitung, sie recherchieren viel und arbeiten sich intensiv in ein Thema ein. Und sie sind in der Regel auch mehr an anderen Meinungen interessiert, wollen andere ins Boot holen und sind eher bereit, Kompromisse einzugehen.
Aber um «Frauenthemen» aufs politische Parkett zu bringen, braucht es nicht zwingend Frauen. So hat in Dübendorf erst kürzlich ein Gemeinderat gratis Menstruationsartikel auf öffentlichen Toiletten gefordert.
Auf diese Idee wäre er aber kaum gekommen, wenn er sich nicht mit Frauen über dieses Thema ausgetauscht hätte. Und genau darum geht es. Reine Männer- oder Frauenthemen gibt es aber ohnehin kaum. Auch eine Frau kann eine gute Finanz-, Sicherheits- oder Bauvorsteherin sein, diese Ressorts sind nicht für Männer reserviert.
«Als Frau muss man sich da fragen: Will ich in diesem Gremium mitmachen? Denn eine Minderheit zu sein, ist häufig nicht wahnsinnig witzig.»
Die Forderung nach mehr Frauen in der Politik besteht schon lange, und trotzdem sind Frauen immer noch untervertreten. Vielleicht wollen Frauen einfach nicht politisieren?
Am Willen fehlt es sicher nicht. Möglicherweise fällt es Frauen schwerer, sich hinzustellen und auf die eigenen Führungsfähigkeiten zu vertrauen. Politik ist learning on the job, man muss nicht alles können, denn für vieles gibt es Fachleute, die einen unterstützen. Dieses Bewusstsein müssen Frauen vermehrt entwickeln, um ihre Schwellenangst abzubauen. Wir von der Frauenzentrale Zürich unterstützen sie dabei mit dem Mentoring-Programm «Züri-Löwinnen brüllen», welches zum Ziel hat, den Frauenanteil deutlich zu erhöhen.

