Trottinett-Rowdys, Zeughaus und zum Ende ein Totalausfall
Eigentlich war alles bereit für den Video-Stream für neuste Ausgabe von «Stadtrat im Dialog». Die siebenköpfige Regierung war am Dienstagabend im Ustermer Gemeinderatsaal versammelt und hatte die Antworten zu den Fragen zur Hand, die sie im Vorfeld von der Bevölkerung erhalten hatte. Doch die Technik sollte an diesem Abend nicht so recht mitspielen, was einige Zuschauer zu genervten Kommentaren hinreissen liess.
So verpassten ein Teil des Publikums zu Hause vor ihren Bildschirmen die erste Minute der Rede von Stadtpräsidentin Barbara Thalmanns (SP). Und als Moderator Hans-Rudolf Galliker vor laufender Kamera im Saal den Stadtrat wegen der vielen Fragen aufforderte, «kompakt zu antworten und sich zu sputen», konnte er noch nicht wissen, dass eine weitere technische Panne die Fragestunde ohnehin arg verkürzen sollte.
Galliker sagte zu Beginn, dass vermehrt Fragen zum Klima eingegangen seien. So hätten zahlreiche Ustermerinnen und Ustermer wissen wollen, weshalb beim aktuellen Bau des Stadthauses West keine Photovoltaikanlage vorgesehen sei.
Stadthaus West ohne Sonnenenergie
Stadtrat Cla Famos (FDP) entgegnete darauf, dass dort durchaus ökologisch gebaut werde – mit guter Dämmung und Erdsonden-Heizung. «In der Tat haben wir aber auf Solarpanels verzichtet. Die Entscheidung wurde von einigen Jahren gefällt – heute würde sie vielleicht anders ausfallen.»
An Bauvorstand Stefan Feldmann (SP) ging die Frage, ob es für die Stadt denkbar sei, später eine solche Solaranalage zu bauen. Dies bestätigte der Stadtrat. Er führte dabei das Beispiel der Ara Jungholz ins Feld, wo eine solche Anlage auch nachträglich installiert worden sei.
Dann widmete sich die Thematik dem Verkehr. Jemand wollte wissen, ob das Zentrum künftig ausschliesslich für ÖV, Taxis und Velos zugänglich gemacht werde. Ein «attraktives Stadtzentrum» zu schaffen, sei als eines der Schlüsselprojekte von Uster definiert worden, sagte Feldmann. Erste Gestaltungsideen inklusive Verkehrsregime seien bereits entwickelt. «Wir werden das noch vor den Sommerferien vorstellen und dazu Meinungen aus der Bevölkerung abholen.» Daraus soll dann ein Projekt erarbeitet werden.
Bedrängte Fussgänger
Eine Verkehrsfrage ging auch an Sicherheitsvorstand Jean-Francois Rossier (SVP). Ein Ustermer wollte wissen, ob Fussgänger in der Stadt Uster keinen Wert mehr hätten. Als solcher werde man jeweils links und rechts auf dem Trottoir von vorbeirauschenden Trottinetts bedrängt.
Herumstehende E-Trottis verärgern Ustermer
15.04.2021

E-Roller in Uster als Test
Seit diesem Jahr gibt es auch in Uster E-Roller zum Ausleihen. Beitrag in Merkliste speichern Rossier beschwichtigte: «Auf keinen Fall, Fussgängerinnen und Fussgänger liegen uns wie alle Verkehrsteilnehmer am Herzen.» Weil eine entsprechende parlamentarische Anfrage zu dem Thema pendent sei, die im Juli beantwortet werde, wolle er heute bei der Frage nicht ins Detail gehen. Er könne aber sagen, dass das Projekt der E-Trottinetts zum Ausleihen, das derzeit von zwei privaten Anbietern in Uster ermöglicht wird, gegen Herbst überprüft werden solle. «Dann wird entschieden, wie wir mit dieser neuen Bewegungsform in Uster künftig umgehen», sagte Rossier.
Dauerbrenner Zeughaus
Chefsache war das Thema Zeughaus. Stadtpräsidentin Barbara Thalmann wurde gefragt, ob das Zeughausprojekt nach der Volksabstimmung wie vorgesehen realisiert werde oder ob noch zahlreiche Änderungen kämen. Das Projekt sei in den Grundzügen definiert, so wie es vor der Urnenabstimmung präsentiert worden sei, sagte Thalmann. «In Stein gemeisselt ist das Projekt aber nicht. Es steht ja auch noch kein neuer Stein auf dem Zeughausareal.» Erstmal werde mit dem genehmigten Projektierungskredit in die Planung übergegangen.
Moderator Hans-Rudolf Galliker stellte den Stadträten auch Live-Fragen, die Zuschauer per Chat eingeschickt hatten. Jemand erkundigte sich danach, wann der Ausbau des Spitals Uster weitergehe. Thalmann, die auch Verwaltungsratsmitglied des Spitals ist, erinnerte an dessen finanzielle Schieflage, die die Bautätigkeit beeinflusse. Die nächste Etappe sei aber in Planung.
Ein Stock mehr für Schule Oberuster
Primarschulpräsidentin Patricia Bernet (SP) informierte schliesslich über das Thema Schulraumplanung. «Als nächstes prüfen wir eine Aufstockung in der Schule Oberuster», sagte sie. Ebenfalls soll beim Schulhaus Gschwader mehr Räume für den Hort ermöglicht werden. «Ich hoffe, dass wir diese Projekte auf 2024/25 realisieren können.»
FDP-Stadträtin Petra Bättig wurde von Galliker mit der Frage konfrontiert, ob für Mütter oder Väter, die in der Nacht arbeiten müssen, Krippenplätze in Uster angeboten werden könnten. Sie verneinte: «Es lohnt sich nicht für einzelne Kinder, deren Eltern im Schichtdienst arbeiten, einen Krippenplatz anzubieten.». Sie hoffe, dass im Fall eines Bedarfs für ein solches Angebot, dieses von Privaten abgedeckt werde.
Strandbadsanierung in der Kritik
Unzimperlich monierte dann ein Ustermer, dass «diese Sanierung des Strandbades Niederuster dilettantisch» durchgeführt worden sei. Gesundheitsvorsteherin Karin Fehr (Grüne) räumte zwar ein, dass es Verzögerungen bei den Bauarbeiten gegeben habe. Als Grund nannte sie Lieferengpässe wegen der Pandemie, Covid-Erkrankungen bei der zuständigen Baufirma und Schlechtwetter-Phasen. Die Sanierung könne aber auf Mitte Juli abgeschlossen werden. Nach rund 45 Minuten streikte dann plötzlich die Audio-Übertragung und für die Zuschauerinnen und Zuschauer an den Bildschirmen war nur noch ein Durcheinander diverser Stimmen zu hören.
«Ich gebe auf – typisch Uster.»
Ustermerin auf Facebook
Über die Kommentarfunktion des Chats meldeten sich einige User: «Tonqualität sehr schlecht», «Katastrophe» oder «unfähig – schämt ihr euch nicht?» Andere nahmen es mit Humor und schrieben: «So, gerne einmal alles wiederholen» oder «schade, dass man nichts versteht, es könnte aber als moderne Kunst durchgehen.»
Derweil versuchten offenbar Techniker im Gemeinderatssaal das Problem zu beheben. Und die Stadt Uster meldete sich im Chat: «Die Technik ist dran, das zu beheben, danke.»
Kurz vor Schluss war es dann aber auch den hartnäckigsten verbleibenden Zuschauern zu viel. So schrieb jemand: «Ich gebe auf – typisch Uster.»
