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«In Wildberg steht die Kirche im Dorf, aber man fährt gerne um sie herum»

Ende Juli geht der Wildberger Pfarrer Theddy Probst in Pension. Er möchte sich aber weiterhin für die Anliegen kleiner Kirchgemeinden einsetzen.

Bald feiert Theddy Probst seinen letzten Gottesdienst in der Kirche Wildberg.

Foto: Bettina Schnider

«In Wildberg steht die Kirche im Dorf, aber man fährt gerne um sie herum»

Am kommenden Sonntag wird Pfarrer Theddy Probst seinen letzten Gottesdienst in der reformierten Kirche in Wildberg feiern: «Ich darf an diesem Tag aber zwei Kinder taufen, so bleibt mein Abschied mit einem Neuanfang verbunden», freut er sich.

Seit zehn Jahren arbeitet Probst in Wildberg. Ende Juli wird er nun offiziell pensioniert. Das Pensionsalter hatte er eigentlich schon vor etwas mehr als zwei Jahren erreicht. «Ich wurde dann aber von der Kirchenpflege gefragt, ob ich nicht noch weitermachen könnte, bis ein Nachfolger gefunden werde», erinnert sich der Pfarrer. Lange überzeugen musste man ihn nicht.

Keine Stille                                                                                                                               

Angefangen hat Probsts Zeit in Wildberg vor gut zehn Jahren. Nach einem längeren Engagement als Pfarrer in der Stadt Zürich zog es ihn aufs Land: «Eigentlich dachte ich, dass es dort etwas ruhiger wird.»

«Im Vordergrund meiner Arbeit standen natürlich immer diejenigen Pflichten, welche die Kirchenordnung vorschreibt.»

Theddy Probst, Pfarrer der Kirche Wildberg

Bereits bevor er sich auf die Stelle beworben hatte, kannte er das Dorf Wildberg. «Ich war schon vorher zu Gast im Haus der Stille, das damals noch den Diakonissen aus Riehen gehörte.» Heute wird das Haus von der Kommunität Wildberg betrieben.

Stille und Ruhe fand Theddy Probst in Wildberg aber nur selten. «Im Vordergrund meiner Arbeit standen natürlich immer diejenigen Pflichten, welche die Kirchenordnung vorschreibt», erklärt er. Doch für ihn war immer klar, dass die Kirche mehr bieten muss als den Gottesdienst am Sonntag und den Religionsunterricht.

«Dort, wo Leute miteinander handeln, lebt das Evangelium», betont Probst. Der Gemeindeaufbau und die Beteiligung in der Kirchgemeinde waren ihm deshalb immer ein grosses Anliegen. Dieses wurde auch von der Kirchenpflege mitgetragen.

Diese sei stets überaus aktiv und voller Tatendrang gewesen. «So konnten wir verschiedene Projekte umsetzen, von denen das ganze Dorf profitieren konnte.» Als Beispiele nennt er den Teenagerclub, die Generationenferien, die Chilestube  oder den Mäntigstreff. Letzterer ist eine monatliche Zusammenkunft für Seniorinnen und Senioren. «Man muss die Kirche zu den Leuten bringen, denn auch in Wildberg steht die Kirche im Dorf, aber man fährt gerne um sie herum.»

Organisch wachsen

Doch Probsts Tatendrang beschränkte sich nicht auf die Gemeinde Wildberg. Seit 2008 sitzt er in der Synode. Das ist das Kirchenparlament der Reformierten Landeskirche. Als Pfarrer einer kleineren Kirchgemeinde sieht er es als seine Aufgabe, sich dort für die Anliegen solcher Gemeinden einzusetzen.

«Wenn es nach dem Kirchenrat geht, sollten die kleinen Gemeinden einfach fusionieren», erklärt er. Eine solche verallgemeinernde Haltung lehnt Probst jedoch ab. «Ich bin nicht gegen Fusionen, aber die Zusammenarbeit muss organisch wachsen, sie kann nicht von oben verordnet werden.» In Wildberg stehe das Thema Fusion nicht wirklich im Vordergrund.

Auch als es um die Revision der Kirchenordnung ging, setzte sich Theddy Probst im Kirchenparlament für die Anliegen der kleineren Gemeinden ein. «Der ursprüngliche Vorschlag sah vor, dass die Pensen der Pfarrpersonen nach unten offen sind, je nach Gemeindegrösse.»

Von 70 auf 50

Wildberg hätte so wohl nur noch eine 30-Prozent-Stelle gehabt. Zusammen mit einem Kollegen brachte Probst die Idee ein, dass es ein Mindestpensum von 50 Prozent geben muss, in jeder Gemeinde. «Die Änderung wurde dann in der Synode knapp angenommen.»

«Dank der guten Zusammenarbeit mit der Kirchenpflege konnten wir sicherstellen, dass niemand allzu sehr leiden muss.»

Theddy Probst

2018 nahmen die Zürcher Reformierten die neue Kirchenordnung in einer Urnenabstimmung an. Die Neuverteilung der Pensen wurde per 1. Juli 2020 vollzogen. Seither hat sich Probsts Arbeitszeit reduziert. «Und zwar von 70 auf 50 Prozent.»

Das sei eine Umstellung gewesen. «Dank der guten Zusammenarbeit mit der Kirchenpflege konnten wir sicherstellen, dass niemand allzu sehr leiden muss», betont er. Man habe sich mit der neuen Situation arrangiert. Ausserdem, und das gibt der Pfarrer offen zu, habe er selten ganz genau auf seine Arbeitsstunden geachtet.

Nun wird er bald etwas mehr Zeit haben. Ganz in den Ruhestand treten wird er aber nicht: «Ich werde weiterhin ein kleines Pensum bei einer christlichen Beratungsstelle haben», so Probst. Ebenso möchte er weiterhin in der Synode bleiben.

Platz machen

Der Abschied aus Wildberg falle ihm zwar nicht leicht, doch es sei der richtige Zeitpunkt. «Ich hatte Ende Juni einen wunderschönen Abschiedsgottesdienst, an dem ich viel Wertschätzung für meine Tätigkeit hier erfahren habe.»

Ab August wird Pfarrer Arnold Steiner die Pfarrstelle in der kleinen Kirchgemeinde antreten. Er wurde bereits letzten September gewählt. Probst ist davon überzeugt, dass sein Nachfolger dort weitermachen wird, wo er selbst aufgehört hat. «Wildberg wird weiter eine aktive Kirchgemeinde sein», ist er überzeugt.

Ein bisschen aus Wildberg verabschiedet hat sich Probst aber bereits vor seiner Pension. Seit Oktober 2019 wohnt er nicht mehr im Pfarrhaus, sondern in Pfäffikon. Mit Arnold Steiner wird jedoch wieder Leben ins Pfarrhaus einkehren. «Es war mir ein Anliegen, meinem Nachfolger im wahrsten Sinne des Wortes Platz im Dorf zu machen», erklärt Theddy Probst.

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