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Lindauer gründet Bierbrauverein

Der Grafstaler Cyrill Strasser gründete zusammen mit seinem früheren Arbeitskollegen Robin Kämpf einen Bierbrauerverein. Gemeinsam entwickelten sie eine automatische Bierbrauanlage. Ab sofort ist ihr neuestes Bier «Churzschluss» erhältlich.

Cyrill Strasser und Robin Kämpf (v.r.) haben einen Bierbrauverein gegründet.

Foto: IGBA

Lindauer gründet Bierbrauverein

Ein kühles Bier durfte im vergangenen Jahr nicht fehlen – obwohl die Restaurants und Bars geschlossen waren. Das belegen auch die neusten Zahlen des Schweizer Brauerei-Verbands. Biere wurden im letzten Jahr den Umständen entsprechend vorwiegend in den eigenen vier Wänden konsumiert. Auch der Anteil der Spezialitätenbiere nimmt rasant zu. Dies kann unter anderem darauf zurückgeführt werden, dass kleinere Brauereien wie Pilze aus dem Boden schiessen.

Eine dieser neu entstandenen Brauereien hat Cyrill Strasser aus Grafstal gemeinsam mit seinem früheren Berufskollegen Robin Kämpf gegründet. Mit ihrem Verein IG Brau-Automation (IGBA) vereinen die beiden ihre Leidenschaft für das Bier mit ihrem Beruf zu einem neuen Hobby.

Als man sich wegen Corona nicht treffen konnte hatten die beiden die Idee, selbst Bier zu brauen, erzählt Cyrill Strasser, der erste Braumeister des Vereins. «Mein Kollege Robin Kämpf hatte schon lange ein Bierbrauset zu Hause», erzählt er. «Zusammen mit Töpfen versuchte er damit, letzten Sommer in seiner Küche Bier zu brauen.» Strasser selbst habe zeitgleich ein Set von seiner Freundin bekommen und ebenfalls begonnen zu tüfteln.

Weil die beiden letzten Sommer noch zusammen in einer Baufirma in der Automationsabteilung  arbeiteten, hätten sie viel Zeit gehabt, ihre Erfahrungen auszutauschen, sagt Strasser. «Es ist wirklich interessant, was man alles machen kann.» Im Spätsommer hätten sie sich  dann gemeinsam an das Bierbrauen gewagt. Auf die produzierten Biere erhielten sie viel positives Feedback, sagt Strasser. Doch die beiden sahen aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen im Automationsbereich Verbesserungspotenzial im Prozess des Brauens.

Bierbrauen kann man automatisieren

Im Bierbrauen gibt es gewisse Handgriffe, die sehr repetitiv sind. So zum Beispiel das konstante Rühren oder die Einhaltung der festgelegten Temperatur während des Maischvorgangs, sagt Kämpf. Da hätten sie sich gedacht, dass es eine bessere Lösung geben müsste und erfanden eine Bierbrauanlage.

Dafür benutzten sie zum Teil bereits existierende Technologie, aber auch neue, die sie selbst entwickelten. Das Ergebnis: eine vollautomatisierte Brauanlage mit dem Namen Proto-Brew. Diese könne circa 25 Liter aufs Mal Bier produzieren, die in 0.5 Liter Bügelflaschen abgefüllt wurden.

Nachdem die beiden Braumeister in ihrer Umgebung auf sich aufmerksam gemacht haben und die Anzahl der interessierten Biertrinkerinnen und Biertrinker stieg, mussten sie etwas ändern, sagt Strasser. Die Aufwände stiegen, doch der Ertrag blieb aus, zumal sie die meisten Biere zum Probieren verteilten.

Sie wollten kein Unternehmen gründen, weil sie bereits ein gutes Anstellungsverhältnis hätten. Stattdessen gründeten sie Ende des letzten Jahres den Verein IG Brau-Automation und kombinierten den Beruf mit dem Hobby. Nun sei man daran, sich im Handelsregister einzutragen, um die Biere auch auf kommerziellem Weg in die Hände der Bierliebhaber zu bringen.

«Innert kurzer Zeit nach der Gründung stieg die aktive Mitgliederzahl auf neun», sagt Strasser. Die Mitglieder verrichteten Aufgaben, wie das gemeinsame Produzieren, das Etikettieren  oder Ausliefern der Biere. Zudem zähle der Verein aktuell 17 «Supporter», die das Vorhaben mit finanziellen Mitteln stützen und als Entschädigung unter anderem Bier geschenkt bekämen.

Partnerbrauerei hilft mit

Seit Anfang Juni verkauft der Verein sein neues Bier «Churzschluss»; ein Märzenbier, das typischerweise im März gebraut wird und früher häufig an Oktoberfesten getrunken wurde. «Der Name passt zum Bier und auch zu uns», sagt Strasser. «Ein Churzschluss passiert in unserem Beruf selten und ist nicht gerade gut, aber auch nicht verheerend. Unser Bier ist süffig und man trinkt schnell mal eines über den Durst. Das führt dann ebenfalls zu einem Churzschluss.»

Im Mai gab der Verein bekannt, dass er 2‘700 Flaschen «Churzschluss» abgefüllt hätte. Dies unter tatkräftiger Unterstützung ihrer Partnerbrauerei «Brüll!bier» in Tagelswangen und der Anleitung von Andreas Brüllmann, deren Braumeister. «Ohne die Hilfestellung von Andreas hätten wir das wohl nicht geschafft», sagt Kämpf. So habe Brüllmann geholfen das Rezept zu verfeinern und Tipps gegeben, auf was sie besonders achten müssten.

Craft-Bier Szene hält zusammen

«Mit unserer Anlage hätten wir sehr lange gebraucht, um diese Menge Bier herzustellen», so Kämpf weiter. Es sei nicht unüblich, dass kleinere Brauereien auf grössere zugehen und deren Infrastruktur nutzten. So habe man die Anlage von Brüllmann gemietet, um gemeinsam das Bier zu produzieren. Die Zutaten stammen von einem weiteren Partner, der Walder Firma Sios. Der Besitzer Richard Leder begleite die beiden schon von der ersten Minute.

Die beiden jungen Braumeister waren besonders erstaunt, dass man in der Branche so zusammenhalte, obwohl man eigentlich Konkurrenten sei. «Die gegenseitige Unterstützung in der Craft-Beer Szene ist riesig. Man hilft sich, wo man nur kann», sagt Strasser. Als ihnen beispielsweise eine Zutat am Tag des Brauens ausging, zapfte Brüllmann kurzerhand seinen eigenen Vorrat an.

Für Kämpf und Strasser soll das Bierbrauen vorerst aber nur ein Hobby bleiben. Wenn der Verkauf jedoch rasant ansteige, sei angedacht, dass bereitwillige Mitglieder zu einem Prozentsatz angestellt werden könnten.

Das Bier  «Churzschluss»  kann auf der Webseite www.brau-automation.ch bestellt und an einem Verkaufsstandort abgeholt werden.

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