«Ich werde voraussichtlich den ganzen Platz ausbaggern müssen»
Das Gewitter war heftig, welches das Tösstal am Montagabend heimsuchte. Besonders betroffen war Schmidrüti. Und das Steinenbachtal: Dort liefen diverse Keller voll und die Strasse wurde durch Geröll und Schlamm zugeschüttet.
Eine der Betroffenen ist Pia Stettler, die in Hinterauli auf dem Gemeindegebiet von Wila den Ponyhof Bonnie Ponies betreibt. «Gleich hinter meinem Anwesen trat der Bach über die Ufer», erklärt sie.
Schlamm und Geröll suchten sich den Weg über die Weide und überschwemmten den Sandplatz. «Aktuell habe ich dort die Ponys untergebracht, denn auch Teile der Stallungen standen unter Wasser.» Den insgesamt elf Tieren selbst sei glücklicherweise nichts passiert. «Von den Ponys ist keines zu Schaden gekommen, sie wurden einfach alle etwas gar nass.»
Video: Elias Wirth
Auf dem grossen Sandplatz gleich unterhalb der Weide finden normalerweise die Reitstunden statt. Doch aktuell ist daran nicht zu denken. Vom Sand ist nicht mehr viel zu sehen. Grosse Pfützen und Schlammberge bedecken fast die gesamte Fläche. «Ich werde voraussichtlich den ganzen Platz ausbaggern und erneuern müssen», erklärt Stettler. «Wie lange das alles dauert, kann ich aktuell noch nicht abschätzen.»
«Es ist, wie es ist, wir machen das Beste daraus.»
Pia Stettler, Ponyhof-Betreiberin
Den Reitbetrieb musste sie am Tag nach dem Gewitter am Dienstag kurzerhand einstellen. «Es muss aber irgendwie weitergehen», betont sie kämpferisch. «Dann gibt es kurzfristig halt mehr geführte Ausritte.» Auch das werde den Kindern Freude bereiten, wenn sie Zeit mit «ihren» Ponys verbringen dürfen.
Trotzdem werden einige Reitstunden in nächster Zeit wohl ausfallen müssen. Das bedeutet für Stettler gleichzeitig, dass sie nach Corona nun noch einen weiteren Verlust an Einnahmen in Kauf nehmen muss. «Es ist, wie es ist, wir machen das Beste daraus.»
Unkomplizierte Hilfe
Die Eltern ihrer Reitschülerinnen und Reitschüler reagierten mit Verständnis. Viele boten sofort unkompliziert Hilfe an. Auch Freunde und Bekannte haben sich bereit erklärt, bei den Aufräumarbeiten dabei zu sein. «Es ist sehr schön, dass ich auf so ein grosses Netzwerk an Unterstützern zählen kann», freut sich Stettler.
«Und bereits jetzt ist klar, dass die Versicherung wohl kaum etwas von den Schäden am Reiterhof decken wird»,
Pia Stettler
Bereits am Dienstagnachmittag packten die Helferinnen und Helfer an, um die Stallungen vom Schlamm und Dreck zu befreien. Auch Pia Stettler war unermüdlich an der Arbeit. Eventuell wird sie auch vom Unterstützungsaufruf profitieren, den der Wilemer Gemeindepräsident Hans-Peter Meier (SVP) am Dienstag lancierte. Er forderte die Wilemer Vereine auf, den Betroffenen bei den Aufräumarbeiten zu helfen.
Versicherung zahlt nicht
Auf der Weide muss aber mit grösserem Geschütz aufgefahren werden: «Hierfür musste ich einen Tiefbauer aufbieten.» Stettler weiss noch nicht, wie teuer sie das Unwetter zu stehen kommt. Allein für die Tiefbauarbeiten auf der Weide rechnet sie mit Kosten von rund 15‘000 Franken.
«Und bereits jetzt ist klar, dass die Versicherung wohl kaum etwas von den Schäden am Reiterhof decken wird», so die Ponyhof-Betreiberin. Eventuell kann sie auf einen Beitrag der Gemeinde hoffen. «Zumal die Gemeinde auch für den Bach hinter dem Anwesen zuständig ist.»
Prinzip Hoffnung
Ans Aufgeben denkt Pia Stettler trotz der vielen Schäden nicht. Bereits letztes Jahr musste sie während der Corona-Pandemie wirtschaftlich unten durch. Es konnten über längere Zeit keine Reitstunden stattfinden. Schon damals durfte sie auf die grosse Unterstützung von Eltern und Reitschülern- und schülerinnen zählen.
«Wir kriegen das schon hin.»
Pia Stettler
So organisierte beispielsweise die Turbenthaler Schülerin Jennifer Truniger eine Spendenaktion für den Ponyhof. Es kamen über 10‘000 Franken zusammen. «Auch damals galt für mich das Prinzip Hoffnung, und es kam alles gut am Schluss», betont Stettler.
Nun versucht sie, mit der gleichen Einstellung auch das Unwetter zu meistern. «Wir kriegen das schon hin», ist sie überzeugt.
