«Demokratie ist nur möglich, wenn die Bevölkerung ausreichend informiert ist»
An der Kirchgemeindeversammlung vom Mittwochabend nahmen drei der noch verbliebenen fünf Exekutivmitglieder ein letztes Mal Platz auf dem heissen Stuhl. Die Kirchenpflegemitglieder Benedikt Ambühl und Matthias Nussbaumer sowie Präsident Markus Holzner hatten schon im Vorfeld ihren Rücktritt angekündigt.
Dass gesamte Gremium musste in jüngster Vergangenheit immer wieder von ihren Mitgliedern Kritik wegen ihrer Informationspolitik einstecken. Das sollte auch heute nicht anders sein.
Ein erstes Ausrufezeichen setzte diesbezüglich Peter Wettstein. Er beantragte zu Beginn der Versammlung zwei Traktanden zu verschieben, und zwar die Einzelinitiative «Änderung der Kirchgemeindeordnung (Publikationsorgan)» und die Totalrevision der Kirchgemeindeordnung.
Dies war insofern bemerkenswert, da Wettstein Mitinitiant des traktandierten Vorstosses war. «Es ist vielleicht ein bisschen komisch, dass wir Initianten den Antrag stellen, unser Anliegen nicht zu behandeln», sagte Wettstein.
Unvollständiger Bericht
Mit der Änderung des Artikels «Publikationsorgane» sollen laut den drei verbliebenen Initianten (einer ist verstorben) zwei Ziele erreicht werden: ein Informationsmedium, das alle Mitglieder der Kirchgemeinde erreicht, und Klarheit bezüglich des amtlichen Publikationsorgans.
«Der Bericht ist unvollständig und für unsere Versammlung nicht geeignet.»
Peter Wettstein, Kirchgemeindemitglied
Weiter führte Wettstein aus, dass der Kreis der Initianten die Kirchenpflege an mehreren Gemeindeversammlungen dazu bringen wollte, besser zu informieren. «Das Anliegen ist nie ernst genommen worden.»
Das Schweigen der Mönchaltorfer Kirchenpflege
12.04.2021

Kritik an Kommunikation
Der Rücktritt der Mönchaltorfer Kirchenführung kommt kurz nach den Querelen um eine Beschwerde un Beitrag in Merkliste speichern So sei ihnen nur der Ausweg über die Initiative übrig geblieben. «Doch statt danach sachlich auf diese einzugehen, verschiebt die Kirchenpflege das Thema auf die persönliche Ebene.» Weder habe die Kirchenpflege Abklärungen zu den Kosten der Initiative gemacht, noch die Vor- und Nachteile aufgelistet. «Der Bericht ist unvollständig und für unsere Versammlung nicht geeignet. Demokratie ist nur möglich, wenn die betroffene Bevölkerung ausreichend informiert ist.»
Kirchenpflege schweigt zu Vorwürfen
Nach den verschiedenen Vorwürfen fragte Kirchenpflegepräsident Markus Holzner in die Runde der verbliebenen vier Kirchenpflegemitglieder, ob jemand etwas darauf entgegnen wolle – doch es meldete sich niemand zu Wort.
«Wir nehmen zur Kenntnis, dass unsere Informationspflicht nicht immer Vorschriftsgemäss gehandhabt wurde.»
Benjamin Sauder, Mitglied Kirchenpflege
Dafür unterstützen verschiedene Gemeindemitglieder den Antrag zur Verschiebung der beiden Geschäfte mit Wortmeldungen. Einer sagte: «Die Kirchenordnung läuft uns nicht davon. Wir können sie noch in Ruhe an der nächsten Versammlung unter der neuen Kirchenpflege beschliessen.»
So wurde dem Antrag zur Verschiebung mit 42 Stimmen deutlich angenommen. Nur die vier Kirchenpflegemitglieder stimmten dagegen.
Eine leise Entschuldigung
Dass die Kritik der Mitglieder bei der Kirchenpflege nicht einfach so abperlt, zeigte Benjamin Sauder. Das Kirchenpflegemitglied sagte: «Wir nehmen zur Kenntnis, dass unsere Informationspflicht nicht immer Vorschriftsgemäss gehandhabt wurde. Wir möchten uns dafür entschuldigen.»
«Es war der Wunsch der Kirchenpflege, diese Sache abzuschliessen.»
Markus Holzner, Präsident der Kirchenpflege
Auch bei Markus Holzner, Präsident der Kirchenpflege, hinterliess der dauernde Tadel der Gemeinde Spuren. Er und seine Kollegen seien «traurig gestimmt», dass sie die beiden Traktanden nicht behandelt werden können. «Es war der Wunsch der Kirchenpflege, diese Sache abzuschliessen.» Das Amt sei eben zeitintensiv und für berufstätige Menschen nebenbei kaum zu stemmen.
Sekretariatsstelle soll weg
Eine grosse Uneinigkeit zwischen Kirchenmitgliedern und –pflege gab es auch bei der Aufhebung der dauernden Sekretariatsstelle. Seit Dezember 2019 ist die Stelle vakant und wurde auf Entscheid der Kirchenpflege seither nicht mehr besetzt. Nun sollte die Stelle auf Antrag der Kirchenpflege gestrichen werden. Als Hauptargument führte das Gremium die Kostenersparnis auf.
Markus Holzner, Präsident der Kirchenpflege sagte, dass sie in den letzten ein bis zwei Jahren den Fokus auf den Liegenschaftenunterhalt gelegt hätten. Davor hätte die Kirche dafür fast kein Geld gehabt. «Wir bitten um einen sorgsamen Umgang mit den knappen finanziellen Mitteln.» Personalkosten seien halt einfach hohe Kosten, sagte Holzner. 40‘000 Franken pro Jahr würde die Besetzung der Stelle jährlich kosten.
Für einen Votanten war klar, dass es ein Sekretariat zur Entlastung der Kirchenpflege braucht. Beispielsweise gebe es doch nach jeder Gemeinderatssitzung eine Medienmitteilung, aber nach einer der Mönchaltorfer Kirchenpflege nicht. Er sei selber einst Kirchenpflegepräsident gewesen und dies sei schon 1995 so gemacht worden.
Weniger Geld – mehr Zeit
Eine Frau kam auf dem monetären Aspekt zurück und sagte, dass nicht das Geld das Problem sei, sondern die fehlende Zeit. Deswegen brauche es die Stelle.
Dem entgegnete Markus Holzner, dass der Aufwand für das Kirchenpflegeamt eher abgenommen habe. Dies sei nicht der Grund für den Rücktritt der drei Kirchenpfleger, sondern die zeitliche Belastung durch ihren Job.
Doch selbst Sigrist Peter Schoch sprach sich für die Besetzung des Sekretariats aus. «Wenn ich nicht schon mein halbes Leben Sigrist gewesen wäre, wäre hier in den letzten eineinhalb Jahren das Chaos ausgebrochen.» Man finde keine Dokumente mehr und eine zentrale Ansprechperson für Anfragen sei auch nicht mehr vorhanden. Diese Arbeit bleibe oft bei ihm hängen. «Mühsam ist das.»
«Insbesondere bedanken wir uns für die kontroversen und wertschätzenden Diskussionen.»
Markus Holzner, Präsident der Kirchenpflege
Nach einem langen hin und her zwischen Kirchgemeindemitgliedern und Präsident Holzner erzwang schliesslich das ehemalige Kirchpflegemitglied Bruno Hotz mittels Antrag die Abstimmung. Dabei sprachen sich die Stimmberechtigten mit 37 zu acht Stimmen deutlich gegen die Streichung der Sekretariatsstelle aus.
Zum Schluss machte Markus Holzner nochmal gute Miene zum bösen Spiel und zog das Fazit für sich und die zwei zurücktretenden Kirchpflegemitglieder. Er bedankte sich bei allen und ergänzte: «Insbesondere bedanken wir uns für die kontroversen und wertschätzenden Diskussionen. Teilweise hät’s gfäzt», sagte Holzner und schmunzelte.
Die weiteren Geschäfte der Versammlung
Die Stimmberechtigten genehmigten die Jahresrechnung 2020 ohne Gegenstimme. Diese schliesst mit einem Plus von rund 111‘000 Franken. Ebenfalls einstimmig wurde die Kreditabrechnung zum Pavillonkauf beschlossen.
