Den Mäusebussard für draussen – die Katze für drinnen
Der junge Verein Blühpatenschaften Uster will möglichst viele Ustermer Landwirte mit ins Boot holen, um die Artenvielfalt zu fördern. So haben die Mitglieder kürzlich 30 Sitzstangen für Greifvögel an 12 Bauernhöfe rund um Uster verteilt.
Vereinspräsident Stefan Hartmann sagt, dass die Sitzstangen den Raubvögeln als Hochsitz bei der Mäusejagd dienen. «Mäuse werden von den Bauern nicht geschätzt, da sie viele Gänge in der Wiese graben, die bei der Bewirtschaftung lästig sind.»
«Auf den Magerwiesen tummeln sich die Mäuse besonders gerne.»
Martin Pfister, Ustermer Landwirt
Beim Aufstellen der Stangen gelte: «Sie sollten möglich hoch sein – unsere sind vier Meter.» Diese geben Raubvögeln wie Milanen, Mäusebussarden, Falken oder nachts auch Eulen eine bessere Übersicht, vor allem in den weiten, ausgeräumten, baumlosen Feldern.
Kaum aufgestellt, schon Vogel da
Zum Verankern im Boden gebe es verschiedene Methoden, sagt Hartmann. Bauer Martin Pfister vom Birkenhof Uster habe zum Beispiel mit einer schweren Eisenstange vorgelocht und die Stange dann hineingewuchtet. Im Vorfeld hätten vier Vereinsmitglieder die Stangen aus beständigem Lärchenholz zusammengezimmert. Für die Materialkosten in Höhe von 825 Franken sei die die Stadt Uster «unbürokratisch» aufgekommen, sagt Hartmann.
Und offenbar werden die künstlichen Hochsitze von den Vögeln angenommen. «Das schönste Erlebnis war», sagt Hartmann, «als sich nur eine Stunde nach dem Aufbau bereits ein erster Mäusebussard auf eine Stange gesetzt hat.» Die Aktion soll nun im nächsten Frühling wiederholt werden.
Fünf Stangen für einen Bauern
Landwirt Martin Pfister vom Birkenhof Uster beobachtet ebenfalls immer wieder Raubvögel auf seinen Stangen, seit er diese eigenhändig aufgestellt hat. Fünf Stück habe er auf seinen Feldern, um die Mäusepopulation einzudämmen, sagt Pfister. «Auf den Magerwiesen tummeln sich die Mäuse besonders gerne. Dort macht sich nach dem Mähen die Präsenz der Vögel bezahlt.»
Bis jetzt habe er aber noch keinen Greifvogel gesehen, der eine Maus erbeutet hat. «Das zu sehen, wäre ein Highlight», sagt Pfister.
Für ihn ist aber klar, dass die Greifvögel draussen guten Dienst leisten werden. Wohl besser als seine drei Katzen, die laut Pfister in seltenen Fällen mal zwei bis drei Mäuse mit nach Hause bringen. «Dafür leisten die Katzen in der Scheune gute Arbeit.»
Eule als Mäuse-Vernichter
Auch der Naturschutzverein Birdlife Schweiz erachtet die Greifvogelstange als bestens geeigneter Sitz mit Rundumsicht. «Raubvögel nutzen solche Angebote in der Regel sofort», sagt Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft. Deren Montage sei für die erfolgreiche Jagd sehr zu empfehlen
«Ein durchschnittliches Vogelpaar mit sechs Jungen fängt innert diesen drei Monaten etwa 3500 Mäuse.»
Patrik Peyer, Projektleiter Landwirtschaft Birdlife Schweiz
Gerade für gefährdete Arten wie die Schleiereule sei ein gutes Jagdrevier mit ausreichend Nahrung und geeigneten Brutgelegenheiten wichtig, sagt Peyer. Diese würden während der Aufzucht der Jungen eine beachtliche Anzahl Mäuse fangen. «Ein durchschnittliches Vogelpaar mit sechs Jungen fängt innert diesen drei Monaten etwa 3500 Mäuse.»
Dementsprechend sei aus Sicht des Vogelschutzes die Aktion des Vereins Blühpatenschaften zu begrüssen. «Jeder Pfahl und jede Sitzwarte ist ein Gewinn.» M it Sitzstangen und mit speziellen Brutkästen für Turmfalken und Schleiereulen können Landwirtinnen und Landwirte einfach und direkt einen wertvollen Beitrag leisten zur Förderung dieser Arten – und zur Mäuseregulation auf dem Betrieb , sagt Peyer.
Dafür ist auch auf Martin Pfisters Hof gesorgt. «Wir haben derzeit zwei Turmfalkenpaare in Nistkästen unserer Scheunen.»
