Volketswiler Veloprojekte stehen noch im Gegenwind
BMX ist nicht gerade als Ausdauersport bekannt. Doch was der Verein BMX Club Volketswil seit langer Zeit versucht zu erreichen, kann als ausdauernd bezeichnet werden: Der Verein versucht nämlich schon seit vielen Jahren einen neuen Standort für einen BMX-Track in Volketswil zu finden.
«Die heutige Strecke ist einfach zu klein geworden», sagt Pressesprecherin Marion Gwerder. Aktuell habe der Verein einen Aufnahmestopp für neue Mitglieder beschlossen. «Teilweise herrscht heute schon fast Stossverkehr. Derzeit sind wir 200 Mitglieder. Mit der aktuellen Nachfrage kämen wir aber schnell mal auf 300», sagt Gwerder. Vor allem bei den Fünf- bis Sechsjährigen sei der Wunsch, BMX-Fertigkeiten zu erlernen, gross.
«Spielende Kinder wollen viele Leute leider möglichst weit weg haben, weil sie Lärm befürchten.»
Marion Gwerder, Pressesprecherin BMX Club Volketswil
Wenn der Vorstand vom BMX Club Volketswil sich einen Ort wünschen könnte, würde er sich das Gebiet in der Nähe des Griesparks für den Bau einer neuen Strecke aussuchen, sagt Gwerder. «In dem Gebiet wird Sport gelebt, schliesslich stehen hier schon Fussballplätze.» Eines der grössten Hindernisse für ein solches Projekt seien aber mögliche Einwendungen und Rekurse von Anwohnern. «Spielende Kinder wollen viele Leute leider möglichst weit weg haben, weil sie Lärm befürchten.» Freizeitanlagen für Kinder hätten deswegen einen schweren Stand.
Eines sei für den Verein aber klar: «Wir wollen wenn irgendwie möglich in Volketswil bleiben und der Bevölkerung den Sport hier anbieten.»
Gemeinde klärt weiter ab
Und die Zeit drängt. Denn die BMX-Anlage steht in der Industriezone und für die Gemeinde ist dieses Gebiet für die Entwicklung von Volketswil zentral. «Die Gemeinde schliesst mit uns nur noch Dreijahresverträge ab», so Gwerder. Üblicherweise erhielten Sportanlagen aber Pachtverträge von weit über 10 Jahren . Die Gemeinde Volketswil unterstütze den Verein jedoch bei der Standortsuche. Gesucht sei ein Gelände in der Grössenordnung zwischen 15’000 und 25’000 Quadratmetern.
«Wir stehen erst am Anfang.»
Jean-Philippe Pinto (Die Mitte), Gemeindepräsident Volketswil
Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) sagt, dass noch kein Standort gefunden wurde. Hierzu seien noch verschiedene Abklärungen notwendig. «Wir stehen erst am Anfang.»
Das Gebiet in der Nähe des Bahnhofs Schwerzenbach, wo auch der aktuelle BMX-Parcours steht, wolle die Gemeinde in den nächsten Jahren weiterentwickeln und einer «neuen Nutzung zuführen». «Solche Entwicklungen benötigen aber Zeit. Wann dies der Fall sein wird ist noch offen», sagt Pinto Daher werde der Vertrag mit dem BMX Club nur um jeweils drei Jahre verlängert.
Auf die Frage, ob die Gemeinde Land für den Neubau einer BMX-Strecke abtreten könne, sagt Pinto: «Eher nicht.» Möglich wäre dagegen, dass die Gemeinde wie bis anhin ein Grundstück verpachtet.
Für den BMX-Club bleibt die Zukunft somit ungewiss. Weil dem Verein die Planungssicherheit fehle, seien langfristige Projekte wie die Installation einer LED-Lichtanalage auf Eis gelegt, sagt Marion Gwerder. Für den Bau eines neuen BMX-Parcours rechnet sie mit einem Betrag von mindestens einer Million Franken. Für die Finanzierung wäre der Verein auf Sponsoren und unter anderem auf das kantonale Sportamt sowie den Lotteriefonds angewiesen.
Auch Pumptrack-Projekt braucht Geld
Ein weiteres Radsport-Projekt in Volketswil hat kürzlich einen Meilenstein hingelegt. Jungpolitiker Mike Halbheer will einen Pumptrack in Volketswil bauen. Auf einer solchen Anlage können Velo- oder Trottinettfahrer versuchen, ohne Pedaltritt und nur mit Körperschwung über die Hügel und durch die Steilwandkurven der Strecke zu kommen.
Petition fordert einen Pumptrack in Volketswil
05.06.2021

Neuer Treffpunkt für Jugendliche?
Mit einem Pumptrack soll in Volketswil ein neuer Treffpunkt entstehen. Beitrag in Merkliste speichern Kürzlich hat er dem Gemeinderat eine Petition mit 795 Unterschriften übergeben. Nun will sich Halbheer der Finanzierung widmen. Er rechne mit etwa 250‘000 Franken für den Bau des Pumptracks. Das Geld soll aus einer Mischung aus Crowdfunding und Sponsorenbeträgen zusammenkommen. Zudem unterstütze der Kanton Zürich solche Projekte mit bis zu 75‘000 Franken, sagt Halbheer.
Den Kontakt mit potenziellen Sponsoren habe er schon vor der Petitionsübergabe hergestellt. Diese hätten ihre Unterstützung zugesichert. Zusätzlich kämen die 795 Personen, die die Petition unterschrieben haben. Ein Teil davon werde bei einem Crowdfunding sicher auch etwas zum Projekt beisteuern. «Ich bin zuversichtlich, dass der Betrag für den Pumptrack zusammenkommt», sagt Halbheer.
Ein optimistischer Zeithorizont
Mit dem BMX Club Volketswil sei er auch im Austausch. «Wir haben dabei versucht die Synergien auszumachen, die wir gemeinsam nutzen können. Ein Kombination zwischen BMX-Strecke und Pumptrack an einem Ort ist sicherlich interessant.» Dabei sei der Standort wichtig. Dieser soll für Kinder und Jugendliche gut erreichbar sein und der Weg nicht etwa über eine grössere Hauptstrasse führen. Zusammen mit der Jugendarbeit sei man derzeit am Evaluieren, ob es irgendwo auf dem Gemeindegebiet einen geeigneten Ort gebe.
«Steht die Anlage im Jahr 2023 oder 2024 ist das immer noch sehr gut.»
Mike Halbheer, Petitionär Pumptrack
Ein Verein als Trägerschaft für den Pumptrack wie den BMX Club oder den Veloclub Volketswil könne er sich gut vorstellen, sagt Halbheer. Noch ist es aber nicht soweit. In den nächsten Tagen wolle er sich mit BMX-Club zusammensetzen, um «die Bedürfnisse abzugleichen».
Er fände es «sehr cool», wenn der Pumptrack in Volketswil bereits im Sommer 2022 stehen würde, sagt Halbheer. Doch er wisse, dass dieser Zeithorizont sehr optimistisch sei. «Steht die Anlage im Jahr 2023 oder 2024 ist das immer noch sehr gut.»
Greifensee statt Volketswil?
Auch der BMX Club Volketswil will auf einer neuen Anlage wieder einen Pumptrack bauen. Schon heute steht eine kleine Version eines solchen Tracks neben der BMX-Strecke. «Eine Synergie mit den Anliegen von Petitionär Mike Halbheer kann sich der Verein deshalb gut vorstellen», sagt Gwerder.
Ein Zusammenspiel der beiden Tracks auf demselben Gelände sieht auch Gemeindepräsident Pinto als «ideal», wie er sagt. «Zusammen benötigen aber beide ein grösseres Grundstück, das auch zonenkonform sein muss.» Pinto sagt, dass dazu sowohl Halbheer als auch der BMX Club zusätzlich in den Nachbargemeinden nach einem möglichen Standort suchen sollten. «Das Milandia-Gelände wäre vielleicht dafür geeignet. Dort ist vieles im Umbruch und die Nähe zu Volketswil wäre dadurch auch gewahrt.»
