Dübendorf bleibt Autostadt, basta!
Auch beim dritten Versuch hat es nicht geklappt, Tempo 30 grossflächig in den Dübendorfer Quartieren einzuführen. Keine Spur vom neuen Zeitgeist, auf den die Befürworter der Vorlage immer wieder verwiesen haben – und damit nicht nur die erneute Vorlage rechtfertigten, sondern auch die einzelnen 30er-Zonen, die seit dem letzten Nein im Jahr 2013 umgesetzt wurden. Und die auch tatsächlich kaum zu reden gaben.
Bis auf eine Ausnahme: die Tempo-30-Zone im Zentrum. Nachdem der bürgerliche Stadtrat Ende 2019 deren Einführung durchaus überraschend in eigener Kompetenz beschlossen hatte, feuerten die Gegner eine Breitseite nach der anderen gegen das Vorhaben ab, mobilisierten, nutzten jede juristische Möglichkeit. Der Tenor: Der Stadtrat will Tempo 30 flächendeckend einführen, scheibchenweise und ohne demokratische Legitimation.
Diese kampferprobte Truppe meldete sich nun wieder vor der Abstimmung über Tempo 30 in den Quartieren lautstark und argumentativ gestählt zu Wort. Ihr spielte in die Hände, dass nur zweieinhalb Wochen vor dem Urnengang die lange durch Rekurse blockierte 30er-Zone im Zentrum umgesetzt wurde – verbunden mit der Aufruhr, die zwangsläufig bei einer solchen Umstellung des Verkehrsregimes auftritt.
Bei Tempo 30 geht es um Emotionen, da können beschwichtigenden Worte schon mal untergehen.
Das hat der Vorlage zweifellos geschadet. Ebenso wie der Umstand, dass es den Gegnern gelang, Tempo 30 im Zentrum mit Tempo 30 in den Quartieren zu vermischen. Der Stadtrat betonte zwar bei jeder Gelegenheit, man solle eben genau dies nicht tun. Aber bei Tempo 30 geht es um Emotionen – das hat der Abstimmungskampf deutlich gezeigt –, da können solche beschwichtigenden Worte schon mal untergehen.
Klar ist: Nach dem wuchtigen Nein ist grossflächiges Tempo 30 erst einmal vom Tisch. Möglich sind weiterhin kleinere 30er-Zonen, wie sie zuletzt im Stägenbuck-Quartier oder beim Fussballplatz umgesetzt worden sind. Um dem stetig zunehmenden Verkehr in einer wachsenden Stadt Herr zu werden, kann die Stadtregierung solche isolierten Massnahmen eigenständig beschliessen, benötigt dafür aber einiges an Fingerspitzengefühl, das die Gegner der Stadtregierung immer abgesprochen haben.
Dazu gehört eine hieb- und stichfeste Beweisführung, was die Notwendigkeit anbelangt. Und, aus Gründen der Empathie, der Einbezug des Parlaments, wie das etwa in Uster der Fall ist. Dort können die Gegner der versenkten Vorlage dann beweisen, dass sie «nicht grundsätzlich gegen Tempo 30» sind, wie sie das jüngst immer betont haben.
