Die Wildberger heissen zum letzten Mal zwei Jahresrechnungen gut
Erneut musste die Gemeindeversammlung in Wildberg am Mittwochabend in der Turnhalle durchgeführt werden. «Hoffentlich zum letzten Mal», betonte Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) in seiner Begrüssungsansprache vor 39 anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern. «Es wäre schön, wenn wir die nächste Versammlung wieder in der Kirche abhalten können, mit einem Apéro im Anschluss.»
Traktandiert waren unter anderem die beiden Jahresrechnungen der Politischen Gemeinde und der Primarschulgemeinde. Zum letzten Mal hatten die Wildbergerinnen und Wildberger über zwei Rechnungen zu befinden. Denn seit Anfang dieses Jahres ist Wildberg eine Einheitsgemeinde.
Ohne Fragen und Gegenstimmen
Finanzvorsteher Thomas Kupper (parteilos) stellte die beiden Rechnungen vor. Diejenige der Politischen Gemeinde schloss mit einem Ertragsüberschuss von 77‘213 Franken. «Das gute Ergebnis verdanken wir vor allem höheren Grundstückgewinnsteuern», erklärte er.
Grössere Abweichungen hat es gemäss Kupper in den Bereichen Gesundheit gegeben, wo die Kosten tiefer ausfielen, und bei der Sozialen Sicherheit, wo Mehrkosten entstanden sind.
«Im nächsten Jahr werden Sie nochmals über einen Kredit für das Teilstück bis zum Reservoir Breiten abstimmen können.»
Marcel Flisch (parteilos), Tiefbauvorsteher
Nachfragen zur Rechnung gab es keine. Sie wurde ohne Gegenstimme angenommen. Gleiches war bei der Jahresrechnung der Primarschule der Fall. Diese schloss mit einem Ertragsüberschuss von 122’776 Franken. Das gute Ergebnis liege vor allem daran, dass Geld für Sonderschulungen nicht gebraucht worden sei, erklärte Kupper. Ebenso hätten viele Anlässe aufgrund der Pandemie nicht stattfinden können.
«Keine Salamitaktik» bei der Wasserleitung
Im Anschluss an diese Ausführungen stellte Tiefbauvorsteher Marcel Flisch (parteilos) den Kreditantrag für eine neue Wasserleitung vom Reservoir Rood bis Egg und Freudenberg vor. Er räumte gleich von Anfang an ein, dass es sich hier nur um ein Teilprojekt handle: «Wir machen hier keine Salamitaktik. Im nächsten Jahr werden Sie nochmals über einen Kredit für das Teilstück bis zum Reservoir Breiten abstimmen können.»
Dier erste Tranche, über die abgestimmt werde, belaufe sich auf 412’500 Franken. «Unter dem Strich wird das Ganze aber rund 925‘000 Franken kosten», so der Tiefbauvorsteher.
Ein Stimmbürger wollte wissen, was passiere, wenn der Kredit abgelehnt würde. «Im ersten Moment nichts. Das Wasser fliesst weiterhin aus ihrem Hahn», meinte Flisch. «Doch eine in die Jahre gekommene Leitung muss immer wieder saniert werden.»
Murphys Gesetz
Und Dölf Conrad ergänzte: «Und da Murphys Gesetz immer wieder zuschlägt, passiert das sicher genau dann, wenn wir auf Wasser aus dem Tösstal angewiesen sind.» Denn über besagte Leitung ist Wildberg auch an die Gruppenwasserversorgung Tösstal angeschlossen.
Die Wildbergerinnen und Wildberger folgten den Argumenten des Gemeinderats. Sie genehmigten den Kredit ebenfalls ohne Gegenstimme.
Rundhaus sorgt für Ärger
Beim letzten Traktandum musste Dölf Conrad eine Anfrage von Eduard Peyer beantworten. Dieser wollte unter anderem wissen, wieso es mit dem Bau des Rundhauses an der Sunnhaldestrasse nicht vorwärts gehe und was die Gemeinde unternehmen könne. So sei seit letztem November nichts mehr geschehen, monierte Peyer.
«Denn zuerst erhalten die Banken ihr Geld, und nicht etwa die Gemeinde.»
Dölf Conrad (SVP), Gemeindepräsident von Wildberg
Dölf Conrad verlas die Antwort der Gemeinde. Einfach eine Frist zur Fertigstellung setzen, könne sie nicht: «Das Zürcher Baurecht sieht das nicht vor.» Das sei erst nach einer längeren Unterbrechung der Bautätigkeit möglich. «Wir sprechen hier von etwa zwei Jahren.» Das sei beim Rundhaus noch nicht der Fall.
Conrad betonte jedoch, dass die Gemeinde im Kontakt mit der Bauherrschaft stehe. Und er warnte davor, voreilig zu handeln. «Es gibt gesetzliche Möglichkeiten, die Ersatzvornahmen durch die Gemeinde vorsehen», betonte er. Doch hier sei das finanzielle Risiko zu hoch. «Denn zuerst erhalten die Banken ihr Geld, und nicht etwa die Gemeinde.»
Kirchenpflegemitglieder dürften im Amt bleiben
Im Anschluss an die Versammlung der Politischen Gemeinde fand diejenige der Evangelisch-reformierten Kirche Wildberg statt. Die anwesenden 25 Stimmberechtigten hiessen die Jahresrechnung gut und nahmen den Jahresbericht der Kirchenpflege zur Kenntnis.
Ebenso stimmten sie einer Übergangsbestimmung in der Kirchgemeindeordnung zu. Diese war nötig, nachdem an der Versammlung im Dezember die Zahl der Kirchenpflegemitglieder von sieben auf fünf reduziert wurde. «Da aber aktuell sechs Personen gewählt sind, gibt es einen Widerspruch», erklärte Kirchenpflegepräsidentin Manuela Hugi..
Der Rechtsdienst der Landeskirche empfahl deshalb eine Übergangsbestimmung. Nur so könne die neue Kirchgemeindeordnung vom Kirchenrat abgenommen werden und in Kraft treten. Konkret bedeutet dies, dass die gewählten Kirchenpfleger bis zum Ende der Legislatur 2022 im Amt bleiben können. Bei einem vorzeitigen Rücktritt würde die Vakanz aber nicht ersetzt. (bes)
