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Der «Ochsen» Wetzikon kommt nicht zur Ruhe

Auch nach der allgemeinen Öffnung der Gastronomie bleibt der «Ochsen» Wetzikon bis auf Weiteres geschlossen. Der Wetziker Gastronome Guiseppe Tauriello gibt die Pacht des Traditionsrestaurants ab.

Die Traditionsbeiz Ochsen bleibt diesen Sommer geschlossen. , Giuseppe Tauriello gibt die Pacht Ende Juni ab. Grund ist der Tod des Wirts Giancarlo Deplano.

Foto: Christian Merz

Der «Ochsen» Wetzikon kommt nicht zur Ruhe

Die Terrasse ist bis auf ein paar Pflanzentöpfe leer, ein Schild mit der Aufschrift « Offen » steht einsam in einer Ecke. Im Innern des Restaurant Ochsen ist es dunkel, die Stühle stehen auf den Tischen, ein paar gepackte Kisten sind zu sehen.

Das Traditionsrestaurant, das der Ochsenkultur AG gehört, bleibt bis auf weiteres geschlossen. Der Grund: Wirt Giancarlo Deplano, der das Restaurant seit Januar 2020 führte, verstarb im Februar 2021 an einem Herzinfarkt. « Das war ein grosser Schock » , sagt Giuseppe Tauriello, der den « Ochsen »  vor drei Jahren als Pächter übernommen hatte.

Häufige Wirtewechsel

Mit dem Abgang des Wetziker Gastronomen geht die unruhige Geschichte des Traditionsrestaurants weiter. Seit dem Ende der vierjährigen Pacht des Ehepaars Argiro im Jahr 2016 wechseln die Wirte im « Ochsen » schnell. Die Nachfolger der Argiros gingen trotz Sternekoch nach nur zwei Jahren Konkurs.

Im Jahr 2018 wurde Tauriello neuer Pächter, doch mit der von ihm engagierten Equipe hatte er Pech. So wirtete er, der mit Mammas Cucina in Unterwetzikon bereits ein anderes Restaurant betreibt, vorübergehend selber im « Ochsen » . Im Februar dann fand er einen neuen Wirt und war optimistisch.

Probleme wegen Terrasse

Deplano führte eine tendenziell mediterrane Karte mit Schweizer Spezialitäten, korrigierte die Preise nach unten, eröffnete ein Fondue- und Raclette-Stübli.

Nun ist Giuseppe Tauriello die Lust auf den « Ochsen »  vergangen. Der Tod von Deplano ist der triftigste Grund. Aber es gibt auch noch einen anderen. Für 25‘000 Franken errichtete Tauriello letzten Sommer eine Terrasse. « Wir bauten einen Bretterboden, stellten Pflanzen auf, nahmen ein altes Balkongeländer als Zaun. Das Ganze sah toll aus, ein Bijou für Kempten. »

Doch der umtriebige Gastronom hatte es verpasst, dafür eine Baubewilligung einzureichen. Nicht ganz unbewusst. « Nach dem Lockdown wollte ich den Sommer auf keinen Fall verpassen », sagt er. «Hätte ich ein Gesuch gestellt, wäre das viel zu lange gegangen und ich hätte das Sommergeschäft vergessen können.» Auf Aufforderung der Gemeinde stellte Tauriello nachträglich ein Gesuch. 

Doch er hatte die Rechnung ohne den Denkmalschutz gemacht. Das Gebäude ist seit 1979 im Inventar der Denkmalschutzobjekte aufgeführt , weshalb die Denkmalpflege mit einbezogen wurde. « Eines Tages kreuzte hier eine Dame auf und sagte, dass die Terrasse nicht passt und überarbeitet werden muss. »

Tauriello schüttelt den Kopf. « Es wundert mich sehr, dass eine einzige Person die Macht hat, so etwas zu entscheiden. » Er wirft den Verantwortlichen Willkür vor. Dass er es war, der es versäumte, ein Baugesuch einzureichen und somit gegen geltendes Recht verstiess, ist für ihn nebensächlich.

Mit neuen Pächtern in Verhandlung

Markus Pfanner, Mediensprecher der Baudirektion des Kantons Zürich weist den Vorwurf zurück. « Hätte Herr Tauriello ein ordentliches Baugesuch ein ge reicht , wäre die Denkmalpflege rechtzeitig involviert worden », sagt Pfanner. « Dann kann man zusammen reden und schauen, was möglich ist. »

Wenn man den gesetzlich vorgegebenen Ablauf nicht einhalte und die Behörde einfach vor vollendete Tatsachen stelle, könne es sein, dass nachträglich Anpassungen notwendig seien. « Am besten ist es deshalb, die Denkmalpflege bereits von Anfang an ins Projekt einzubeziehen. »

Giuseppe Tauriello betrifft das nun nicht mehr. Der 64-Jährige gibt den « Ochsen »  Ende Juni ab. Bis dahin bleibt er zu. Die Ochsenkultur AG ist mit neuen potentiellen Pächtern in Verhandlung.

«Wir wünschen uns wieder ein Restaurant mit einer modernen, frischen, saisonalen Küche mit italienischem Einschlag», sagt Adrian von Kaenel, Verwaltungsrat der Ochsenkultur AG. «Es soll ein  Anziehungspunkt für Quartierbewohner und ganz Wetzikon sein und auch zum Kulturbetrieb des Scalas passen.»

Wie «Züriost» weiss, handelt es sich bei den aktuellen Verhandlungspartnern um Bekannte von Tami und Giovanni Pecoraro, die den « Ochsen » von 2007 bis 2012 führten. «Wenn das klappt, dann geht es mit dem Restaurant Ochsen wieder bergauf», ist Giovanni Pecoraro überzeugt. «Oder anders gesagt: Wenn sie es nicht schaffen, dann schafft es niemand.»

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