Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Eine Storchenberingung mit Hindernissen

In Greifensee sollten zwei Jungstörche mit Hilfe der Feuerwehr beringt werden. Doch einer der beiden war dafür zu klein.

Storchen-Rangerin Maria Rohrer beringt mit der Leiter der Feuerwehr die Jungstörche in Greifensee., Für die Aktion war die Feuerwehr Greifensee im Einsatz., Dieser Plastikring wird den Störchen angelegt., Die jungen Störche stellen sich tot, wenn sich ein potentieller Feind nähert., Die Eltern lassen ihre Brut in so einem Fall im Stich., Sie kehren erst zurück, wenn sich die Lage rund ums Nest beruhigt hat.

Fotos: Christian Merz

Eine Storchenberingung mit Hindernissen

Wie selbstverständlich watscheln zwei Enten auf der Greifenseer Strasse Im Langacher und zwingen Autofahrer zum Anhalten. Auf dem Areal, wo auch das Unternehmen Mettler-Toledo steht, fühlen sich Vögel offenbar wohl. So auch das Storchenpaar das seit Frühjahr auf der Wiese hinter der Wohnsiedlung brütet und auf einem Baum ihr Nest gebaut hat.

Jäh unterbrochen wird das geruhsame Zusammensein der Storchenfamilie, als sich ein Achtertrupp Feuerleute mitsamt Leiter nähert. Denn die beiden Jungstörche sollen beringt werden. Jetzt zeigt sich wie zerbrechlich der Familienbund der Vögel ist, die Eltern nehmen Reissaus und beobachten von einem nah gelegenen Baum, wie die Feuerwehr Greifensee die Leiter an den etwa 15 Meter hohen Baum anbringt, wo ihre Jungen im Nest liegen.

Zu kleiner Storch

Für Storchen-Rangerin Maria Rohrer ist das Verhalten der Störche keine Überraschung. «Bei Gefahr flüchten die Eltern und lassen ihre Brut allein», sagt sie. Danach krabbelt die Storchen -R angerin mit einem Seil gesichert bis zum Horst empor. Nach wenigen Minuten kommt sie zurück und zieht die blauen Handschuhe aus. «Einer ist zu klein, dem konnte ich keinen Ring anlegen.». Weil die Länge des Unterschenkelknochens des Vogels noch zu kurz sei, könne ein zu früh angebrachter Ring die Beweglichkeit des Jungstorches einschränken und den Wachstumsprozess stören.

«Es besteht die Gefahr, dass sie so ungeschützt zur Beute von Greifvögeln werden.»

Maria Rohrer, Storchen-Rangerin

Es seien die kleinsten Jungtiere, die sie in der diesjährigen Beringung in der Region angetroffen habe, sagt Rohrer. «Eigentlich müssten die Störche zwischen fünf und sieben Wochen alt sein, um sie beringen. Diese hier sind sicherlich jünger.» Es sei im Vorfeld schwierig abzuschätzen, wie alt die Brut ist. Denn dazu müsste sie  von oben  in den Horst schauen können, was die Vögel wiederum in ihrer Ruhe stören würde. Schlimm sei der fehlende Ring des einen Storches indes nicht. «Fliegen können sie auch ohne Ring», sagt Rohrer und lacht. 

Junge stellen sich tot

Die Beringung macht die Rangerin, damit die Herkunft der Störche , Verwandtschaftsverhältnisse, Zugrouten, Rastplätze und Todesursachen erforscht und  dokumentiert  werden können .  Die individuelle Kennzeichnung der Vögel mit einem Ring erweise Wissenschaft und Naturschutz einen Dienst.  Auf dem Schwarzen Plastikring steht  HES was für «Sempach Helvetia» steht und eine alphanumerische Identifikationsnummer.  Die Storchen-Rangerin hat dem Jungvogel den Ring bewusst am linken Bein angelegt. «In ungeraden Jahren wird der Ring links angebracht und in geraden rechts», sagt Rohrer.

Und wie haben die Jungstörche auf den Eindringling reagiert? Gar nicht, sie stellten sich tot als Rohrer sich ihnen näherte. «Wenn sich ein potentieller Feinde nähert, stellen sich Störche in den ersten paar Lebenswochen tot. Diese sogenannte Akinese legen die Tiere später wieder ab und verteidigen sich dann im Notfall  oder sind gross und alt genug um wegzufliegen », sagt Rohrer.

Stress rund ums Nest

Nachdem die Feuerwehrleute die Leiter entfernt haben und sich von dannen machen, bleiben die Storcheneltern erstmal argwöhnisch und auf Distanz. Die Storchen-Rangerin beobachtet die Tiere mit gebührendem Abstand. Ein Elternteil fliegt Richtung Nest dreht dann allerdings wieder ab. Keine ungefährliche Situation für die Jungen. «Wenn sie zu kalt bekommen, erfrieren sie. Ausserdem besteht die Gefahr, dass sie so ungeschützt zur Beute von Greifvögeln werden», sagt Rohrer. Selber erlebt habe sie so etwas aber noch nie. 

Um den Bestand der Störche der Greifenseegemeinden steht es laut Rohrer gut. «Die Storchen-Population steigt.» In Fällanden, Egg und Maur niste je ein Storchenpaar und auch  Dübendorf   und Volketswil  beheimate einige Horste.  Rund um den Greifensee gebe es 35 Storchenhorste.

Dann ist es endlich soweit und einer der Störche getraut sich zurück ins Nest. Kurz darauf heben auch die Jungen wieder ihren Kopf. Ob es beim Elternteil um den Vater oder die Mutter handelt, könne nur von Auge und rein äusserlich  nicht gesagt werden, sagt Rohrer. Doch letztlich sei das auch egal, weil sich beide um die Aufzucht der Jungen kümmern würden. Die Storchen-Rangerin ist zufrieden mit der Aktion. «Ein Happy End, auch wenn sich die Elternstörche mit der Rückkehr ins Nest etwas Zeit gelassen haben.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns